Mittwoch, 16. Juli 2008

Ein Auto namens "Arkona"

"Sachen gibt´s – die gibt´s gar nicht!“ Oder doch? Zu den wohl ungewöhnlichsten Geschichte zählt sicher die eines Oldtimers. Er trägt den Namen „Arkona“. Und als ob dies nicht schon ungewöhnlich genug wäre... Er wurde in einer Autofabrik gebaut, die sich etwa 100 km Luftlinie vor der Insel Rügen befand. Ja, manchmal geht die Geschichte eigentümliche Wege, denn als der Emil Stoewer (auf dem Foto steuert er selbt den ersten Stoewer-Motorwagen) 1897 zum ersten Mal in Frankreich ein Automobil sah, fasste er den Entschluss, zusammen mit seinem Bruder Emil Motorfahrzeuge zu bauen. Später erinnerte sich dieser am 18. Februar 1938 gegenüber der „Rügenschen Post“ in dem Artikel „Als das Auto noch Luxus war“ so:

„Um einen Anfang zu machen, kauften wir ein englisches Beeston-Humber-Motordreirad. Dieses Vehikel habe ich einige tausend Kilometer gefahren und war bis auf einige Mängel, die sich besonders bei der feuergefährlichen Flammenzündung zeigten, mit der Funktion und der Leistung zufrieden. Wir beschafften uns dann von der Firma Dion-Bouton in Paris luftgekühlte Einzylinder-Motore, die bereits Zündkerzen mit Batterie hatten und bauten diese in Motor_Dreiräder und Motor-Veirräder...“

Vom französischen Vorbild eines Zweisitzers wandten sich die pommerschen Autobau-Pioniere aus Stettin allerdings schnell ab und bauten nach einem Jahr Entwicklungsarbeit ab 1899 einen robusten viersitzigen Motorwagen. In Konkurrenz zu Mercedes und Horch entstanden in den Folgejahren nicht nur Kleinwagen, wie den V5, sondern auch Mittelklassewagen, wie den Stoewer Greif V8.
1937 startete dann die Produktion des „Arkona“. Die Eigenentwicklung, die ihren Namen nach der Nordspitze der Insel Rügen erhielt, galt als sportlicher PKW der oberen Mittelklasse. 1938 errang der „Arkona“ als schnellster Wagen seiner Klasse sogar das „Edelweiß der Deutschen Alpenfahrt“. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern wurde der „Arkona“ allerdings wieder mit einem Hinterradantrieb ausgestattet. Das Fahrzeug hatte einen Reihensechszylinder-Motor mit 3,6 l Hubraum. Seine 80 PS, welche über ein 4-Gang-Getriebe die Hinterräder antrieben, mussten fast zwei Tonnen Gewicht in einer Geschwindigkeit bis zu 120 Kilometer in der Stunde bewegen. Die Verarbeitung war makellos und die Zuverlässigkeit hervorragend. Nur im Verbrauch mag er angesichts der steigenden Spritpreise auch Oldtimer-Fans erblassen lassen: 18 Liter Kraftstoff (!) benötigte der „Arkona“ mindestens auf 100 Kilometer Laufleistung. Angeboten wurde er übrigens als Limousine, Pullman-Limousine, Cabriolet, Sport-Cabriolet und Tourenwagen...


Aus der Werbung für den "Arkona" von Stoewer

Man sieht sich: Stoewer "Arkona" und Kap Arkona


PA-Tipp: www.stoewer-musuem.de