Samstag, 15. November 2014

Eine Wanderung durch die Granitz


Noch zu finden: Alte Wegweiser.
Wer trotz fallender Temperaturen nicht auf eine aktive Betätigung verzichten möchte, dem bieten sich viele Möglichkeiten zu ausgedehnten Wanderungen mit unterschiedlichster Beanspruchung. Zu den beliebtesten Wandergebieten der Insel zählt zweifellos die Granitz.
Rügen. (SAS) Die Granitz gilt mit einer Fläche von etwa 1.100 ha als eine der größten Buchenwaldgebiete Norddeutschlands. Schon bedingt durch seine Lage – unmittelbar südöstlich von Binz – eignet es sich als ideales Gebiet zum Wandern. Eine Anfahrt über das Ostseebad und Parkmöglichkeiten befinden sich sowohl am Kleinbahnhof, als auch am Klünderberg (beim Tennisplatz).
Obgleich eine Küstenwanderung am Granitzer Hochufer zu den faszinierendsten Wanderungen gehört, haben wir uns witterungsbedingt für eine Wanderung zum Jagdschloss Granitz entschieden. Der Vorteil liegt auf der Hand: Eine Fortführung in Richtung Graftitz (Haltestation der Kleinbahn) und die Möglichkeit für einen Abstecher zu den Hünengräbern bei Lancken-Granitz ist für jedermann geeignet. Außerdem kann die Strecke jederzeit den Bedürfnissen des Wanderers angepasst werden.
Informationstafeln am Rande der Granitz.
Wir starten dazu am Kleinbahnhof in Binz und folgen der Straßenführung geradewegs in südöstlicher Richtung. Der Bahnübergang bleibt jedoch rechter Hand liegen und es geht vorbei an einer kleinen Neubau-Siedlung und dem rechts liegenden Torhaus. Heute erinnert es uns daran, dass einst das Jagdrevier der Granitz eingezäunt war. Nach etwa 30 Minuten einer schönen Waldwanderung mit Anstieg erreichen wir bereits das Jagdschloss auf dem Tempelberg.
Thronend auf dem Tempelberg: Das Jagdschloß.
Es war Bestandteil der Konzeption der fürstlichen Residenz Putbus, wurde bis 1846 errichtet und war früher Ausgangspunkt zahlreicher Treibjagden. Als einer der schönsten Aussichtspunkte der Insel Rügen lädt es zu einer Besteigung des mittigen Wachturmes – der nach den Plänen Karl Friedrich Schinkels errichtet wurde - ein. Der sich bietende Rundblick über die herrlichen Buchenwälder entschädigt auch für die Überwindung bei der Besteigung.
Immer wieder eine Herausforderung: Die Turmbesteigung.
Zerstreuung erfährt man dagegen in der Ausstellung des Schlosses. Wer nun noch eine kurze Stärkung wünscht, wird in den Kellergewölben fündig. In der „Alten Brennerei“ kann man sich – außer montags – mit einer deftigen Brotzeit oder Kaffee und Kuchen verwöhnen lassen.   
Zur weiteren Erkundung schlagen wir eine Fortführung zur bereits erwähnten Haltestation Graftitz vor. Sie liegt nur etwa 1 km unterhalb des Tempelberges und bietet zwei Optionen: Eine Rückfahrt mit der Kleinbahn zum Ausgangspunkt – der Bahnstation Binz – oder einen Abstecher (2 km) zu den Hünengräbern bei Lancken-Granitz.
Stumme Zeitzeugen - alte fürstliche Alleen.
Letzterer kann als Abrundung für die Wanderung nur angeraten werden. Geradezu romantisch wandert man dazu weiter auf der kaum befahrenen Allee mit historischen Kopfsteinpflaster. Ziel ist zunächst die Ortschaft Lancken-Granitz. Auch das Kirchdorf hatte eine bewegte Geschichte. Bedingt dadurch, dass zur Schwedenzeit und zur Zeit der französischen Okkupation die Heerstrasse von Mönchgut zur Festung Stralsund direkt durch den Ort führte, litt man unter zahlreichen Einquartierungen. So wählte u.a. auch der schottische Lord Cathcart 1807 mit einer britischen Legion Lancken-Granitz als Lager. Der 1812 zum General ernannte Haudegen, nahm übrigens später an der Seite des russischen Zaren Alexander an den Befreiungskriegen teil und war als Diplomat auf dem Wiener Kongress.
Nachdem wir den Ort durchquert haben, halten wir uns an der „Alten Mühle“ links auf der „Bäkertrift“, dann – beim nächsten Abzweig - wieder rechts. So erreichen wir direkt die fünf neusteinzeitlichen Großdolmen, auch Hünengräber genannt.
Erinnerung an die Gräber-Untersuchung
Sie wurden in den Jahren 1971-1972 auf Initiative des Oberlehrer Furthmann freigelegt und wissenschaftlich untersucht. Ihr Alter wird auf etwa 4000 Jahre geschätzt.
Nach diesem Abstecher geht es wieder über Lancken-Granitz zurück zur Bahnstation Graftitz. Mit der Kleinbahn erreichen wir den Ausgangspunkt unserer Wanderung – den Kleinbahnhof in Binz.
       
Eines der Hünengräber.

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