Montag, 24. November 2014

"Talent allein reicht nicht..."

Rügen. (SAS) Diesmal sind wir zu Gast beim ehemaligen Radrennfahrer und mehrfachen deutschen Meister Heinz Richter. Er lebt heute in Bergen auf der Insel Rügen und ist dem Radsport auch weiterhin verbunden.  
Heinz Richter im Mannschafts-Trikot
Herr Richter, wir haben gelesen, dass Sie ihre sportliche Laufbahn mit Eishockey begonnen haben. Wie kommt man vom Eishockey zum Radsport?
Als Kinder wurden wir von den Schulen immer angehalten sehr vielseitig Sport zu treiben. Und in unserem Dorf, wo ich groß geworden bin, war das eben so, dass dort im Winter Eishockey auf Initiative des Bürgermeisters angeboten wurde, also haben wir Eishockey gespielt. In den Sommermonaten hat man andere Sachen gemacht. Durch die generell gute Berichterstattung von der Friedensfahrt wurden wir dazu angehalten, uns in den Schulen an kleinen Friedensfahrten zu beteiligen und da war ich immer der Beste. So kam ich vom Eishockey zum Radsport.
Nach den DDR-Jugendmeisterschaften wechselten Sie zum SC Dynamo. Wie wichtig war dieser Schritt, um auch sportlich weiter zu kommen?
Das war natürlich der ganz entscheidende Schritt, weil wir ja zu meiner Zeit keine kontinuierliche Förderung hatten. Man musste durch sportliche Leistungen überzeugen, dass der Trainer eines Klubs auf einen aufmerksam wurde. Das konnte man nur, indem man sich an Wettkämpfen beteiligte, die überregional waren. Also deutsche Meisterschaften und da konnten die Trainer eben sehen: Mensch, da kommt einer aus so einer kleinen BSG (Betriebssportgemeinschaft - Anm. d. Red.), da müssen wir uns mal hinterklemmen. Und wenn man dann also angesprochen wurde... Das war dann eine große Ehre.
1967 wurden Sie dann DDR-Meister im Zeitfahren. Wie ging es danach weiter?
Die Jahre verliefen sehr rasant. Im Herbst 1963 bin ich zum Klub gekommen und 1964 war ich schon im Nationalmannschaftskader. Und von da an dann nur noch in der Nationalmannschaft. 14 mal war ich deutscher Meister der verschiedensten Disziplinen gewesen, zwei mal Vizeweltmeister und dann eben auch noch die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 1972.

Welche Erinnerungen haben Sie noch an München?
An München gibt es ganz unterschiedliche Erinnerungen. Einmal die sportliche Leistung, dass wir die Silbermedaille erringen konnten. Andererseits waren wir etwas zweigeteilt, denn wir waren auf Gold aus. Aber durch den Umstand, dass das Halbfinale und Finale an einem Abend gefahren wurden... Wir trafen in unserem Halbfinallauf auf die Russen – einen sehr harten Gegner, gegen den wir das Rennen erst auf den letzten 2-3 Metern entscheiden konnten. Danach waren wir total am Ende, aber glücklich, dass wir das Finale erreichten. In dem anderen Halbfinallauf mussten die Westdeutschen gegen die Engländer fahren. Da diese jedoch nach drei Runden einen Reifenschaden hatten und das Rennen so schon nach der Hälfte beendet war, haben die Westdeutschen natürlich nur gelacht. Für sie war das Halbfinale nur ein Warmfahren. Zwar sind wir dann mit großem Kampfgeist in den Finallauf gegangen, aber dort haben letztlich die paar Körner gefehlt. Sonst - so bin ich überzeugt – hätten wir auch den Sieg holen können.
Was wünschen Sie sich für den Radsport auf der Insel?
Ich würde mir schon wünschen, dass es mit dem allgemeinen Sport so weiter läuft. Denn: Radfahren ist einer der gesündesten Sportarten. Den jungen Talenten wünsche ich vor allem viel Durchhaltevermögen.  Talent allein reicht aber nicht. Man muss auch den Willen dazu haben, um das durchzustehen.
Noch mit dem Rad auf der Insel aktiv unterwegs: Heinz Richter