Samstag, 7. März 2015

Zwischen Bombenangriffen und Besatzung

Vor 70 Jahren endete der 2. Weltkrieg

Statistiken. - Menschen werden zu Zahlen und Einzelschicksale unsichtbar. Wenn man ihnen trauen kann, dann sind alleine zwischen dem 15. Januar und dem 10. Mai 1945 etwa 210.000 Menschen – Flüchtlinge, Verwundete und Soldaten – über den Sassnitzer Hafen angelandet worden. Ab Ende Februar wurde der kleine Fischerei- und Fährschiffhafen zum Umschlagplatz für die Flüchtlinge aus dem Osten – Vor- und Hinterpommern, West- und Ostpreußen. Allerdings mussten viele der größeren Schiffe, wegen des geringen Tiefgangs im Hafen, vor Sassnitz auf Reede liegen. So stellte sich auch die Situation bei einer gezielten Luftaufklärung dar. Am 6. März 1945 folgte dann der schwerste Luftangriff auf die Insel Rügen und den Hafen Sassnitz.

Blick über die Hafenstadt Sassnitz
Bis heute ist das Ausmaß der Vernichtung nicht vollständig geklärt. Im Ort sprach man von 28 total und 103 leicht zerstörten Häusern. Die Zahl der getöteten Menschen wird bei den Sassnitzer Einwohnern mit 103 beziffert, die der Flüchtlinge mit 700 und die der Soldaten mit 500 geschätzt. Sicher verhinderten die Flugabwehrstellungen, der bis zu seinem Untergang feuernde Zerstörer 28 (Z28) und die aufgestiegenen Messerschmidt-Flugzeuge dabei Schlimmeres, doch Krieg und Gewalt hatten damit auch die Insel in ihrem vollen Ausmaß erreicht.
Der Krieg selbst endete in Pommern und auf Rügen jedoch erst Anfang Mai 1945. Vorausgegangen waren Verhandlungen zur Kapitulation und Übergabe der Insel an den sowjetischen Generalmajor Ljastschenko. Die deutsche Seite gab dabei kurzzeitig Anlass für einige Verwirrung: Zwar war die Kapitulation bereits am 3. Mai vom Generalmajor Hauschulz unterzeichnet worden, doch dessen Adjudant, Oberleutnant Hans-Jürgen Meyer, hatte keinen Befehl zur Übergabe erhalten. - So beschreiben er und Oberst Zyganow später übereinstimmend die Situation in dem Buch „Blinkzeichen am Rügendamm“. Dönitz soll zwischenzeitlich den Befehl gegeben haben die Insel nicht zu verteidigen. Die dadurch gewonnene Zeit wird zum Abtransport militärischer Einheiten genutzt. Am 5. Mai 1945 verließen die „Wiking“, ein Fischereischutzboot mit dem Hafenkommandanten Streitfeld und ein Schlepper als letzte Schiffe einen pommerschen Hafen in Richtung Kopenhagen. Parallel dazu erfolgte bereits die Besetzung der Insel durch die Rote Armee.             

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