Samstag, 11. April 2015

Bismarck auf Rügen


Regionale Buchbesprechung zum 200. Geburtstag

Rügen. (SAS) Immerhin: Dreimal weilte Otto von Bismarck nachweislich auf Rügen. Grund genug für den Autoren und Heimatforscher André Farin sich auf die Suche zu machen, um zu erfahren, wie die Aufenthalte des „Eisernen Kanzlers“ auf unserer Insel verliefen. Das Ergebnis seiner Recherche liegt nun auf 127 Seiten zusammengefasst vor. Bedingt durch die Quellenlage muss der Leser allerdings Abstriche in seinen Erwartungen zu den Besuchen 1838 und 1854 machen. Dafür wird er jedoch umfassend mit einer detailgetreuen Dokumentation des Herbstes 1866 entschädigt. Hinter dem preußischen Ministerpräsidenten lagen zu dieser Zeit der Deutsch-Dänische Krieg (1864) und im Jahr des Aufenthaltes ein Attentat (7.Mai) sowie der deutsche Krieg (u.a. gegen Österreich) - bei dem er zeitweise bis zu 13 Stunden im Sattel seines großen Fuchses auf den Schlachtfeldern zubrachte. So ist es keineswegs verwunderlich, dass aus einem für zwei Wochen angesetzten Erholungsurlaub in Putbus ein acht Wochen dauernder Genesungsaufenthalt wurde.
„Zum Glück!“ - möchte man sagen. Denn ob als Kranker, als Wanderer, als Jäger, als volkstümlicher Gast oder als rühriger Politiker – Bismarck und sein Chronist verstehen es nun, den Leser für sich vollständig einzunehmen. So viel ist klar: Dieser Mann war ein Original, der auch im Bezug auf die „Putbusser Diktate“ und damit bei der Verfassung des Norddeutschen Bundes nichts dem Zufall überließ. Einige Biografen kommen deshalb bisweilen zu dem Schluss, Bismarck hätte Staatsaufbau und Gliederung auf seine Bedürfnisse zugeschnitten. Damit hat der Autor kein Problem, denn er teilt die Meinung, dass der berühmte Gast das „Zentralgestirn des politischen Kosmos des deutschen Bundesstaates“ war. Hier wird ihm vielleicht nicht jeder beipflichten, dass dies entsprechende Konsequenzen forderte. Andererseits muss jedoch festgestellt werden, dass der Wille zur Einheit – der vom deutschen Volk bereits mit den Befreiungskriegen gegen Napoleon auflebte und mit der deutschen Revolution 1848 erneut Ausdruck fand – letztlich mit der Reichsgründung 1871 – einer „Revolution von oben“ durch Bismarck – abgeschlossen werden konnte. Wie schwierig Einigungsprozesse und die deutsche Frage sich gestalten können, sehen wir auch im 25. Jahr der deutschen Wiedervereinigung.
Das neue Buch über Bismarck
Mit dem Buch „In Schmierstiefeln weit weg von der Zivilisation“ hat Andre Farin den Beitrag Rügens zum 200. Geburtstag des späteren deutschen Reichkanzlers gegeben. Er jährt sich am 1. April 2015.  

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