Mittwoch, 8. April 2015

„Ich fand die Insel traumhaft schön!“

Christa von Bernuth - im Gespräch über Insel, "Innere Sicherheit" u.v.m.
Rügen. (SAS) Christa von Bernuth. Wer den Rügen-Krimi „Innere Sicherheit“ gelesen oder die Kommissarin Mona Seiler bei RTL gesehen hat, kennt die Schriftstellerin. Wir sprachen mit Ihr über Rügen, die deutsche Einheit und eine Tote am Strand der Prorer Wiek...

Was fällt Ihnen spontan zu Rügen ein? Wann haben Sie das erste Mal die Insel kennen gelernt?
Christa von Bernuth: Ich war mit meinem jetzigen Mann auf Rügen als ich für die Innere Sicherheit recherchiert habe. Ein hochrangiger pensionierter Polizeibeamter lebt dort, er konnte mir viel über die Polizeiarbeit in der DDR erzählen. Das war hochinteressant. Ich fand die Insel traumhaft schön! Ein herrlicher Platz - nur könnte es etwas wärmer sein...
Mit dem Buch "Innere Sicherheit" haben Sie nicht nur einen deutsch-deutschen Kriminalroman geschrieben, sondern Rügen auch zur Handlungskulisse gemacht: Eine getötete Frau wird in der Prorer Wiek angeschwemmt, sie und ihre Geschichte wird die Biografien vieler Menschen verändern - allen voran die des Polizisten Martin Beck. Wie kam es zu der Entstehung ihres Werks?
Ich war als Studentin mit meinem damaligen Freund, einem Journalisten, mehrere Wochen lang in der DDR. Er wurde bei der Ausreise festgenommen und wegen Verdacht auf Spionage angeklagt, weil er viele verbotene Motive (unter anderem diese unheimlichen Wachtürme an der Ostsee, die sich schwarz gegen den Himmel abhoben) fotografiert hat. Und da war ich zum allerersten Mal auf Rügen. Das Wetter war schlecht, das Meer aufgewühlt. Wir machten lange Strandspaziergänge. Diese Reise hat insgesamt einen tiefen Eindruck hinterlassen. Die Maschinengewehreinschläge in den Mauern der Altbauten in Berlin - Relikt der letzten Kriegstage, das gelbliche Licht der Straßenlaternen, die Freundlichkeit der Menschen, die krasse Unfreiheit, das ständige Beobachtetwerden, die Allgegenwart der Polizei, die absurden Plakate à la ”Frieden muss bewaffnet sein”. Es war im Rückblick wie eine körnige Schwarzweißaufnahme, voller interessanter Grautöne. Ich wollte schon immer über diese Stimmung mitten im Kalten Krieg schreiben und mir fehlte nur die Geschichte dazu. Dann fiel sie mir plötzlich ein: die Geschichte eines Menschen, der fest an ein System glaubt, das dem Ideal der christlichen Nächstenliebe so nah kommt wie kein anderes. Und das trotzdem seine ganz eigene Unmenschlichkeit entwickelt, sobald jemand beginnt, seine Grenzen auszuloten. Das sozialistische System war - wie alle anderen ähnlich strikten Glaubenssysteme - so paranoid wie ein krankhaft eifersüchtiger Liebhaber. Und genauso gefährlich.
Das angesprochenen Buch dokumentiert lebensnah die Stimmungen und Sichtweisen der 80er Jahre. Nun schreiben wir heute das Jahr 25 der deutschen Einheit. Wie sehen Sie dieses Ereignis im Rückblick und was hat sich in Deutschland verändert?
Alles hat sich verändert. Krass. Und trotzdem so subtil, dass man kaum sagen kann, was anders ist. Wahrscheinlich könnte ein Ostdeutscher diese Frage besser beantworten.
Nun heißt Ihr aktuelles Buch "Das Falsche in mir". Wieder scheint es auch um die Verdrängung von Vergangenheit zu gehen... ein typisch deutsches Thema?
Ja, Sie haben vollkommen Recht. Das ist ein deutsches, aber auch ein universelles Thema. Wir schauen ungern hin, wenn es um eigene Verfehlungen geht. Wir wollen nicht wissen, was wir falsch gemacht haben. Wir wollen nicht schuldig sein. Niemand will das. Es ist menschlich.
Gerne würden wir eine Lesung von Ihnen besuchen. Wann gibt es dazu auf Rügen oder in Vorpommern Gelegenheit?
Wenn mich eine Buchhandlung oder eine Institution einlädt, komme ich gern! Bisher war das nicht der Fall.