Sonntag, 5. April 2015

Schönheit und Vergänglichkeit

Nirgendwo sind sie greifbarer als in Norddeutschland, genauer gesagt in Mecklenburg und Vorpommern. Sie brauchen ein Guts- oder Herrenhaus? Vielleicht sogar ein Schloss?

Rügen. (SAS) Und vielleicht beginnt an dieser Stelle ja genau das eigentliche Problem. Alle diese feilgebotenen Bauten waren einst Zweckbauten. Doch der dazu gehörende Grundbesitz, der die Existenz eines Guts- oder Herrenhauses erst begründete, fehlt. Nach dem Kriege aufgesiedelt, später verpachtet oder als Teilstücke eines Flickenteppichs verkauft. Im Ergebnis wirken viele der ehemaligen Sitze von Edlen, saniert oder verwüstet, dann wie aus der Zeit gefallen. Natürlich, eines ist klar: Auch heute müssen sich Häuser rechnen und Fördermittel spielen - mehr denn je - eine große Rolle. Also entstehen Konzepte mit bunten Broschüren, fristen im schlimmsten Falle ohne Umsetzung der Idee ihr Dasein oder werden am Ende vielleicht auch wieder verworfen, gehen zuweilen mit einem Besitzerwechsel einher.

Das Gutshaus Lancken
Lösen wir uns also aus dem heute und tauchen in eine andere Zeit ein: Wir schreiben das Jahr 1730. Eine Ära wurde mit dem Tode des österreichischen Feldmarschall-Leutnant Philip Ernst von der Lancken auf Wittow beendet und eine neue beginnt. Der Umbruch ist spürbar, besonders hier, wo der Familienname auch den Ort bezeichnet. Man sagt, er gehörte ihnen von Anfang an. Schon Vicke von der Lancken besaß hier vier Hufen, vier Bauernhöfe und fünf Katen, die zusammen mit 8 Hufen bewirtschaftet wurden. Der Hof selbst wurde jedoch erst vor gut hundert Jahren hierher verlegt. Nun ziert ein neuer schmucker Bau den Hof. Es ist ein zweigeschossiges Traufenhaus mit Fledermausgauben und einem rechteckigen Grundriss – aus Backstein. Die Front ist geprägt von Fenstern, die mit einem Segmentbogen angelegt sind und durch einen Sprossenteilung gegliedert wurden. Das Innere steifen die Fachwerkwände aus, mit Backstein oder Lehmstaken gefüllt. Über eine Treppe wurden die oberen Zimmer erschlossen. Von hier fällt der Blick durch die Fenster auf den frisch hinter dem Haus angelegten Park.
Plan vom Park Lancken

Er wurde von einer Findlingsmauern eingefasst und außerdem durch Linden, Eschen und Ulmen, sowie Kastanien begrenzt. Mittig hat man eine Lindenallee gepflanzt. Deren Sichtachse geht in Richtung Wieker Bodden...
- Eine schöne Geschichte. Doch von Geschichte, so ein Nachkomme eines alten Rügenschen Adelsgeschlechtes, kann man auch heute nicht leben. Denn das Interesse am kulturellen Erbe ist begrenzt und das Verständnis der Zusammenhänge der Gesamtentwicklung kann kaum noch vorausgesetzt werden. Es ist möglich, dass Namen wirklich Schall und Rauch sind. Dort, wo aber ihre Träger darin eine Verpflichtung sehen, kann man von Glück sprechen. – Denn: Alles Schöne ist vergänglich.                

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