Mittwoch, 20. Juli 2016

Die Angst vorm Bürger Bürger oder: Die Chance zur Mitbestimmung

Flugblatt der Wählerinitiative: "Stoppt den Hochhauswahnsinn!"
Ein Gastbeitrag des Vorstandes der Wählerinitiative "Bürger für Binz"
 
Nachfolgend nehmen wir Stellung zur Kolumne "Binz selbstbewusst und entschlossen" von Dr. Udo Knapp in der Wochenzeitung "Rüganer Anzeiger":

Die Angst vorm Bürger, der 1989 auf Rügen wieder selbst zum politisch Handelnden wurde, sitzt tief. Auch bei Dr. Udo Knapp, dem ehemaligen stellvertretenden Landrat von Rügen, der schon mal vorwarnt: Diese Volksbefragungen könnten ins Chaos und in Schwierigkeiten führen. Allerdings ist auch das Misstrauen auf Seiten der zu befragenden Bürger nicht weniger gering - gegen Parteien und die Selbstherrlichkeit vieler einsamer Entscheidungen, die auf Rügen in der Vergangenheit - über die Köpfe der Bürger hinweg! - getroffen wurden.
 
Wir - die Mitglieder der Wählerinitiative "Bürger für Binz" - dies ist ein guter Grund, Bürger direkt und aktiv in die Meinungsbildung und in eine Entscheidung über ihre Zukunft einzubeziehen. Dies ist weder billig, noch unverbindlich - vorausgesetzt die Politiker, die sich gern als Willensträger präsentieren, sind bereit, eine Mehrheitsmeinung zu akzeptieren.
 
An der Meinungsbildung selbst können sowohl Parteien als auch Wählerinitiativen aktiv mitwirken, so wie es auch ihre Aufgabe ist. So verstehen wir auch den Beitrag von Dr. Udo Knapp zum umstrittenen Bauvorhaben.
 
Allerdings ist für uns die Äußerung, ein luxuriöser "Wohnturm" in Prora sei ein zweites Zuhause der Eliten aus Berlin, Leipzig oder Dresden, das sich thronend über denen befindet, die sich "nur" eine Woche Billigtourismus, schlechtes Essen und IKEA-Standard leisten können, befremdlich.
 
Richtig ist, dass sich die Qualität des Tourismus auf der Insel verbessern muss. Ob die Lösung in einem "Wohnturm Prora" für Eliten liegt, mag der Bürger entscheiden. Das er darüber mitentscheiden darf, ist neu und ein Schritt in die richtige Richtung!
 
Wir erinnern uns: Bei den bisherigen großen Bausünden auf Rügen - aus der Zeit des Nationalsozialismus und Sozialismus - war der Bürger stets nur Zaungast.
 
Wir vergessen nicht: Auch die Entscheidung für das KdF-Seebad in Prora fällten einst Eliten oder die, die sich dafür hielten.
 
Wir wissen auch: Bisher zahlten die Bürger immer die Zeche. Deshalb denken wir: Dies ist Grund genug, wachsam zu sein und seine Stimme - für oder gegen den "Wohnturm" - nun klug einzusetzen und das entsprechende Lager zu gewichten.
 
Eine Entscheidung gegen den "Wohnturm" schlägt keine Tür zur Entwicklung eines qualitativ hochwertigen Tourismus zu. Und dadurch bricht auch kein Chaos aus! Warum auch? Eher ist es so, dass der Bürger erkennt, dass er noch die Möglichkeit hat, Politik mitzugestalten und nicht alles nur eine Frage des Geldes ist.