Donnerstag, 13. Oktober 2016

“Cranuh!“ so klingt der Ruf...

Krachiche im Flug durch die Lüfte (Foto: Fotolia)
Dornbusch. (RO)  …der Glück verheißenden Kraniche. Die Göttervögel rasten im Herbst und im Frühjahr als Vorboten des Frühlings auf und vor Hiddensee. Viele Gründe gibt es für ihre hohe Symbolkraft!
Sie fliegen, meist in der Nacht, in Keilformation oder in Linie ein. Das spart Kraft! Im Herbst, in der ersten Oktoberhälfte, rasten sie in der vorpommerschen Boddenlandschaft, um Kraft für den Weiterflug in die Winterquartiere zu schöpfen. Die Großvögel sammeln sich zwischen dem Darßer Bock und der Insel Rügen. Hiesige Flachwasserzonen und abgeerntete Äcker sind ihre bevorzugten Rast- und Futterreviere. 

Ein besonders beeindruckendes Bild bietet sich dem Beobachter, wenn die Kraniche gegen Abend und mit vielstimmigen, trompetenartigen Rufen, gegen die untergehende Sonne ihre Rastplätze in Richtung Hiddensee aufsuchen.

Ab Februar / März kehren die Kraniche aus ihren Winterquartieren zurück. Auf Grund des Klimawandels zählen sie inzwischen zu den Kurz- bis Mittelstreckenziehern. Die Frühlingsrast ist kürzer bemessen, aber um nichts weniger beeindruckend. Man merkt ihnen an, dass sie schnell in ihre Brutgebiete zurück wollen. Früh am Morgen beginnen sie ihre phantastischen, atem-beraubenden „Tänze“. Als Aus- druck innerer Erregung sieht man Sprünge, Flügelschlag, Zickzack- lauf oder den Lauf im Kreis.

Milde Winter wie 2011/2012 haben  eine größere Zahl von Kranichen veranlasst, im Land zu bleiben. Ca. 1000 von insgesamt 3.500 sind nach Beobachtungen geblieben. Sie finden ausreichend Nahrung, legen durch den Fortfall der Züge in und von den Winterquartieren Reserven an und gelangen schneller zu ihren Brutgebieten.   

Unsere Region zählt zu den bedeutendsten Kranichrastplätzen in  Europa. Entsprechend ihrem Flug, ziehen sich die Einzugsgebiete in einem Streifen vom Jasmunder Bodden über den Tetzitzer See und die Halbinsel Liddow, die Neuendorfer und Udarser Wiek bis zu den Inseln Ummanz und Hiddensee.
Bitte beachten: Kraniche reagieren auf Störungen empfindlich! Daher sollten Naturfreunde und Hobbyfotografen die Beobachtung (z.B. auf dem Bessin) dieses Naturschauspiels in einem angemessenen Abstand vornehmen, ohne die Lebensräume einzugrenzen.

Besser ist die  Beobachtungen vom Wasser aus mit Schiffen der Reederei Hiddensee. Allerdings  empfiehlt sich die Mitnahme von Ferngläsern und langen Brenn- weiten für die Fotoapparate. Der Kranich hat aufrecht eine Größe von ca. 1,20 Meter. Damit überragt er deutlich Graureiher und Weißstorch.
 
"Persönliches"
Seine Flügelspanne entspricht mit 2,20 Metern etwa der eines  Seeadlers. Kennzeichnend sind sein graues Gefieder und die schwarz-weiße Kopf- und Halszeichnung. Die rote federlose Kopfplatte tritt deutlich hervor. Bei Erregung schwillt sie leuchtend rot an. Sein schönster Schmuck ist die sog. „Schleppe“. Diese über den kurzen Schwanz herabhängenden Federn sind verlängerte Schwingen der Flügel, die bei der Balz buschig aufgestellt werden. Ein majestätisches Bild!
 
Lassen sich kaum unterscheiden: Männchen und Weibchen (Foto: Fotolia)
Männchen und Weibchen lassen sich kaum voneinander unterscheiden. Im unmittelbaren Vergleich wirkt das Männchen etwas größer und kräftiger. Bei einer Lebenserwartung von bis zu vierzig Jahren ist eine „Silberhochzeit“ also nicht ausgeschlossen. Schließlich sagt man ihnen nach, treu bis zu ihrem Lebensende zu sein. Wohl auch ein Grund, weswegen der Mensch ihnen eine so hohe Symbolkraft verliehen hat. Sein Name leitet sich wahrscheinlich von dem trompetenartigen Ruf ab: „Cranuh!“. Man hört ihn aus der Luft und über offenem Gelände bei gutem Wetter bis zu 2.000 Meter weit.