Sonntag, 16. Oktober 2016

Spur der Steine (51): Busstopp beim "Taucherhelm"



Der "Taucherhelm" von Buschvitz
Buschvitz. (SAS) Fahren Sie ruhig mal wieder Bus! Empfehlen würde sich so beispielsweise die Linie 29. Wer diese ab dem Bergener Busbahnhof in Richtung Stedar nutzt, kommt schon nach etwa 12 Minuten Fahrzeit nach Buschvitz idyllisch gelegen am Kleinen Jasmunder Bodden.


Hier befindet sich eine aus Stahl und Beton gebaute Buswartehalle. Nicht irgendeine! Sondern eine mehrfach gekrümmte Spritzbetonschale von einem gefühlten Ausmaß, das bei etwa 4 mal 5 Metern liegt, und trotz seiner Höhe von etwa 2,5 Metern sich mühelos in das Umfeld einordnet.

Nachdem im Jahre 1973 ein Sturmschaden die alte Bushaltestelle von Buschvitz zerstörte, erhielt der Landbaumeister Ulrich Müther (1934-2007) den Auftrag zu einem Neubau. So kam es einem Entwurf aus dem Hause des Binzer Spezialbetonbaus, der heute dem jungen Mitarbeiter Dietrich Otto zugerechnet wird. Die nun entstandene Konstruktion der Bushaltestelle, die von Anwohnern auch schon mal als Taucherhelm" bezeichnet wurde, fügte sich dabei nahtlos in das Schaffen vom Landbaumeister und Schalenbauer Ulrich Müther ein - neben Gaststätten, Pavillons und Rettungstürmen, die es seit seiner Wirkungszeit auf der Insel Rügen zu bestaunen gab.
Der Kreativität bei der dabei freie Räume überspannt wurden, waren dazu scheinbar keine Grenzen zu setzen. Und so wundert es nicht, dass auch dieses armierte Gerüst welches mit Spritzbeton verkleidet" wurde, wirkt, als sei es als ein Vorbote einer zukünftigen Zeit geradewegs auf Rügen gelandet.
Die "Schokoladenseite" des "Taucherhelms"
Geplant soll die Bushaltestelle ursprünglich als Prototyp für eine ganze Serie an ästhetischen Wartehäuschen worden sein, aber: Bedingt durch den doch mit ihr verbundenen Aufwand wird man wohl von einer Massenfertigung abgesehen haben. So ist sie denn heute auch immer noch etwas Besonderes: Umgeben von der Landschaft Rügens führen Bullaugen eines pilzförmigen und verlassenen Buswartehäuschens den Blick in ein schützendes Inneres..." so formulierte es einst Achim Saupe in der Broschüre müther", nicht ohne darauf zu verweisen, dass die Bauten des Landbaumeisters eigentlich nie reine Zweckbauten waren. Immer, so Saupe, sei es dabei auch um dekoratives Design gegangen, die Müthers Schalen auch zum Teil der architektonischen Moderne werden ließen, die jedoch im Gegensatz zu vielen heutigen Bauten auch im Einklang mit der pommerschen Landschaft standen. Vielleicht lag die Ursache dafür auch in einer direkten Anlehnung an die Formen der Natur. Sie lässt die Müther-Bauten bis heute noch lebendig wirken...
 
Auch von innen mal etwas anders: Der "Taucherhelm"