Mittwoch, 1. März 2017

Vor "Südschweden" wird gewarnt!

Urheber des "Laternenzaubers": Friedrich Wilhelm von Hessenstein
Sassnitz. (SAS) Wer vor 1989 einen Sassnitzer fragte, woher er komme, erhielt schon mal die stolze Antwort: "Südschweden!" Das löste in der Regel im Rest der Republik doch einiges Interesse und Neugier aus, denn die wenigsten wußten damals, dass der nordöstliche Zipfel zwischen 1630 und 1815 als "Schwedenzeit" in unsere Geschichtsbücher einging. Diese begann als König Gustav II. Adolf auf Rügen und Usedom als pommersche Schutzmacht gelandete, um das "Land am Meer" von den kaiserlichen Truppen im 30jährigen Krieg zu befreien. Doch bereits die sich 1638 anschließende Zivilverwaltung bekam zu spüren, das die neuen "Südschweden" zwar brave "Landeskinder" waren - allerdings nicht dazu bereit waren, alles hinzunehmen.

Ließen sie sich noch die Abschaffung der Ziegen (1722) verordnen und die Jagd auf Sperlinge (1751) aufzwingen, so war doch irgendwann auch das Verständnis für einige Verfügungen der schwedischen Verwaltung aufgebraucht.
Zum Eingang in die Literatur brachte es dabei der sogenannte "Laternenzauber". Wie Oberkonsistorialrat Zöllner in seinem Buch "Reise durch Pommern nach der Insel Rügen" im Jahre 1797 berichtete, schoß der schwedisch-pommersche Generalgouverneur Friedrich Wilhelm von Hessenstein in Stralsund weit über das Ziel hinaus, als er festlegte, dass jeder, der nach Sonnenuntergang ohne Laterne getroffen wird, festzusetzen sei. Zwar trugen die Leute fortan - odnungsgemäß - Laternen. Doch diese waren - aus Protest - mit keinem Licht versehen. Als der neue Befehl lautete, dass Laternen auch über ein Licht verfügen müssten, setzten sie die Anordnung zwar um, allerdings ohne dass dieses Licht entzündet wurde. Und selbst als auch dies noch geregelt wurde, fand man einen entsprechenden Ausweg um seinen Unmut über die wachsende Schickane durch die Verordnungen zu äußern.
Zöllner: "Der eine hatte eine brennende Laterne mit brennendem Lichte, aber trug sie unter dem Mantel; der andere, der ohne Erleuchtung war, gab, wenn die Wache ihn anhalten wollte, den ersten besten, der vor ihm mit einem Lichte ging, für seinen Laternenträger aus; ein dritter trug in einem winzigen Behältnisse ein Flämmchen, das kaum wie ein Johanniswürmchen leuchtete. Viele gingen mit Laternen von ungeheurlicher Größe oder den "possierlichsten Gestalten". 
 
Dies sollte ein vielgeschmähter "Amtsschimmel", der zuweilen auch heute noch zu beachtlichen Bocksprüngen in der Lage zu sein scheint, gut im Gedächtnis behalten.