Mittwoch, 17. Mai 2017

Kalenderblatt: Geboren am 17. Mai 1907

Versuch einer Skizzierung von Tom Beyer 
Münster / Göhren / Stralsund. (SAS) Tom Beyer? Wer war das? Was hat er gemacht? Und was verbindet ihn mit Rügen? Wer sich heute auf die Spurensuche im Ostseebad Göhren macht, dürfte schnell fündig werden. Immerhin trägt noch eine Schule seinen Namen, aber sonst?  Das war vor
etwa 30 oder 40 Jahren noch völlig anders. Denn auch als Kind kam man an seinen ausdruckstarken Bildern von Mönchgut und den Fischerbooten nicht vorbei. Später sollten sich gedanklich mit ihm auch Werbegrafiken für das Ostseebad Göhren verbinden...
Tom Beyer wurde am 17. Mai 1907 im westfälischen Münster geboren. Hier sollte er auch die Werkkunstschule und später in Düsseldorf  die Kunstgewerbeschule besuchen. Wie viele andere deutsche Maler wurde auch er in Skandinavien geprägt. Seine Studienreisen führten ihn dabei u.a. nach Schweden (zu Ernst Norlin), Dänemark und Finnland. Der linke Künstler, der noch 1931 in die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) eintrat, bereiste die Insel Rügen im Jahre 1935 und ließ sich schließlich in Göhren nieder. Nach dem zweiten Weltkrieg kehrte er hierher zurück.
In der DDR wurde er zunehmend bekannter. Zunächst als Leiter einer Kunstschule im Putbusser Schloß, später auch als Landesvorsitzender des Verbandes Bildender Künstler wurde er zum Begleiter des sozialistischen Neuanfangs. Diesen dokumentierte er auch in seinen Werken. Der Umfang an Ausstellungen und Kunstdrucken, die auch in erheblichem Umfang als Dekoration in öffentlichen Einrichtungen wiederzufinden waren, erklärt, weshalb die Wahrnehmung von Tom Beyer als Künstler damals weitaus bedeutender war als heute. Außerdem gab es durch die Leitung von Volkskunstgruppen, gehaltene Vorträge und die Motive der pommerschen Küstenlandschaft ein starke Bindung zwischen Künstler, Land und Leuten. Werke wie „Kirche in Middelhagen“ oder „Netzflicker auf Hiddensee“ vermitteln dies bis heute. Auch Stralsund – als Station seiner künstlerischen Tätigkeit – hat eine entsprechende Reflektion in seinen Werken erfahren – durch „Blick auf Stralsund“ oder „Stadt am Sund“. Als Künstler erfuhr er eine umfassende Ehrung seines Schaffens. So erhielt er neben dem Kunstpreis des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) auch die Johannes R. Becher Medaille des DDR-Kulturbundes und den Vaterländischen Verdienstorden. Außerdem wurde ihm 1972 die Ehrenprofessur der Ernst-Moritz-Arndt Universität Greifswald verliehen. Im gleichen Jahr wurde das Mitglied der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) auch als Professor an der bekannten Kunsthochschule Berlin-Weißensee tätig. Daneben wurde ihm die Möglichkeit zu weiteren Studienreisen – u.a. in die Tschechoslowakei, in die Sowjetunion und nach Sylt – eingeräumt.
Am 9. September 1981 starb Tom Beyer nach langer schwerer Krankheit in Stralsund. Seine letzte Ruhe fand er jedoch in Göhren. Hier, wo er sich einst niederließ, eröffneten sein Sohn Peter Beyer und seine Frau Barbara im Drachenhaus (bekannt auch durch den Schriftsteller Max Dreyer) eine Keramikwerkstatt. Und auch Tom Beyers Tochter Britta Bastian, lange Zeit als Szenenbildnerin beim Deutschen Fernsehfunk (DFF) tätig, greift – wie man in einer Zeitung lesen konnte – nun öfter mal zum Pastellstift...
Von Tom Beyers Werken aber konnten zahlreiche Darstellungen durch das Kulturhistorische Museum Stralsund gesammelt werden. So bleiben sie als kulturelles Erbe den Stralsundern und Rüganern erhalten. Ob es sich lohnt den Künstler Tom Beyer wiederzuentdecken? Ja.