Sonntag, 4. Juni 2017

Am Brunnen vor dem Tore

Altes Postkartenmotiv von Sagard
Sagard. (SAS) Vor kurzem haben wir uns bereits der Geschichte von Sagard zugewandt. Heute wollen wir noch einmal in die Vergangenheit eintauchen, um Ursache und Wirkung aufzuzeigen und
so auch Anregungen für Perspektiven zu geben.
Sagard war das erste Bad der Insel. Kein Seebad, aber eben doch ein Gesundbrunnen. Grundlage dafür waren 11 kalk- und kohlensäurehaltige Quellen, die sich über die "Middelbäk" und die "Schlonerbäk" zum Sagarder Bach in der Brunnenaue vereinen und letztlich in den Großen Jasmunder Bodden münden. Die Wiederentdeckung und Erkenntnis, dass diese auch zu Heilzwecken geeignet sind, verdanken wir dabei dem Sagarder Pastor Heinrich Christoph von Willich (1759-1827). Er begann die ehemalige Heilquelle wieder nutzbar zu machen. 

Schild zur Beschreibung der Brunnenaue
Über die Wirkung dieser Quellen wußte u.a. Karl Friedrich Rellstab (1759-1813) zu berichten. Das Heilwasser kam zur Anwendung... "...indem es eine vortreffliche Ausleerung eines zähen Schleimes durch die Brust bewürkte und danach gar große Erleichterung verschaffte."
 
Zur Einrichtung des Mineralbades weiß Johann Friedrich Zöllner (1753-1804) in "Reise durch Pommern nach der Insel Rügen und einem Theile des Herzogthums Mecklenburg im Jahre 1795" zu berichten: "Mitten in einer Pferdekoppel und zwar einige hundert Schritt von dem Flecken entfernt, quillt der Brunnen und bewässert die romantische Gegend mit siberreinen Bächen. Über die Quelle selbst ist ein hohes, turmartiges Gebäude aufgeführt, und nicht weit davon steht ein Badehaus."
 
Hier konnte man - so die Überlieferung - warme oder kalte Bäder genauso anwenden, wie Sturzbäder. Auch Spritz-, Tropf-, Knie- und Fußbäder waren möglich und schaffen schon gedanklich die Verbindung zu Kneipp. Der allerdings wird erst viel später - 1821 - geboren, um als Hydrotherapeut und Naturheilkundiger auf die medizinische Wirkung von Wasserkuren aufmerksam machen zu können.

Gäste (von links nach rechts): H. v. Kleist, W. v. Humboldt, C. W. Hufeland, F. D. Schleiermacher  
Auch dem Glauben, dass sich "hochansehnliche Persönlichkeiten" in der einfachen Ausstattung nicht wohlgefühlt hätten, kann - dank den Überlieferungen von Prof. Dr. Alfred Haas - widersprochen werden. Stattdessen verweist die Ortsgeschichte Sagards sogar auf bedeutende Gäste. Zu ihnen zählten u.a. der Mediziner Christoph W. Hufeland (1762-1836), der Chemiker Martin Heinrich Klaproth (1743-1817), der Gelehrte Wilhelm von Humboldt (1767-1835), der Dichter Heinrich von Kleist (1777-1811) und der Philosoph Friedrich D. Schleiermacher (1768-1834).


Die Quelle für die Heilwasseranwendungen fließt bis heute
Die Quelle für Heilwasseranwendungen fließt bis heute. Sicher gehört nicht sonderlich viel Vorstellungskraft dazu, welche Perspektiven sich in Verbindung mit einem nahen Kreideheilbad Sassnitz und einem 21 ha großen Buchenwald für echten und ursprünglichen Gesundheitstourismus ergeben würden.  Das Tor dafür steht uns offen.