Sonntag, 25. Juni 2017

Unsere Inselfilme: "SAS 181 antwortet nicht..." (1958)

Ein Film der die Nachkriegszeit in Sassnitz reflektiert (Foto/Repro: Rügener Filmarchiv)
Rügen. (IF) Seit über 100 Jahren werden Filme auf den Inseln Rügen und Hiddensee, sowie in der Hansestadt Stralsund gedreht wurden. Wir rufen einige von ihnen wieder in Erinnerung...
Das der Film auch immer ein Stückchen Auseinandersetzung mit der Gesellschaft – also Spiegel seiner Zeit – ist, verdeutlicht der 1958 in Saßnitz auf der Insel Rügen gedrehte und hauptsächlich spielende Film „SAS 181 antwortet nicht...“ In einem Lehrlingswohnheim des Fischkombinates
Saßnitz bereiten sich Jungen und Mädchen auf ihren Dienst in der Fischereiflotte vor. Im Mittelpunkt steht dabei Kurt. Seine ganze Leidenschaft gilt dem Segelsport, dem er - wie viele in dieser Zeit – über die GST (Gesellschaft für Sport und Technik) nachgeht. Er träumt – auch dies gleicht dem Empfinden seiner Zuschauer – von fremden Ländern und Völkern. Seine Lehrer und Kameraden trauen seinem klaren Kopf und seinen kräftigen Händen. Ein erster Konflikt baut sich auf, als durch seine Disziplinlosigkeit ein Segelkutter an der Küste zerschellt. Die Folgen sind „gelernten DDR-Bürgern“ bekannt: Man muss Rechenschaft ablegen vor der FDJ-Versammlung, fühlt sich unverstanden und kapselt sich folglich von der Umgebung ab... Kurt geht es ähnlich – er fühlt sich zudem gedemütigt und unterschätzt. In seiner Frustration öffnet er sich gegenüber Anke. Doch der nächste Konflikt scheint vorprogrammiert, denn Anke fühlt sich auch zu Hannes hingezogen. Die klassische Dreiecksgeschichte erhält zusätzliche Dynamik, als Kurt und Hannes gemeinsam einen Einsatz auf hoher See haben. Gemeinsam fahren sie mit dem Kutter SAS 181 zum Fischfang auf die Ostsee. Die Atmosphäre an Bord ist unterkühlt und eigenartig. Die Ereignisse gipfeln in dem Anlegen des Kutters in Bornholm, die Kapitän Laue mit einer Sturmwarnung begründet. - Auch dies nicht ungewöhnlich. So gab es zu DDR-Zeiten manchen Freundschaftstörn nach Polen, bei dem man vom Kurs abkam, um auf Bornholm festzumachen. Als Begründung musste oft herhalten, dass das Trinkwasser faulig geworden war oder die Ruderanlage inspiziert werden musste.–
Erik S. Klein als Funker - noch vor seiner großen Rolle in "Sterne" (Foto/Repro: Rügener Filmarchiv)
Doch zurück zum Film: Laue will auf Bornholm Ladung und Schiff verkaufen. Keine Frage, er will mit seinem Decksmann „Republikflucht“ begehen. Nachdem Kurt und Hannes das festgestellt haben, eilen sie prompt zurück an Bord, befreien seine eingeschlossenen Kameraden und gehen mit Hilfe des Maschinisten Jens wieder auf große Fahrt - während Laue auf Bornholm zurück bleibt. Nun kann auch ein Sturm sie nicht mehr von der Heimkehr abhalten. Am Ende steht ein geläuterter Held, der das Schiff rettet und einen Freund in Hannes gewinnt.
Erwin Geschonek als Laue (Foto/Repro: Rügener Filmarchiv)
Christoph Funke meint dazu im Film-Programm von 1959: „Sie retteten ein Schiff, aber auch Freundschaft, Kameradschaft, Kollektivgeist, ohne die die Seefahrt in einem sozialistischen Land undenkbar ist.“ Keine Frage: Ein Film seiner Zeit. Aber er setzt sich durchaus mit den Problemen von damals auseinander und ist auch regional von enormer Bedeutung, denn Saßnitz ist in diesem Film weit mehr als eine Filmkulisse.

Unsere Inselfilme in chronologischer Reihenfolge ihrer Entstehung: 
"Pro Patria" (1910) / "F.P. 1 antwortet nicht" (1932) / "Lügen auf Rügen" (1932) / "Der Dschungel ruft" (1936) / "Brand im Ozean" (1939)"Geheimakte W.B. I. (1941) / "Das Mädchen von Fanö" (1941) / "Schatten über den Inseln" (1952) / "Genesung" (1955)"SAS 181 antwortet nicht" (1958) / "Im Sonderauftrag" (1959)"Hatifa - Abenteuer einer Sklavin" (1960) / "Ein Sommertag macht keine Liebe" (1960) / "Die Hochzeit von Länneken" (1964) / "Die Reise nach Sundevit" (1966) / "Mitten im kalten Winter" (1968) / "Die Heiden von Kummerow" (1968)"Heißer Sommer" (1968) / "Suse, liebe Suse" (1975)"Tambari" (1976) / "Hiev up" (1978)

Wir danken für die Unterstützung:
der DEFA-Stiftung, dem Deutschen Rundfunkarchiv (DRA),
dem Rügener Filmarchiv, dem Studio Hamburg, der ARD und dem ZDF