Dienstag, 4. Juli 2017

Die Hügelgräber bei Woorke auf Muttland

Weithin sichtbar: Die mit Bäumen bewachsenen Hügelgräber bei Worke
Woorke (SAS). Wer sich von Patzig aus nach Woorke aufmacht, kann die ersten Hügel der Gräber, die mit Bäumen bewachsen sind, bereits aus einiger Entfernung - rechter Hand - wahrnehmen. Sicher könnte man gleich eine Abkürzung nehmen, doch wir begehen zunächst den Ort Woorke und halten
uns erst dann - auf einem gut ausgebauten Weg - rechts. Vorbei geht es an einem Storchennest und dann wieder aus dem Ort heraus. Dann werden auch die Hügel vor unserem Anlitz immer größer. Wir sind nicht das erste Mal hier, stellen wir irritiert fest. Schon einmal - vor Jahren bei einer Hubertusjagd über das nördliche Muttland - war hier eine der Rastpunkte der Jagd.
Darstellung der Lage der 13 Hügelgräber
Ein kleiner Tisch mit Sitzmöglichkeit lädt noch immer dazu ein. Kurz davor sehen wir eine Tafel, die Informationen zu den Woorker Bergen - in einem guten Zustand - bereit hält. Nun, wo wir die Augen über die Felder mit ihren bewaldeten Hügeln schweifen lassen, an deren Rändern sich noch Pflanzen - wie der Klatschmoon oder Kornblumen - finden lassen, spüren wir auch die eintretende Entspannung. Kaum vorstellbar, dass hier im westlichen und an eine ruhige Oase erinnernden Teil der Insel Windräder von 200 Metern in die Landschaft geplant werden sollen. Es wäre wie ein Verrat an dieser alten Kulturlandschaft.

Der Rastplatz an den Hügelgräbern für Besucher
Die gesammte Anlage soll das größte zusammenhängende Hügelgräberfeld in Norddeutschland sein. Wobei angemerkt werden muss, dass von den ursprünglich wohl 18 Grabanlagen, nur noch 13 der Nachwelt erhalten geblieben sind. Örtlich bezieht es sich auf Patzig und Woorke sowie eine alte Wüstung namens Klein Banzelvitz, nordwestlich der Anlage. Wer die etwa 6 Meter hohen und vielleicht um die 30 Meter - im Durchmesser - auslegenden Hügel besteigt, hat es sowohl beim Herauf - als auch beim Herunter - mit einem Geschicklichkeitstraining zu tun. Dies verstäkt sich sogar noch, wenn ein warmer pommerscher Landregen den Hügel durchweicht hat und die ausgetretenen Wege zur Spitze in eine Rutschbahn verwandelt haben - wie in unserem Falle, wo der diesjährige Juni schon niederschlagsreich war. Oben lässt sich der Schutz eines dichten Blätterdaches spüren. Der Blick in die Landschaft wird trotzdem - dank der im unteren Bereich weniger bewachsenen Stämme - möglich. Es ist eine beeindruckende Sicht vom Schatten ins Licht. 
Kein leichter Aufstieg: Geschicklichkeit ist gefragt
Die Anlage selbst wird heute der Bronzezeit zugerechnet. Der pommersche Naturforscher Friedrich von Hagenow machte zum Anfang des 19. Jahrhunderts noch 1.239 Hügelgräber auf der Insel aus. Auch wenn der größte Teil dieser alten Zeitzeugen in den letzten 200 Jahren zerstört und geschliffen wurden, um die landwirtschaftlichen Nutzflächen zu vergrößern, so verfügt Rügen immer noch über den dichtesten Bestand im pomerschen Landesteil diesseits der Oder. Registriert und als Bodendenkmale geschützt, sollen noch etwa 560 von ihnen auf Rügen sein. Diese - bei Woorke - sind zweifellos beeindruckend. 

Blick durch die Bäume in die Weite der Landschaft