Donnerstag, 13. Juli 2017

Die Preußensäule von Groß Stresow

Der preußische "Soldatenkönig" Friedrich Wilhelm I. (1688-1740)
Stresow. (BM) Gerne werden Wanderungen von Binz zum Jagdschloss Granitz von Urlaubern angenommen. Doch zu den lohnenden Ausflugszielen für Binzer Gäste zählt ganz sicher auch die "Preußensäule" von Groß Stresow. Sie ist übrigens nur etwa 8 km von dem Ostseebad entfernt und ist mit dem Fahrrad in etwa 30 Minuten erreichbar.

Ältere Rüganer erinnern sich bestimmt noch an die wechselvolle Geschichte der letzten Jahrzehnte. Denn: Anfang der 90er Jahre wurde sie - wie die zweite "Preußensäule" bei Neukamp - mit der Begründung der Sorge um ihren Zustand zunächst abgenommen. Dann begann ein mühevoller Kampf um die Wiedererrichtung. Dieser hatte  nicht nur Unterschriftensammlungen, Bürgerversammlungen  und Kreistagsbeschlüsse zur Folge, sondern auch die Gründung eines Fördervereins. Er sollte sich anschließend maßgeblich für die Wiederaufstellung der beiden Säulen über Jahre einsetzten. Mit Erfolg: Heute stehen beide "Preussensäulen" wieder! - bei Stresow und Neukamp lassen sie die auf ihr thronenden preußischen Monarchen bis zum Horizont spähen.
 
Ortseinfahrt von Groß Stresow - linker Hand geht es zur "Preußensäule"
Errichtet wurde die Stresower Preußensäule übrigens durch Friedrich Wilhelm IV. Mitte des 19. Jahrhunderts. Damit wollte er an die Landung der verbündeten Dänen, Preußen und Sachsen am 15. November 1715 in der Bucht von Groß Stresow erinnern. Im Zuge des sogenannten Pommernfeldzuges 1715/1716 eroberten die verbündete Streitmacht im Großen Nordischen Krieg weite Teile der pommerschen Küste und leiteten an dieser Stelle mit fast 23.000 Soldaten der Infanterie und Kavallerie die Eroberung Rügens ein.
 
Der Weg zum Standbild des preußischen "Soldatenkönigs"
Heute muss man dagegen aufpassen, dass man an dem Ort - der sich linker Hand an der Straße nach Putbus befindet - nicht vorbei fährt. Allerdings ist die "Perußensäule" für den aufmerksamen Gast schon aus weiter Ferne zu sehen. Nach einer kleinen Steigung, die den Besucher auf eine Anhöhe führt, hat man einen fantastischen Blick über die Bucht, die sich weit über die pommersche Küstenlandschaft erstreckt. Gleich links führt ein nur leicht ausgefahrener Weg zu dem historischen Denkmal.
 
Blick hinauf zum preußischen Monarchen...
Vor dem Denkmal wurde auch eine kleine Tafel aufgestellt. Sie gibt Auskunft darüber, wie wichtig Rügen damals als "Schlüssel" zur mächtigen Hansestadt Stralsund war. Außerdem wird auch auf den Berliner Bildhauer Wilhelm Stürmer, der das originale Standbild (Friedrich Wilhelm I. in Feldherrenpose vor einem Felsblock - auf dem das Wappen des Fürstentums Rügen dargestellt ist) geschaffen hat, aufmerksam gemacht. Das 15 Meter hohe Monument wird heute jedoch von einer Kopie gekrönt. Das ursprüngliche Standbild ist in Groß Stresow selbst zu bewundern. Vor dem sogenannten "Verräterhaus" begrüßt es die Gäste in übernatürliche Größe. Auch das "Verräterhaus" ist ein Neubau. Einst stand hier das Haus eines Stresowers, der mit einem weißen Laken auf dem Dach der verbündeten Streitmacht den Weg in die Bucht zur Landung der Truppen wies. Er wurde später allerdings als Verräter angesehen und gab noch viel Anlass zu weiteren Niederschriften.