Freitag, 7. Juli 2017

Offene Fragen zur Alten- und Pflegeeinrichtung in Binz

Das Binzer DRK-Alten- und Pflegeheim wurde 1992/93 rekonstruiert (Foto: J. Amling)
Ein Gastbeitrag von J. Amling von der Bewohnervertretung der Pflegeeinrichtung Binz

Zu den auf Inselreport erschienen Gastbeiträgen  "Hier wird mit der Angst gespielt" (vom 1.Juli 2017) und "Braucht Binz ein weiteres Pflegeheim?“ (vom 21. Juni 2017)  der Wählergemeinschaft "Bürger für Binz" möchten wir darauf aufmerksam machen, dass nicht der Bürgermeister der
Gemeinde Binz, Herr Schneider und der Vorstandsvorsitzende des DRK-Kreisverbandes, Herr Konermann bei dem von der Zählgemeinschaft BfB angesprochenen Treffen mit der Bewohnervertretung für Ängste gesorgt hat, sondern die ablehnende Abstimmung auf der Gemeindevertretersitzung am 6. April 2017 zum „Antrag der Wählergemeinschaft Pro-Binz zur Veräußerung einer Teilfläche der Gemarkung Prora (MZO-Gelände) an den DRK- Kreisverband Rügen-Stralsund e.V. zur Errichtung einer Pflegeeinrichtung“. Der Bürgermeister hat bei dem sachlichen Treffen am 15. Juni 2017, um das wir gebeten haben, auch im Interesse aller Gemeindevertreter versucht, bestehende „große“ Ängste auszuräumen.
 
Der Bürgermeister hat die älteren Bürger nicht benutzt, um Druck auf die Gemeindevertretung auszuüben! Den von uns an die Gemeindevertretung gerichteten offenen Brief erhielt die Gemeindevertretung bereits vor dem Treffen! Dieser Brief warf etliche Fragen auf, die bis heute nicht von der Gemeindevertretung beantwortet wurden. Nicht nur einer Bitte um eine Antwort auf unseren offenen Brief wurde bisher nicht entsprochen, auch auf die Bitte um einen Gesprächstermin mit den
Gemeindevertretern im Pflegeheim in Binz erfolgte keine direkte Antwort an uns.

Bei aller Anerkennung der Leistungen von einigen Mitgliedern der BfB in der Gemeinde Binz - die ablehnende Entscheidung in der Gemeindevertretersitzung am 6. April 2017 und andere Ihrer Argumente dazu, müssen weiter kritisch hinterfragt werden.
 
Es wird dem DRK vorgeworfen, über Jahre hinweg kaum Investitionen getätigt zu haben, um diese Pflegeeinrichtung attraktiv für die Bewohner zu machen und auf die heutigen Standards  zu bringen. Das hätte letztendlich zu den aufgeführten Mängeln (es ist nicht mehr zeitgemäß) dieser Einrichtung geführt. Nur weil es das DRK versäumt habe, sollte es sie nicht in die Lage bringen, sich ein neues Grundstück zum kleinen Preis zu sichern.

Eine Gemeindevertretung sollte die moralische Verpflichtung haben, auch für Ihre betagten und gesundheitlich beeinträchtigten Gemeindemitglieder gute Voraussetzungen zu schaffen. Dabei sollte ein möglichst hoch zu erzielender Grundstückspreis keine vordergründige Rolle spielen! Die Zählgemeinschaft BfB jedoch widerspricht sich in Ihrem Internetauftritt auf nur einer Seite, auf der sie einerseits schreiben – Zitat: „Nicht nur der höchste Bieterpreis soll entscheiden, sondern ebenfalls das beste Betreuungskonzept für unsere älteren Bürger!“ andererseits in der von Ihnen auf Ihrer veröffentlichten „Nachlese zur Gemeindevertretersitzung am 01.06.2017“ wiederum:„Auch gibt es keine Forderung unsererseits, nicht mit dem DRK zusammen zu arbeiten. Es besteht einzig und allein die Forderung der Gemeindevertretung, diesen Bereich auszuschreiben, um den höchsten Bieterpreis zu erzielen.“ Investitionen wurden in den vergangenen Jahren im Rahmen der Möglichkeiten vom DRK getätigt.
 
Wie soll der Platzmangel trotz Investitionen des DRK für die Schaffung von Einzelzimmern behoben werden? Soll in die Höhe gebaut, weitere Etagen auf das bestehende Haus gesetzt werden? - Wie soll ein weiterer Fahrstuhl angebaut, sichere Parkanlagen, höhere Sicherheitsstandards im bestehenden Haus, mehr, größere und ruhigere Aufenthaltsräume für die Bewohner geschaffen werden – bei gleichzeitiger Unterbringung der Bewohner? Die Zählgemeinschaft hält den derzeitigen Standort eines Pflegeheimes auf dem Erbbaupachtgelände der Gemeinde weiterhin für sinnvoll und notwendig und sagen, Binz braucht unbedingt eine zweite Pflegeeinrichtung.
 
- Der DRK-Kreisverband hat darüber informiert, dass dieser Standort des bestehenden Pflegeheims in Binz nicht langfristig weiterbetrieben, gegeben Falls aufgegeben und in einen anderen Ort verlegt wird. –

Es wird also in absehbarer Zeit keine zweite Pflegeeinrichtung in Binz geben, sondern bei einer Pflegeeinrichtung bleiben, nach der Vorstellung der BfB nach Möglichkeit mit einem neuen Betreiber. Was passiert nach Vergabe an einen anderen Investor – wird dem DRK in absehbarer Zeit dann ein anderes Grundstück in Binz, etwa eventuell sogar in guter, zentraler Lage und nicht wie das derzeit umstrittene Grundstück, in äußerster Randlage, angeboten? Sollen die bestehenden Mängel nach Ihrer Vorstellung noch auf Jahrzehnte Bestand haben? Wie soll es nach Vergabe an einen anderen Investor und Verlegung der DRK- Pflegeeinrichtung an einen anderen Ort (auf Rügen?) weitergehen – sollen die 98 Bewohner in dem Fall den Leistungsträger wechseln, um in Binz bleiben zu können? - Koste es, was es wolle? – Und sollen die 63 Beschäftigten, davon 23 Binzer Gemeindemitglieder, gezwungen sein, dann eine Stelle bei diesem neuen Investor anzunehmen? Wie stellt man das sich in der Gemeindevertretung, speziell bei der Zählgemeinschaft Bürger für Binz, vor? Besteht nicht die Gefahr, nach einem Zuschlag im Ergebnis der Ausschreibung und aus einem daraus resultierenden Angebot zu höheren Konditionen eines anderen Investors, dass die Kosten letzten Endes auf die künftigen Bewohner umverteilt und die Plätze teurer werden als bei der derzeitigen Planung des DRK?

Ist es nicht eher wahrscheinlich, dass bei einem Zuschlag für ein lukrativeres Angebot ein Teil der Bewohner auf der Strecke bleibt, deren Rente nicht ausreicht und deren Angehörige nicht in der Lage sind, jegliche Kosten zu übernehmen und werden sie dadurch dann nicht letzten Endes aus der Gemeinde herausgedrängt? Ist es ausgeschlossen bzw. wird es eventuell später nicht bei einem lukrativen Angebot eines Anbieters möglich sein, einer Residenz für betuchte Senioren, mitunter aus den verschiedensten Regionen Deutschlands, die ihren Lebensabend im mondänen Ostseebad Binz verbringen möchten, den Zuschlag zu geben? Ist nicht auch ein Umnutzungsantrag während der Baumaßnahmen auf dem derzeit umstrittenen Grundstück möglich, sollte ein entwickeltes Konzept nicht aufgehen und dadurch eine Insolvenz des Investors drohen?
 
J. Amling engagiert sich in der Bewohnervertretung der Pflegeeinrichtung Binz und ist Bewohner der DRK-Pflegeeinrichtung in Binz, Wohnbereich Granitzblick B

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Zu unseren Gastautoren zählen u.a.:
Klaus Ender, Holger Friedrich, Siegbert Geitz, Frieder Jelen, Dirk Liedtke, Kurt und Susanne Monz, Judith Schwarz, Herbert Trilk, Maik Zilian