Samstag, 22. Juli 2017

Über die Ostsee in die Freiheit

1987 wagten Dirk Deckert (l.) und Karsten Klünder (r.) die Flucht aus der DDR von Rügen aus über die Ostsee
(© PHOENIX/ZDF/Archiv Bodo Müller)
Sassnitz. (SAS) Gleich mehrmals wird in den nächsten Wochen die Flucht aus der DDR thematisiert. So beispielsweise in der Dokumentation "Flucht in die Freiheit". In dem zweiteiligen Filmstreifen wird von verschiedenen Fluchtversuchen berichtet. Geht es im 1. Teil u.a. um etwa 200 belegte
Versuche, die Mauer an der Staatsgrenze der DDR unterirdisch zu unterlaufen - 19 der Versuche waren übrigens geglückt - so berichtet der 2. Teil der Dokumentation von der Flucht aus der DDR über die Ostsee.
 
Zu den spektakulärsten Plänen für eine Flucht aus der DDR zählt dabei sicher der Versuch von Dirk Deckert und Karsten Klünder, der sich in diesem Jahr zum 30. Mal jährt. Am 16. August 2017 wird das Vorhaben der beiden DDR-Bürger um 21 Uhr auf dem Fernsehsender Phoenix noch einmal betrachtet. Zum Hintergrund:
 
Der Metallfacharbeiter Karsten Klünder und der Modellbauer Dirk Deckert lernten sich 1983 bei der Segelsektion der BSG Stahl Finow am Werbellinsee kennen. Doch der Traum vom Segeln, einem eigenen Boot und der Freiheit war in der DDR begrenzt. Eine Flucht an der Westgrenze kam für sie jedoch nicht in Frage - zu gefährlich! Für Karsten Klünder gab es daher nur eine Lösung: "Wir fliehen über die Ostsee."
 
Auf der Rügen vorgelagerten kleinen Insel Ummanz reisten sie damals als Herbsturlauber an. Hier - zwischen Ummanz und Hiddensee, einem geschützten Revier der sogenannten inneren Seegewässer - war das "Brettsegeln" - wie man früher das "Surfen" nannte - noch erlaubt. Nun trennte sie nur noch die Insel Hiddensee von der offenen See und ihrem Traum von Freiheit...

1996 erstmals erschienen: Ein Buch der Fluchtversuche über die Ostsee
Die Fluchtgeschichte der beiden DDR-Bürger ist übrigens auch Bestandteil des Buches "Über die Ostsee in Freiheit" von Christine und Bodo Müller. Es erschien 1996 erstmals im Verlag Delius Klasing. Es enthält auch die Schilderung weiterer Versuche, die DDR zu verlassen. Dabei waren der Fantasie der Fluchtwilligen keine Grenzen gesetzt: Bernd Böttger erfindet dafür sogar den "Aqua Scouter"...

Eine von vielen Fluchtgeschichten: Bernd Böttger und sein Aqua Scouter
Das Buch hat 228 Seiten und dokumentiert in Wort, Bild und Karte "Die nasse Grenze" (Teil 1) und "Die Schicksale" (Teil 2), die sich mit dem Thema verbinden. Dr. Rainer Hildebrandt urteilt im Geleit zu diesem Buch: "Die zum Teil dramatischen Fluchtgeschichten beleuchten ein tragisches Kapitel deutsch-deutscher Vergangenheit."

Unsere Empfehlung zum Kauf Über die Ostsee in die Freiheit: Dramatische Fluchtgeschichten
 
Abschließend wollen wir zu diesem Thema auch noch auf einen Vortrag im Grundtvighaus hinweisen. Am Dienstag, den 25. Juli 2017, spricht Dr. Volker Höffer, Leiter der Außenstelle Rostock des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, über "Ostseeflüchtlnge im Stasi-Visier". Auch er weiß von abenteuerlichen Mitteln, wie beispielsweise selbstgebauten U-Booten, zu berichten, mit denen die "unsichtbare Mauer" überwunden werden sollte. Neben den Fluchtmethoden geht es dabei aber auch um die Überwachung der pommerschen Küste durch ein System der Grenzsicherung.