Dienstag, 1. August 2017

3 Fragen an Klaus Ender

Der international bekannte Fotograf und Autor Klaus Ender in Südafrika
Rügen. (SAS) Mit dem 1. August 2017 wollen wir eine neue Reihe "Enders Insel" mit Aktaufnahmen in der Natur der Insel und einer kurzen Entstehungsgeschichte zum Foto beginnen. Immer am ersten Tag des nächsten Monats soll dann die Reihe fortgesetzt werden. Zuvor haben wir aber noch 3 Fragen an Klaus Ender.

Herr Ender - Sie haben viele Jahre an den FKK-Stränden verbracht und sind Kenner dieser Materie. Was ist schief gelaufen, dass es diese beliebte Bade-Kultur quasi nicht mehr gibt?
Ender: Die Hauptschuld haben die Medien, die das "Nackte"  - wie es im Westen üblich ist - mit Sex sells verbanden, (was gar nichts damit zu tun hat), um mit den Schlagzeilen "Kasse" zu machen. Da die DDR kein Land der Sensationen war, machte sie eine daraus - und der westliche Leser erfuhr nun im Sinne des Wortes, was "da drüben los ist".
Er ermittelte nun, wo man "Nackte" sehen kann - und setzte sich in seinen Klamotten hin, um "Nackte" zu sehen. Das erzürnte die Ostdeutschen und es kam zu regelrechten Gefechten zwischen den wahren FKK-lern und den "Sehleuten" aus dem Westen. Keiner fühlte sich mehr wohl - die Ost-Urlauber blieben unter sich und die Westdeutschen erzählten zu Hause, dass die Ossis gar nicht so freizügig sind, wie es ihre Medien vorgaukeln. Es wuchs nicht zusammen, was nicht zusammen gehört.
Im Gegenteil - es kamen noch andere Mißverhältnisse dazu, weil die Westdeutschen mit ihren Tatoos, der Intimrasur u.a. "Zeitgeist"-Erscheinungen die Blicke auf sich ziehen wollten, was am DDR-FKK-Strand überhaupt nicht stattfand.
Was glauben Sie, trennt Ost und West in der Auffassung Frei Körper Kultur und Aktfotografie - und wie wird  die Entwicklung sein?
Ender: Man kann Zeiten nicht zurück holen. Man würde nur etwas "aufwärmen", was keinem schmeckt. Wir sollten unsere Identität wahren - und auch in diesem Punkt frei entscheiden - sonst wären wir unfreier als vor der Wende. Die Insider wissen, dass die DDR-Aktfotografie im Westen einen hohen Stellenwert hat - was man von der Bundesrepublik nicht behaupten kann. Deshalb versucht man eine Imagepflege und benennt seine deutschen Fotografen mit "XXX ist der deutsche Helmut Newton". Als man es bei Altmeister Günter Rössler versuchte, erlitt man Schiffbruch - er lehnte dankend ab.
Unser ostdeutsches Bild von der Frau sieht weitaus besser aus als das Bild westlich der Elbe. Und was ihre Nacktheit betrifft, liegen Welten dazwischen. DAS MAGAZIN hat das Ansehen der Frau - und ihre Bewertung - durch den monatlichen Akt erheblich gestärkt. Er war ästhetisch, zeigte selbstbewusste Frauen und degradierte sie nicht zu "Sexbomben."
Ich selbst bin kein Freund einer Prägung, weil ich viel zu freiheitsliebend und kreativ bin, um von anderen geprägt zu werden. Doch auch ich muss bekennen, dass ich mit 16 bis 18 Jahren die ersten Eindrücke unbekleideter Frauen im Magazin hatte. Aber sie weckten in mir nicht den Voyeur - sie faszinierten mich durch ihre Ästhetik und Schönheit.
Dass ich mal in über 20 Magazinen den monatlichen Akt haben würde - und einst 5 Akt-Bücher darüber schreiben würde, das war nicht mal in meinen kühnsten Träumen das Thema. Der Umstand, dass ich vom Magazin geprägt wurde - und mir viele Jahre später im (Heft 6/2004) bestätigt wurde, dass ich den Geschmack der Bevölkerung "mit prägte" und den Akt salonfähig machte, das macht mich glücklich und stolz zugleich.
Was würden Sie begrüßen, wenn es um FKK und die Aktfotografie geht?
Ender: Ich würde - da beide Themen 40 Jahre lang eine große Rolle spielten - beide Themen in die Werbung für unsere Insel einbeziehen. Kreide, Buchenwälder, Strände, das Meer und die Gesundheit auf einer gesunden Insel gepaart mit dem natürlichen Akt bis hin zum Wellness wären eine dankbare und schöne Aufgabe. Allerdings warne ich davor, aus dem Akt ein "nackt" zu machen und auf diesem Sektor Werbestrategen das letzte Wort zu überlassen. Es gibt tausend mal mehr provozierende "Nacktaufnahmen" als ästhetische Aktbilder. Es kommt nicht darauf an, dass man etwas macht - sondern wie. Der erste Satz in unserer Verfassung lautet, dass die Würde des Menschen unantastbar ist - das Gleiche sollte für den Akt gelten.

Mehr zur Reihe "Enders Insel":
1.) "3 Fragen an Klaus Ender" vom 1.08.2017 / 2.) "Die Silhouette als Vexierbild" vom 1.09.2017 / 3.) "Der saubere Akt" vom 1.10.2017 / 4.) "Revolution in der Dunkelkammer" vom 1.11.2017 / 5.) "Vom Tschüß bis Grüß Gott" vom 1.12.2017
Fotos und Text: Klaus Ender (Weitere Informationen)
"Wer nackt Würde zeigt - gibt sich keine Blöße" (Alle Fotos: Klaus Ender)