Mittwoch, 23. August 2017

Ein Vogel als Staatsfeind Nr. 1 ?

 
Rügen. (SAS) Wer hätte das gedacht? In diesem Jahr stellte der Diplom-Volkswirt und Publizist Roland Tichy fest, dass in Deutschland derzeit eine Energiewende vollzogen wird, die alle eigenen Zielstellungen verfehlt. So steigt beispielsweise der Ausstoß von CO2 weiter an und unsere Natur wird immer mehr durch Windräder zerstört. Derzeit soll es 28.000 von ihnen geben. Das erklärte Ziel ist es jedoch, insgesamt 90.000 Windräder zu errichten. Sie sollen das Land "verspargeln", in dem wir dann - nach der Wahl - gut und gerne leben sollen. Um dies zu erreichen, wurde sogar das Bundesnaturschutzgesetz in wichtigen Positionen abgeräumt.

Wie alles begann...
Am Anfang vieler Berichterstattungen wird in diesem Zusammenhang immer wieder auf das Kyoto-Protokoll verwiesen, das die Reduzierung von Gasen - wie Kohlendioxid (CO2), Distickstoffmonoxid (N2O) oder Methan (CH4) - vorsieht. Die gasförmigen Stoffe werden heute als Ursache für den als "Treibhauseffekt" bezeichneten Auslöser einer Klimaerwärmung angesehen. Als Reaktion strebt die Bundesregierung die "Halbierung der Emissionen der Stromerzeugung" bis 2030 an. So will Deutschland als Industriestaat seinen Beitrag leisten, um wieder die Temperaturwerte des Jahres 1850 zu erreichen. Es ist das Jahr, dass als Beginn der Industrialisierung angesehen wird. Geht es nach den Schätzungen der Klimaforscher müsste dazu eine Temperaturabsenkung des Weltklimas zwischen 1,5 und 2 Grad Celsius erfolgen. Es ist jedoch nur eine Theorie, weil wissenschaftliche Analysen und Einordnungen zum Wetter erst ab 1880 beginnen.

Klimaretter kontra Naturschützer
Um die angenommene Klimaerwärmung umzukehren, begann man sich von fossilen Energieträgern - wie Kohle, Erdöl oder Erdgas - abzuwenden. Sogenannte erneuerbare Energien, wie Sonne oder Wind, sollen diese ersetzen. Als die Klimaretter nun damit begannen, weite Teile unseres Landes mit Windrädern zu "verspargeln" trafen sie dabei auf Naturschützer, die dadurch den Lebensraum von Pflanzen und Tieren bedroht sahen. Doch im Gegensatz zu Don Quichotte, der einen ausweglosen Kampf gegen die Windmühlen führte, hatten die Naturschützer einen mächtigen Verbündeten: Den Roten Milan. Zwischen 10.000 und 14.000 Brutpaaren leben derzeit noch in Deutschland. Da er jedoch den neuen Windanlagen trotzt, fallen ihnen jährlich etwa 1.000 der geschützten Greifvögel (wie 12.000 Mäusebussarde) zum Opfer - wie die Publikation "Die Welt" zu berichten weiß. Damit war der Konflikt zwischen Klimarettern und Naturschützern skizziert.

Natur und Heimat sollen geopfert werden
Dass die Sorge, der Natur- und Heimatschutz solle zugunsten der Windindustrie geopfert werden, nicht unbegründet war, zeigt die jüngste Entwicklung: Während der Rote Milan bisher für die Windräder das sichere "Aus" bedeutete, ist es nun so, dass die Windräder das sichere "Aus" für den roten Milan bedeuten. Die Umkehr wurde durch die Novellierung des Bundesnaturschutzgesetzes möglich. Der Bundestag hat in seiner 240. Sitzung am 22. Juni 2017 den Gesetzentwurf der Bundesregierung - im Übrigen unverändert - angenommen. In der Änderung des §44 heißt es jetzt:

"...liegt das Tötungs- und Verletzungsverbot nach Absatz 1 Nummer 1 nicht vor, wenn die Beeinträchtigung durch den Eingriff oder das Vorhaben das Tötungs- und Verletzungsrisiko für Exemplare der betroffenen Arten nicht signifikant erhöht und diese Beeinträchtigung bei Anwendung der gebotenen, fachlich anerkannten Schutzmaßnahmen nicht vermieden werden kann."

Artensterben in Deutschland
Die Schlagzeilen überschlagen sich gerade dieser Tage zum Artensterben in Deutschland. Die Schlagzeilen lauten "Deutschland sterben die Vögel weg" oder "Das Verschwinden der fleißigen Helfer". Die Gründe dafür sind vielfältig. Die Abholzungen und Zersiedelung der Landschaft führen - nicht nur auf Rügen und der pommerschen Küste - zur Zerstörung von Lebensräumen. Der Anbau von Monokulturen in der Landwirtschaft schränkt Nahrung und Brutmöglichkeiten ein. Der Einsatz von Pestiziden, die Überdüngung und die Pflanzenzusammensetzung tun ihr Übriges. Die Änderung des Naturschutzgesetzes wird dies beschleunigen, auch wenn zuvor der Kampf um die Auslegung der Änderungen die Gerichte lange beschäftigen wird. Und diesen mangelt es schon heute an Personal.

Zum Schluß...
Am Ende dieses Beitrages wollen wir uns Fragen stellen: Wie ist es eigentlich möglich, dass Gesetze ohne gesellschaftliche Debatte geändert werden, die doch so weitreichende Folgen für uns alle haben? Unser Fazit: Weil es ein Parlament gibt, dass von der Regierung kontrolliert wird und nicht umgekehrt. Und die Medien? Sie verlieren an Bedeutung, wenn sie sich nicht mehr um das Aufspüren und Berichten von Misständen kümmern, um auch öffentliche Debatten darüber anzustossen. Im Falle des Roten Milans haben sie in weiten Teilen versagt. Aber: Mit dem Verlust unserer Artenvielfalt, dem immer weiter fortschreitenden Vernichten der Natur verlieren wir täglich ein weiteres Stück Heimat. Die durch unsere Steuergelder künstlich aufgepäppelte Windindustrie legt damit Hand an unsere Wurzeln. Werden uns diese aber abgehauen, dann stehen wir - wie schon der Rüganer Ernst Moritz Arndt feststellte - wie ein Baum in der Luft und der erste Wind wird uns fällen, während sich die Rotoren der Windräder noch drehen.