Freitag, 4. August 2017

Geopolitisches Gerangel vor Rügen (12): Coca-Cola verbieten?

Was wird aus dem Export und Import von Waren?
Sassnitz. (SAS) Wer hätte das gedacht? Nord Stream 2 vor Rügen beschäftigt das US-Repräsentantenhaus und den US-Senat. Das Wunder: Beide sind sich erstmals einig. Allerdings nur was die Sanktionen gegen Russland und mit dem Land handelnde Unternehmen angeht. Und nebenbei? Da spaltet man noch Europa...
Doch offensichtlich haben die Vereinigten Staaten und einige europäische Partner ein ganz anderes Feindbild? Vielleicht die deutsche Wirtschaft, genauer: die deutsche Exportwirtschaft? Ihr Außenhandelsüberschuss von über 20 Milliarden Euro stand ja nicht nur beim Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, in der Kritik, sondern auch in Brüssel. Doch wo liegt die Ursache? Sind es vielleicht Wettbewerbsfähigkeit (u.a. durch Qualifikation der Arbeitskräfte, Qualität der Infrastruktur, Innovation), ein in Bezug auf die Wirtschaftsleistung zu schwacher Euro, erhöhte Nachfrage, fallende Rohstoffpreise, zu schwach steigende Löhne (mit Kaufkraftverlust und fallender Konsum) und geringe Investitionen?
 
Und obgleich das Russland-Geschäft längst nicht die Bedeutung hat, wie der Handel mit den Vereinigten Staaten oder Frankreich, bekommt auch Deutschland die Sanktionen gegen Russland direkt und massiv zu spüren. Man spricht von einem Verlust von etwa ½ Millionen Arbeitsplätzen in Deutschland. Betroffen sind dabei vor allem mittelständische Firmen. In Mecklenburg-Vorpommern ist sogar in dessen Folge das Außenhandelsvolumen gesunken. Betrug der Warenexport von Mecklenburg-Vorpommern nach Russland 2015 noch 310 Millionen Euro war er 2016 um fast die Hälfte eingebrochen.

Bereits 2015 erklärte der Dresdner Unternehmer Thomas Streil gegenüber dem MDR: "Ich hoffe, dass Frau Merkel vernünftig wird und nicht weiter so gegen unseren Staat arbeitet wie bisher. In der Beziehung vergisst sie als Ostdeutsche die Ostdeutschen." Er musste bereits Mitarbeiter entlassen und suchte die Sanktionen zu umgehen, indem er direkt in Russland produziert. Andere Exporteure - wie die Leipziger Stahlbaufirma Industriemontagen Leipzig (IMO), die bisher Aufträge aus Russland im Stahlhoch-, Brücken- und Kraftwerksanlagenbau erhielten - mussten jedoch aufgeben. Allein in Sachsen ist der Handel mit Russland in den letzten drei Jahren um 670 Millionen Euro eingebrochen.
 
Über 5.000 deutsche Firmen sollen in Russland vertreten sein. Zu den prominentesten zählt sicher Siemens. Der Konzern hatte unter anderem vor fast 5 Jahren den ersten Regionaltriebzug vom Typ Desiro RUS über Mukran verschifft. In Russland erzielt Siemens mittlerweile einen Umsatz von 1,2 Milliarden Euro. Dass es nun mit dem Auftauchen von Siemens-Turbinen auf der Krim den Vorschub für noch schärfere Sanktionen leistet, ist dabei sogar eine tragikomische Entwicklung. Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) erklärte zwar am 15. Juni 2017 in Bezug auf Nord Stream 2: "Es geht um die Wettbewerbsfähigkeit unserer energieintensiven Industrie und um tausende von Arbeitsplätzen." Doch: Vielleicht müssen die Sanktionen nur anders beantwortet werden?

Warum nicht fordern, Coca-Cola und den Big Mac zu verbieten? Vielleicht verstehen wir uns dann ja wieder richtig gut. Denn irgendwie gehört ja "Mäkkes" genauso zu unserem Alltag, wie deutsche Autos auf dem Highway und russisches Gas in deutschen Thermen.

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