Mittwoch, 16. August 2017

Schulz - Ein Mann will nach oben

An Schwung und Willen fehlt es ihm nicht: Schulz will nach oben 
Stralsund (SAS). Würden Pinguine wählen können, die Bundeskanzlerin müsste sich in ihrem Wahlkreis 15 warm anziehen. Nicht weil die "Frackträger" kälteliebende Tiere sind, sondern weil sie wohl am meisten das Herz der Sozialdemokraten rühren. Der Fraktionsvorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion Thomas Oppermann kam genauso wenig an ihnen vorbei, wie die Direktkandidatin der Partei, Sonja Steffen, die "frischgebackene" Ministerpräsidentin  Manuela Schwesig oder der Kanzlerkandidat Martin Schulz...

Doch der Reihe nach: Zunächst hieß es warten - nicht nur für die Kinder und Jugendlichen, die mit den SPD-Spitzenpolitikern ins Gespräch kommen sollten, auch für die Journalisten, eine in dieser Form und technischen Ausstattung sicher aussterbende Zunft. Dann kam er. Martin Schulz. Die Abläufe sind ihm vertraut, der Mann bewegt sich geschickt auf dem Parkett und auch für die "Meute" (die Beschreibung eines Jugendlichen für die Journalisten). Alle kämpfen um die schönsten Bilder, einige der Zunft kennt man dabei persönlich, andere nicht. Wer "nur" Fotos benötigt, hat es im Vergleich zu denen ,die bewegte Bilder einfangen müssen, leicht. Der Aufwand - beispielsweise für den OZ/TV-Reporter ist enorm - für 1.000 Klicks und ein paar Likes, wenn wenigstens das Geld stimmt.
Kritischer Blick nach oben, über dem Kanzlerkandidaten hängt ein Raubfisch
Zunächst geht es dem Kanzlerkandidaten Martin Schulz hinterher. Und der will nach oben, eine lange Rolltreppe. Hier beginnt ein Rundgang unter Führung von Dr. Benke, Direktor des Deutschen Meereskundemuseums. Und während er zielsicher und bestens geübt das SPD-Trio - Martin Schulz, Manuela Schwesig und Sonja Steffen - durch "sein" Ozeaneum schleust, laufen die Journalisten umher, suchen nach optimalen Bildpositinen, rennen treppauf, treppab. Für die Kinder und Jugendlichen, die ebenfalls mit dem Pulk ziehen, sicher ein ungewöhnliches Bild. Doch es geht um das beste Bild. Da die Besucher nicht vorgewarnt wurden, staunen einige Urlauber, was da gerade um sie geschieht. Zwischendurch ein: "Das ist doch Schulz." Doch bevor sie sich an den Anblick gewöhnen können, ist die "Karawane" schon weiter gezogen.
 
Der Zeitplan ist offensichtlich stramm getaktet. Am Ende wird ein Raum angesteuert. Die Jugendlichen! Wo sind die Kinder? Da strömen sie herein. Sie dürfen Platz nehmen, die Journalisten, einige Herren und Damen im reifen Alter müssen sich an den Rand stellen, die Fotos sind im Kasten. Dann kommt es zur "Fragestunde". 4 bis 5 könnte man sicher schaffen. Es wird gleich ganz persönlich. Er ist der Martin, sie ist die Manu. Dann geht es los...
 
Fragerunde mit Stralsunder Kindern und Jugendlichen
Auf die Fragen folgen die Antworten: Für alle die einen Terminkalender dabei haben: Am 28. August 2017 findet ein "Nationaler Bildungspakt" statt. Da kommen die sozialdemokratischen Ministerpräsidenten zusammen und beschließen, dass nun alles besser wird. Symbolpolitik? Sicher. Schulz sagt selbst, dass Bildung Ländersache ist, aber deswegen soll es jetzt eine Allianz geben. Die nächste Antwort auf eine Frage ist als Botschaft etwas platter: Merkel will 30 Milliarden in die Rüstung, Schulz will das Geld in die Familien stecken. Kita-Gebühren sollen wegfallen, das will auch die Manu, aber nur gemeinsam ist das zu schaffen - Land und Bund müssen es nun anpacken. Schnell geht es bei der nächsten Frage noch um die kommunalen Finanzen. Von 4 Jugendclubs in Stralsund gibt es heute nur noch einen (Anm.: auf Rügen seit diesem Jahr keinen). Klar keiner hat Geld - nicht die Gemeinden, nicht die Städte. Die Idee: Nun werden die Überschüsse aus Bund und Ländern endlich an die Städte und Gemeinden fließen. Dann sagt er noch, was er ab dem 24. September macht - Kanzler - und wie er sich das so vorstellen kann. Alles kurz und knackig.
 
Abschließend folgt noch draußen eine abschließende Stellungnahme. Das Fazit des Besuches? Ein Mann will nach oben. Das nimmt man ihm ab. Er kommt menschlich und keineswegs arrogant herüber - wie einige behaupten. Ob er der richtige Kanzler ist? Das kann wohl nur jeder für sich befinden. Aber: Auf der Fahrt zur Insel Rügen fahren wir an einem der ersten großen Plakatwände vorbei. Darauf steht sinngemäß: Gute Arbeit. Gute Löhne. Es ist nicht von der SPD, sondern von der CDU. Beide regieren seit Jahren Deutschland und unser Bundesland. An den 12% Jugendarbeitslosigkeit auf Rügen und den geringsten Löhnen in ganz Deutschland hat das nichts geändert.