Dienstag, 15. August 2017

Spur der Steine (54): Ein Badehaus wird 200 Jahre

Die fürstlichen Löwen stehen heute am Eingang zum Badehaus Goor
Lauterbach. (SAS) 1816 wurde das erste Seebad der Insel eröffnet. Am Strande des Greifswalder Boddens wurden dazu zunächst nur kleine Leinwandzelte für badelustige Herren aufgestellt. Den Damen blieb dagegen die Nutzung von Badekarren vorbehalten, die in die Ostsee geschoben wurden. Wer jedoch das „Seebad“ genießen wollte, ohne an den Strand zu fahren, dem wurde das Seewasser auch nach Putbus gebracht, um es hier – in einem eigens dafür vorgesehenen Baderaum - wohl temperiert zu probieren.
 
Die Anfänge des ersten Seebades auf Rügen waren also durchaus bescheiden. Dennoch erfreute es sich bereits nach kurzer Zeit einer gewissen Resonanz durch die Gäste. Dies bewegte den Gründer des 1810 gegründeten Ortes Putbus, Wilhelm Malte zu Putbus, zum Bau eines Badehauses in der Goor. Für den Neubau mit Speisesaal, Salons und Zellen für Warmbäder sowie Logierzimmern und Wirtschaftsräumen wurde am 15. August 2017 der Grundstein gelegt.
 
Zunächst sah man eine Dreiflügelanlage mit Innenhof vor. Dabei sollten sich im rechten Flügel die Badezellen befinden, darüber – mit einem schönen Blick auf die See – die Logierzimmer. Rückwärtig - so die Idee - sollten die Wirtschaftsräume ihre Berücksichtigung finden. Doch bereits im Jahre 1820 kam es zu einer Erweiterung des Badehauses. Nun wurden weitere Badezellen und Logierzimmer errichtet, wodurch der Speisesaal zwangsläufig in die Mitte des Baus rückte. Das Wasser für die auch als „Kabinette“ bezeichneten Räume wurde dabei übrigens direkt aus der Ostsee gepumpt. 
 
Bis heute wird der Charakter des Gebäudes aber durch seine Blendfassade geprägt. Sie gibt – ähnlich den späteren Loggien aus Stein, Stahl oder Holz in den Seebädern der Ostküste Rügens – dem Badehaus den Eindruck eines geschlossenen Gebäudes. Die dabei zunächst 22 aus Holz gefertigten Säulen der Kolonnade wurden nach 1830 durch massive Säulen ersetzt. Heute wie damals setzte sich der Bau aus verschiedenen Trakten zusammen, die durch die bereits beschriebene   Blendfassade   ihre   Geschlossenheit   erhielten.  Aufgelockert   durch   Freitreppen   und   die Kolonnade steht der Bau auch äußerlich – wie der Ort Putbus – ganz im Zeichen des Klassizismus.     
 
Blick durch den Kolonnade
Die Einweihung des Hauses erfolgte übrigens im darauffolgenden Jahr; am 13. August 1818. Zu den
Gästen gibt es eine sehr ausführliche Darstellung eines Zeitgenossen, den Andre Farin - Autor des Buches „Lauterbach“ – so zu Wort kommen lässt: „Neben dem ehrsamen Pommer wandelt hier der derbe Mecklenburger, neben dem vielredenden Stettiner der wohlredende Sachse, neben dem ästhetischen Berliner der keifende hansestädter. Seltsam, dass uns das nahe Stralsund gar keine, Greifswald und Land Rügen   sehr   wenige   eigentliche   Badegäste   geschickt   hat,   ersteres   aber   oft,   letzteres   nur   sparsam Zugvögel...“