Sonntag, 13. August 2017

Wir sind gescheitert!

Noch am Cirus in Putbus präsent...
Putbus. (SAS) Am 10. August 2017 war es offiziell: Kaj Gardeja, der seit 2013 Geschäftsführer der Tourismuszentrale Rügen war, tritt aus gesundheitlichen Gründen zurück.
Bereits zwei Tage später - am 12. August 2017 - teilte Knut Schäfer - Vorstandsvorsitzender des Tourismusverbandes Rügen - in einem Interview der Ostsee-Zeitung mit, dass er das Modell der Tourismuszentrale  Rügen (TZR) für gescheitert hält. Im gleichen Interview äußerte sich Schäfer auch bereits über mögliche Alternativen zur TZR. Wenn man diesen Gedanken folgen möchte, würde man denken müssen, dass die Nachfolger Gardejas - die Kurdirektorinnen Adriana Zawisza (Sellin) und Uta Donner (Baabe) sowie Kurdirektor Jörn Fenske (Göhren) - nun mit der Abwicklung der TZR beginnen.

2001 war die Toursimuszentrale Rügen (TZR) als Marketinggesellschaft des Tourismusverbandes Rügen gegründet worden. Sie nahm vor 15 Jahren ihre Geschäftstätigkeit auf. Hauptgesellschafter war der Tourismusverband Rügen. Daneben beteiligten sich zunächst die Ostsee Dienst- und Entwicklungsgesellschaft mbH mit 10%, der RÜGANER ANZEIGER Verlagsgesellschaft mbH mit 5% und Rügendruck Putbus mit 5%.

Mit dem Jahre 2015 kam es zu einer tiefgreifenden Umstrukturierung der Anteilsstrukturen bei der Tourismuszentrale Rügen (TZR). Die Idee der Finanzierung der bundesweiten Vermarktung durch die Städte und Gemeinden Rügens ging jedoch nicht auf: Lediglich die Seebäder Binz, Sellin, Baabe und Göhren sowie Putbus und Sassnitz beteiligen sich an der Finanzierung der TZR.

Die Idee eine Alternative zur privatrechtlichen GmbH in einem öffentlich-rechtlichen Zweckverband zu suchen - wie am Samstag, den 12. August 2017 von Knut Schäfer ebenfalls im Interview mit der Ostsee-Zeitung geäußert, sollte in jedem Fall Beachtung finden. Erfolgreiche Beispiele - nicht nur in Bezug auf die öffentliche Ausschreibung von Leistungen - gibt es dafür sowohl in Bayern als auch Österreich. Allerdings müsste dann aber auch gleich die Verantwortung im Natur- und Heimatschutz übernommen werden, denn der weiter steigende Verbrauch der natürlichen Ressourcen führt zu einer Beeinträchtigung der Insel Rügen und nimmt uns die Zukunft.

Auch wenn der Zweckverband Wasserversorgung und Abwasserbehandlung (ZWAR) als lokales Beispiel für eine funktionierende Struktur auf der Insel taugt, so sollte sich eine Aufweitung des Satzungszweckes - so sie denn gewünscht ist - nur auf die Infrastruktur beziehen. Die Bereiche Tourismus, Natur- und Heimatschutz dagegen bedürfen einer stärkeren Gewichtung durch einen eigenen Zweckverband - denn sie sind im Grunde genommen zwei Seiten einer Medaille. Dabei sollte der Grundsatz sein: "Weniger ist mehr!" - Verknappung und Rückbau von Bettenkapaitäten, eine Steigerung der Auslastung und Qualität, höhere Erlöse und eine bessere Entlohnung.

Denn zwei Dinge bewegen schließlich die Gemüter: Die Zersiedelung von Natur und Heimat - sei es durch Windkraftanlagen, Feriensiedlungen oder die Verdichtung der Bebauung in den Ortslagen - sowie die Beschäftigungs- und Einkommenssituation. Von dem ersten Thema zeugen die vielen Bürgerinitiativen - sei es in Gingst, Lohme, Göhren, Sassnitz oder Dranske - und beim zweiten Thema hält die Insel Rügen gleich zwei deutschlandweite Rekorde: Die höchste Jugendarbeitslosigkeit mit 12% und die geringsten Löhne. Das alles passt nicht zur  beliebtesten Insel Deutschlands, wo es einen Arbeitskräftemangel im touristischen Servicebereich geben soll. Hier sind wir eigentlich gescheitert!