Freitag, 29. September 2017

Drohnen über Rügen? - Ein Erlebnisbericht

Das zusammenfaltbare Flugobjekt direkt über uns
Garz (SAS). Heute führte uns ein kleiner Zufall in das Garzer Schützenhaus. Angeregt durch einen Aushang im örtlichen EDEKA-Markt, folgten wir der Einladung zu einer Veranstaltung, die Spannung versprach. Ihr Titel:  "Was sie über Drohnen wissen wollten".

Das Schützenhaus von Garz
Um es vorweg zu nehmen: Wir hatten bisher keinerlei Erfahrung mit Drohnen. Man hört oder liest darüber, oder sieht vielleicht sogar das eine oder andere Foto - aber sonst? Und dennoch werden diese technischen Entwicklungen wohl schon bald auch unseren Alltag auf den Kopf stellen. Pakete, die mit der Drohne ausgeliefert werden? Wir haben davon gehört.
 
Gerade deshalb hätte man weit mehr als eine Hand voll Besucher erwarten dürfen. Man hätte es auch Andreas Meyer gewünscht, denn er ist wirklich jemand, der einen für das Thema begeistern kann. Flugerfahrung - soviel wurde schon nach kurzer Zeit klar! - hat er. In einem Video, dass er dann auch zur Einstimmung zeigte, steuerte er schon mal einen Modellflieger in den Himmel über Güttin...
 
Ankündigung vor Ort
Doch heute ging es natürlich um Drohnen. Wobei - eigentlich ist schon der Begriff falsch. Meyer ist sachlich und räumt schon zu Beginn mit einer weitverbreiteten Annahme auf: Denn Drohnen werden ferngesteuert - manchmal 1.000e Kilometer - und Copter - was wir oft als Drohne ansehen - sollten auf Sichtweite geflogen werden. Erlaubt sind dabei 100 Meter über dem Boden und auch was überflogen werden darf, ist mittlerweile in Deutschland klar geregelt.
 
Überhaupt die Technik! Präsentiert wird uns eine sogenannte Faltdrohne von DJI (da ist sie wieder diese Begrifflichkeit!). Sender und Empfänger haben eine Übertragung von 2,4 Gigahertz. Und während das Flugobjekt etwa 250 Gramm wiegen kann, ist heute viel wichtiger, dass jeder Pilot ein Schild mit seinem Namen und seiner Anschrift auf dem Flugkörper befestigt. Ausgestattet ist dieser mit einer kleinen Kamera. Die Bilder? Sie werden mit einer 4K Kamera gemacht. Die pendelt sich alleine aus und schafft butterweiche Führungen wie mit einem Schwebestativ.
 
Die Steuerung vom Boden erfolgt mit Hilfe des Mobiltelefons
Die Steuerung wird durch ein Smartphone ergänzt. Dieses ermöglicht auch die Direktübertragung, wodurch die aufgezeichneten Bild- oder Filmmotive direkt betrachtet werden können. Dies demonstriert Andreas Meyer dann auch direkt vor dem Schützenhaus. Doch das Fliegen ist noch eine Sache für sich. Was so spielend einfach aussieht, sollte man - so Meyer - zunächst mit kleinen Modellen oder einem Simulator trainieren. In etwa 4 Wochen kann man jedoch schon flugfähig werden. Denn das Problem ist: Das Denken aus der Position der Drohne heraus.
 
Dann hebt das Fluggerät ab und lässt uns staunend auf dem Boden zurück. Hier können wir nun auf dem Handy an der Steuerung den Blick aus der Perspektive der Drohne verfolgen. Das ist aber noch nicht alles! Zwar lässt diese Kamera keinen Zoom sondern eine Fixierung und ggf. Verfolgung von sich bewegenden Objekten zu, aber verblüffend sind noch zwei weitere Funktionen: 1.) Gerät das Flugobjekt außer Sichtweite, kann man es mit dem "Coming Home"-Knopf wieder zurückholen. Und wirklich, das Objekt nähert sich selbständig und korrigiert sogar 5 Meter über uns seinen Anflug so aus, dass es am ursprünglichen Punkt des Starts wieder aufsetzt. 2.) Eine Funktion, die ihn selbst vor Mauern oder Flächen - auf die sich der Flugkörper zubewegt - abbremst. So etwas real zu betrachten, ist schon fast unheimlich - zeigt es doch, wie weit die Technik bereits ist.
 
Das Flugobjekt steigt in den Himmel über Garz
Dann geht es wieder ins Schützenhaus, wo wir uns nun auf einer Leinwand die Fotos und Videosequenzen der letzten Minuten ansehen können. Garz von oben! - Das ist schon beeindruckend, auch als wir alle in die Kamera lächeln und winken. Heute können diese Flugobjekte bereits Geschwindigkeiten eines Autos mit mittlerer Geschwindigkeit auf einer Landstraße erreichen. Die technischen Möglichkeiten sind dabei faszinierend, allerdings setzen gegenwärtig auch rechtliche Vorgaben klare Grenzen. So ist das Filmen das eine, das Publizieren das andere. Eine Strafe bei Missachtung kann dabei so teuer werden, wie das Flugobjekt mit Equipment selbst - etwa 1.500,- EUR. Keine Übertreibung, sondern ein Beispiel aus unserem Land.
 
Blick auf das Handy mit einer kostenfreien App zur Steuerung
Unbedenklich sind dagegen Starts von Modellflugplätzen. Der Einzige auf Rügen befindet sich übrigens bei Zirkow - unweit der Wasserskianlage. Leichter haben es da schon professionelle Flugobjekt-Piloten, die beispielsweise Verschüttete aufspüren müssen oder Landvermessung betreiben, wie sie zum Beispiel nach der letzten Sturmflut vor Rügen erfolgte...
 
Die 90 minütige Veranstaltung mit Andreas Meyer verging übrigens wirklich "wie im Fluge" und irgendwie denken wir nun schon darüber nach wie die Prorer Wiek wohl von oben aussieht.