Samstag, 16. September 2017

Kanzlerin besucht Kriegerdenkmal

Wilhelm Hacker vom Rügener Volksbund und Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel am Kriegerdenkmal
Putbus. (SAS / BM) Es ist Samstag - eine Woche vor der Wahl. Die Sonne lacht und auf der Insel gibt es viele Gründe zu warten. Die Kanzlerin kommt! Nicht allen ist Dr. Angela Merkel (CDU) dabei willkommen. Einige üben schon in Binz, wo die Kanzlerin auf dem Kurplatz des Ostseebades eine Rede halten möchte, lautstarken Protest.

Doch nicht nur in Binz wird sie erwartet, auch in Vilmnitz und Putbus. Schon am Vormittag wird klar, dass es auch heute - beim bisher einzigen Wahlkampftermin auf Rügen - ein straffes Programm für die erste Frau im Kanzleramt geben wird. Und während Diplom-Restaurator Carlo Wloch in Vilmnitz auf die Bundeskanzlerin wartet, um ihr die Fürstengruft in der Kirche zu öffnen, wartet Wilhelm Hacker, Vorsitzender des Rügener Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, am Kriegerdenkmal in Putbus.
 
Es hätte schlimmer kommen können: Statt des wechselhaften Wetters der letzten Tage hat der Himmel nun einige Sonnenstrahlen auf Rügen geworfen. Schon der Weg in den Park war ungewöhnlich, denn wann sieht man schon mal auf der Insel soviel Polizei. An der Kirche stehen (sichtbar) gleich zwei Wagen und auch ein Polizist prüft flüchtig die vorbeischlendernden Besucher des Parks. Auch Hacker hat es sich bequem gemacht. Ein kleiner Austausch mit dem Polizisten am Kriegerdenkmal vertreibt die Zeit.
 
Lange war das Denkmal ein Schatten seiner selbst. Mitten im Park - direkt am Schwanenteich gelegen - nagte an ihm nicht nur zu DDR-Zeiten der Zahn der Zeit. Auch nach 1989 war es schwierig es wieder in einen guten Zustand zu versetzen. Anlässe gab es dazu genug. 1995 zum Beispiel - 50 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkrieges. Auf private Initiative wurde zwar das Gedenken an Krieg und Gewalt in Stein gehauen, aber am Kriegerdenkmal durfte der neue Gedenkstein keinen Platz finden und so landete er zunächst samt Friedenseiche am Mausoleum. Doch auch der Zustand des Kriegerdenkmals für das Gedenken an die Toten des ersten Weltkriegs wurde nicht besser. Grund genug für die Putbusserin Rosemarie Halliger die Trommel für das bedrohte Bauwerk zu rühren. Sie würde heute vielleicht lächeln, so wie Wilhelm Hacker.
 
Wegstufen mit den Jahreszahlen "1914" bis "1918" zum Kriegerdenkmal
Denn das Kriegerdenkmal am Schwanenteich ist heute saniert. Der Gedenkstein für die Opfer von Krieg und Gewalt wurde an einem der Zugänge platziert und um die Tafel "1939-1945" ergänzt. Möglich wurde dies auch durch Spenden. Als Einwerber für Spenden hatte sich Hacker, der seit 2000 den Rügener Verband des Volksbundes leitet, einen guten Ruf erworben. Er war nicht nur der fleißigste Sammler des Landes geworden sondern vielleicht auch der Mutigste - denn: Wer hätte schon "die Kanzerin zur Kasse gebeten" (wie eine Zeitung es damals beschrieb)? Heute würde sie nun mal sehen, was aus den Spenden geworden ist. Vom Eichenhain aus würde sie das Denkmal aufsuchen. Diesen leicht ansteigenden Weg - über die Jahrstufen "1914" bis "1918" - waren schon einige bekannte Menschen der Zeitgeschichte gegangen. Generalfeldmarschall August von Mackensen (1849-1945) zum Beispiel...
 
Nun kamen doch ein paar Menschen zu dem sonst eher ruhigen Ort im Park. Fragten nach und sprachen miteinander. Und dann war auch die Bundeskanzlerin zu sehen. Sie kam - wie man es sich bereits gedacht hatte. Kein Beifall und kein Unmutsbekundungen, es wurde zur Kenntnis genommen. Alles andere wäre auch nicht dem Anlass gerecht geworden. Eine kurze Begrüßung und die Freude darüber, dass es heute mal gepasst hat - das war´s! Dann wurde ein Blumengesteck von Wilhelm Hacker und Dr. Angela Merkel auf dem rechteckigen Steinblock - mit der Inschrift "Unsern Helden" - vor den übergroßen Stahlhelm gelegt. Sie blieben schweigend mit Blick nach Westen, die Häupter verneigt, im von Arkaden gefassten Hof stehen. Dann nach einer Weile reichten sich beide die Hände. Ein Lächeln huschte nun auch über das Gesicht der Bundeskanzlerin. Auf dem Foto ist dies recht gut zu sehen, andere werden später nachgestellt werden.
 
Dann ist auch dieser Augenblick Geschichte. So unspektakulär, wie die Kanzlerin kam, ging sie auch wieder den Weg zurück zum Eichenhain. Damit endete auch die letzte Station ihres Wahlkampfauftritts auf der Insel Rügen.
 
Im Vordergrund die Erinnerung für die Kriegstoten des zweiten Weltkrieges