Dienstag, 31. Oktober 2017

DOK Leipzig: Anne Clark & ein pommerscher Film

Leipzig (SAS). Gestern - am Montag, den 30. Oktober 2017 - wurde das 60. Internationale Filmfestival Leipzig für Dokumentar- und Animationsfilm (DOK) vor 700 Zuschauern eröffnet. Die Grundidee eines deutsch-deutschen Festivals in den Jahren der deutschen Teilung hatte bis ins das Heute eines vereinigten Deutschlands zahlreiche Veränderungen erfahren. Das zeigt sich auch am Umriss des Anspruchs des neuen Programmchefs des Festivals, Ralf Eue. Gegenüber dem Deutschlandfunk definierte er gestern die DOK Leipzig als "Fenster zur Welt" und "Weltempfänger" - womit er sicher auch sprachlich treffende Worte gefunden hat...

Dabei setzt das Festival nicht nur beim Jubiläumsprogramm - bis Sonntag werden noch 340 Werke aus 57 Ländern gezeigt (!) - sondern auch bei der Besetzung der Jury Achtungszeichen. Denn wer hätte hier schon die britische Liedschreiberin und New-Wave-Musikerin Anne Clark erwartet?
Zeitzeugen aus Demmin berichten über Erlebtes (Foto: Martin Farkas)
Ohnehin hält das 60. Leipziger Filmfestival weitere Überraschungen für das Publikum bereit: So kommt einer der Beiträge aus einer Kleinstadt auf dem pommerschen Festland. Hier - in der Provinz - drehte Martin Farkas den Streifen "Über Leben in Demmin". Der Film, der am 1. November 2017 in den Passage Kinos (Universum) seine Weltpremiere hat, wird zweifellos sein Publikum berühren. Inhaltlich geht es um das zur Zeit der DDR verschwiegenes Thema eines Massensuizids hunderter Menschen zwischen dem 30. April und 4. Mai des Jahres 1945. Farkas hat dazu alte Demminer besucht, die ihm von den Ereignissen aus ihrer Erinnerung berichten. Die Anspannung wird dabei durch die unruhigen Hände der Befragten sichtlich. Einer von ihnen beschreibt die Vollkommenheit der Stadt vor dem Krieg und die danach bis heute andauernde "Flickschusterei". Diese sucht Farkas auch eindrucksvoll in Bildern einzufangen, so wie auch die Konflikte um den Massensuizid: Auf der einen Seite ein politisch motivierter Trauermarsch auf der anderen Seite ein Abwenden von Missbrauch und Vereinnahmung der Ereignisse und eine Gegendemonstration.
Der Film über die pommersche Kleinstadt Demmin ist übrigens für den Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts nominiert. Die Institution ist um die Vermittlung eines umfassenden Deutschlandbildes bemüht und zeichnet es durch Informationen über das kulturelle, politische und gesellschaftliche Leben. 

Wir danken der DOK Leipzig für die Bereitstellung des Bildmaterials.

Weitere Informationen zum 60. Internationalen Filmfestival Leipzig (DOK)