Sonntag, 1. Oktober 2017

Der saubere Akt

Ein Beitrag von Klaus Ender
Wenn man sich in seinem Beruf etabliert hat, geht manches von allein weiter. Allerdings nur eine Weile,  denn nichts ist so vergänglich wie Ruhm. In der Aktfotografie kommen noch ein paar Probleme dazu, die aber aufhören, um so mehr man publiziert und um so bekannter man ist.

In meinem Fall war es das Interesse der Kriminalpolizei - und wie ich nach der Wende in meinen Stasi-Akten nachlesen konnte, stand hinter der "K" die STASI. Es beginnt mit Verhören und endet unter Umständen im Gefängnis - wenn  man sich strafbar gemacht hat. In der DDR hieß es Zuchthaus, wenn man sich durch Pornografie strafbar gemacht hat.
Und da wir bei diesem Begriff kaum drum herum kommen können, Stellung zu beziehen, muss ich der Ideologie der DDR mal ein Lob spenden (es ist soviel ich weiß) mein einziges Lob. Ich bin froh, meine Kindheit nicht in der BRD verbracht zu haben - und schon gar nicht in dieser Zeit, wo man sich Pornografie fast überall aufs Handy laden kann. Die DDR betonte sehr oft, dass der Mensch im Mittelpunkt ihrer Ideologie steht, und dass die Pornografie ein Makel jeder Gesellschaft ist.
Es mag Befürworter dieses Genres geben, aber ich bin froh, damit nicht konfrontiert worden zu sein, als ich meine erste Freundin hatte. Mein Gefühl ihr gegenüber - oder meine Eltern damit in Verbindung zu bringen, hätte sie meine Hochachtung gekostet. Wie die heutige Jugend von dieser Materie geprägt wird, das wird sich erst später zeigen, wenn durch übermäßigen Konsum die Achtung vor der Frau verloren geht.
Die Aktfotografie der DDR hatte über die Grenzen hinweg einen sehr guten Ruf - und den behielt sie
auch bis zur Wende. Weil mir dieser Ruf sehr wichtig war, wollte ich auch erreichen, dass die Bevölkerung durch mehr Freizügigkeit in den Genuss von Aktausstellungen kommt - und so bewarb ich mich nach meinem fotografischen Erfolgsjahr 1964, meine 1. Aktausstellung machen zu können. Ich leitete z.Zt. den Saßnitzer Fotoclub, den ich zuvor gegründet hatte und nun versuchte ich in der Abt. Kultur, des Saßnitzer Rathauses Unterstützung zu bekommen. Das schlug fehl, weil der Kulturfunktionär des Rathauses die Meinung vertrat, dass ich mit meinen nackten Ärschen sicher nicht zum Aufbau unserer sozialistischen Republik beitragen könne.
Er hatte damit (vielleicht) ein Scharmützel gegen mich gewonnen, aber die Schlacht gewann ich, indem ich die 1. Aktausstellung der DDR  (10 Jahre später) 1975 in Potsdam eröffnete. Sie wurde 30 Jahre lang zum Synonym für eine künstlerisch-ästhetische Aktfotografie. Inzwischen hatte ich mein 1. Buch "Mein Model" heraus gebracht, das in 5 Auflagen mit 96.000 Exemplaren erschien. Als wichtigsten Beitrag sehe ich den Film aus der Reihe "Außenseiter-Spitzenreiter" und den Film über mich in der Reihe "Greif zur Kamera" "Ein Mann - der Bilder fühlt."
Ich hatte mit diesen Beiträgen und den damaligen Lichtbildervorträgen zum Thema "Akt und Landschaft", die ich für den Kulturbund der DDR und die URANIA hielt, das Thema Akt - in der DDR sehr erfolgreich vertreten. Diese Ausstellung wurde zur Wanderausstellung; ​durchquerte zwischen Dresden und Rostock die DDR und hatte weit über 100.000 Besucher. Auf Grund des Erfolges wurde sie zum "Leistungsvergleich der DDR-Aktfotografie" erhoben, der alle 3 Jahre DDR-weit ausgeschrieben wurde.
Im Heft 6 2007 ehrte mich - die beliebteste Zeitschrift der DDR - DAS MAGAZIN - das die Wende überstand, mit einer Retrospektive, in der es u.a. hieß: Klaus Ender publizierte regelmäßig im MAGAZIN  kann von  sich behaupten, die  Aktfotografie  der DDR mit geprägt zu haben. eine Retrospektive - (Zum Artikel im Heft 6 / 2007 des Magazins)
Mehr zur Reihe "Enders Insel":
1.) "3 Fragen an Klaus Ender" vom 1.08.2017 / 2.) "Die Silhouette als Vexierbild" vom 1.09.2017 / 3.) "Der saubere Akt" vom 1.10.2017 / 4.) "Revolution in der Dunkelkammer" vom 1.11.2017 / 5.) "Vom Tschüß bis Grüß Gott" vom 1.12.2017
Fotos und Text: Klaus Ender (Weitere Informationen)