Freitag, 6. Oktober 2017

Licht & Schatten beim Rügener Filmfestival

Die Begrüßung bei der 20 Uhr - Vorstellung im Putbusser Marstall 
Putbus (SAS). Auf der Insel Rügen findet derzeit das Rügen International Filmfestival statt. Noch bis zum 8. Oktober 2017 werden dabei Filme auf der Seebrücke Sellin, im Marstall Putbus, im Cliff-Hotel Sellin, in der Kinohalle von Göhren (Zeltplatz) und im Theater von Putbus gezeigt.

Wir haben uns heute einen Film in Putbus anschauen wollen. Also griffen wir zum Telefon und riefen bei der Ostsee-Zeitung (dem Medienpartner) an. Dort sagte man uns, welche Filme um 17.00 Uhr ("The Cronicles of Melanie", 2016) bzw. 20.00 Uhr ("Off the Map", 2016) kommen würden, zum Inhalt der Streifen konnte man allerdings keine Angaben machen und ein weiteres Problem stellte sich ein: Die Bestellung der Karte wäre zwar möglich, allerdings müssten die Abholung dann in Bergen erfolgen und dort war leider nicht mehr geöffnet. Also beschlossen wir die Karten vor Ort zu kaufen. Zum Inhalt der Filme - beide starten im Wettbewerb - erhielten wir dann noch eine Auskunft vom Matthias Bruck, dem Verantwortlichen für die Pressearbeit des Festivals, dessen Telefonnummer auf der Internetseite gefunden hatten.
 
Kreativ ausgeleuchteter Empfangsbereich im Marstall
Am Ende entschieden wir uns für die 20.00 Uhr-Vorstellung am Freitag im Marstall von Putbus. Das Ambiente war uns noch von einer Ausweichveranstaltung des "Putbusser Kinosommers" bestens in Erinnerung gewesen. Damals lief hier "Alles auf Zucker" und zu Gast war u.a. der prominente DEFA-Schauspieler Rolf Hoppe, der vor dem damals vollen Saal geradezu bescheiden wirkte. Das Wetter war wieder einmal mit Regenwolken verhangen und es wurde heute schon sehr früh dunkel. In der Ferne leuchteten uns jedoch in einem rötlichen Farbton die großen Fenster entgegen und wiesen uns den Weg durch den Park. Es war auch beim Eintritt bereits eine sehr gute Atmosphäre. Die Eintrittskarten kosteten 12,- Euro (sie konnten nach der Veranstaltung zur Abstimmung über den Publikumspreis für den besten Film wieder zurückgegeben werden) und es lag auch ein Programmheft aus. Die Begrüßung war informativ und zuvorkommend, Getränke oder ähnliches wurde nicht angeboten - war für uns jedoch kein Kriterium war. Schließlich kamen wir um eine Film zu sehen.
 
Für den sehr gut gemachten Film eine bedauerliche Resonanz - Wo liegen die Ursachen?
Wie wir bereits vermuteten waren nur etwas über 20 Gäste dem Filmangebot gefolgt (um 17.00 Uhr sollen es etwa 15 Zuschauer gewesen sein). Das war sehr schade, denn wenn man weiß, wie viel Mühe ein guter Film in der Produktion macht, dann kann man nur hoffen, dass die Filmleute nicht diesen Anblick der mageren Besucherzahl in einem Saal mit weit über 300 Plätzen sehen mussten. Vor Beginn gab es eine kurze Begrüßung durch eine Vertreterin des 1. Rügen International Film Festivals. Dann lief ein kurzer Trailer des Festivals und anschließend flimmerte "Off the Map" (Originaltitel: "Äkkilähtö") über die große Leinwand. Der Film wurde in Originalsprache mit deutschen Untertiteln gezeigt, was aber nicht ungewöhnlich für Filmfestivals ist - auch wenn viele deutsche Zuschauer in Sachen Synchronisation sicher verwöhnt sind...
 
Der Film aus Skandinavien lässt sich als Road Movie einordnen. Der finnische Humor ist dabei sehr eigen, trotzdem muss man sagen, dass der Film sehr gut gemacht wurde und unterhaltend ist. Katri - authentisch gespielt von Lotta Kaihua - ist Immobilienmaklerin. Ihre Welt ist am Anfang oberflächlich besehen in Ordnung, doch schon in den ersten Minuten gerät sie gehörig aus den Fugen. Denn ihr Freund Mikko - Schauspieler Antti Holma bedient den Spruch "Männer sind Schweine" - betrügt sie nicht nur mit einer anderen Frau, die zu alledem noch ein Kind von ihm erwartet, sondern macht auch noch krumme Geschäfte auf ihre Kosten.
 
Das Filmplakat zum unterhaltenden Road Movie
Eine Tasche mit Bargeld und das Auto ihres Freundes verleiten sie dazu die Flucht zu ergreifen. Doch bereits auf der Fahrt zum Flughafen ändert sich auch das Ziel. Ein blinder Passagier - Anna, ein kleines Mädchen, die sie erst kurz zuvor im Haus ihres Freundes durch Zufall kennen lernte - ist auch auf der Flucht. So vom Schicksaal zunächst unfreiwillig vereint, begeben die beiden sich auf den Weg zur Großmutter Annas, die in der finnischen Provinz lebt. Allerdings bleiben Katri und Anna zwei unangenehme Verfolger auf der Spur - Katris Freund (Dem es eigentlich um eine Steuerakte geht) und der Stiefvater von Anna (dem es jedoch nur um ein illegales Drogenversteck geht, dessen Koordinaten auf einem Zettel stehen, das das Mädchen hat). So nimmt die gut erzählte und filmisch sehr gut umgesetzte Geschichte ihren Lauf - mit vielen Wendungen, die zum Teil durchaus Überraschungsmomente haben: Denn auch die Beschaffungskriminalität von Annas Stiefvater und die von ihm gesuchten Drogen haben einen Zusammenhang mit dem Steuerdelikt von Katris Freund. Ein starke Figur ist übrigens auch Annas Oma, ein "Flinten-Weib" - mit wenig Worten aber großer Pose! - Dieser Film hätte jedenfalls einen Publikumspreis verdient gehabt (was bei der geringen Zuschauerzahl leider eher unwahrscheinlich ist).
 
Alles in allem lag ein unterhaltender Abend hinter uns. Zweifellos sind die Spielstätte, die Filmauswahl für den Wettbewerb und die zuvorkommenden zwei jungen Frauen am Einlass nicht der Grund für die eher mäßige Resonanz. Da der Vorverkauf seit dem 4. September läuft, ist davon auszugehen, dass sich das Problem der Nachfrage zudem seit Wochen abzeichnete. Warum - bei dem bekannten Budget - offensichtlich an der Werbung gespart wurde, stimmt gerade deshalb nachdenklich. Fragen werden wahrscheinlich erst nach dem Festival gestellt werden.
 
 
Der Marstall: Ein ganz eigener Ausdruck von außen...