Montag, 20. November 2017

Arndt: Tilgung des Namens ist Bilderstürmerei!

 
Greifswald / Groß Schoritz (SAS). Der Namensstreit um die Ernst-Moritz-Arndt-Universität geht in eine neue Runde. Nachdem die Namensablegung vom Januar 2017 ungültig war, brachten nun sechs Senatoren die Streichung des Namens von Ernst Moritz Arndt am 18. Oktober 2017 erneut ein. Vor dem Hauptgebäude der Universität demonstrierten zum gleichen Zeitpunkt etwa 150 Bürger gegen die Ablegung des Namens Ernst Moritz Arndt - des pommerschen Schriftstellers und Freiheitskämpfers.

Bereits zum Anfang des Jahres hatten die Wellen zu dem Thema hochgeschlagen, nicht nur in Greifswald sondern auch auf Rügen. Hier wurde der größte Sohn der Insel am 26. Dezember 1769 in Groß Schoritz geboren. Mit seinem Erbe setzt sich auch die in seinem Geburtshaus ansässige Arndt-Gesellschaft seit über 20 Jahren in Vorträgen, Beiträgen und Publikationen auseinander.
 
In einer uns vorliegenden Pressemitteilung bezeichnet sie den erneuten Versuch der Tilgung des Namens Ernst Moritz Arndts als Bilderstürmerei und erklärt: "Zivilcourage und die Bereitschaft, über den eigenen Tellerrand hinaus zu denken, sind aus Sicht der Arndt-Gesellschaf​t Merkmale, die begründen, dem streitbaren Politiker und Publizisten Ernst Moritz Arndt auch heute noch – nahezu 250 Jahre nach seiner Geburt - Respekt zu zollen." Stattdessen ist es aus der Sicht der Gesellschaft notwendig, dass man sich an seiner klaren, durchaus auch unbequemen Haltung reibt. Dabei setzt die Arndt-Gesellschaft auf Streit ohne Schweigen und ohne Vergessen. Außerdem stellt sie fest: "Im Namen moralischer Anständigkeit, auf Ernst Moritz Arndt zu verzichten, ist ideologische Bilderstürmerei.“
 
Mit dieser Einlassung geht die deutschlandweit ausgerichtete Gesellschaft nicht zuletzt auf den aktuellen Namensstreit der Greifswalder Ernst-Moritz-Arndt-Universität​ ein. Man sehe sich der Person Arndt als kritischem Geist verpflichtet, der unter Hinnahme persönlicher Konsequenzen zum Echolot in einer Phase des gesellschaftlichen Umbruchs wurde. „Uns geht es darum, eine vielfältige Debatte um das zu führen, was Demokratie in unser aller Alltag bedeutet. Wir sehen in Arndt einen Vorreiter, der uns beispielhaft zeigt, wie man zu einer eigenen Haltung im Strom der Zeit kommt.“
 
Die Arndt-Gesellschaft positioniert sich in der folgenden ungekürzten Erklärung:

DEM KRITISCHEN GEIST VERPFLICHTET
WIDER EIN VERGESSEN VON ERNST
MORITZ ARNDT
 
Ernst Moritz Arndt wollte wirken in seiner Zeit. Wir stehen dafür ein, uns auf sein Tun einzulassen und wo nötig auch mit ihm zu reiben.
 
Wie Arndt sich mit der Vielheit der unterschiedlichen deutschen Lande auseinander setzte, würde er heute seine Stimme sehr wahrscheinlich zum Prozess der europäischen Einigung erheben.
 
Wie er mit ausgeprägter Zivilcourage für Pressefreiheit eintrat, können wir ganz aktuell die Vielfalt kritischer Öffentlichkeit reflektieren.
 
Uns imponiert, wie Ernst Moritz Arndt unter Hinnahme persönlicher Konsequenzen zum Echolot in einer Phase des demokratischen Aufbruchs wurde.
 
Sein Ringen mit den Widersprüchlichkeiten einer Zeit des Übergangs kann ermutigen, die heutigen Herausforderungen als Chance zu selbstverantwortlichem Denken und Handeln zu begreifen.
 
Arndt war und ist kein reines Vorbild. Seine klare, durchaus auch unbequeme Haltung hilft uns jedoch, wie er stets über den Tellerrand lokaler Befindlichkeiten hinaus zu schauen, auch zu irren, und vor allem zu einer eigenen kritischen Haltung im Strom der Zeit zu kommen.
 
Wir pflegen eine Debattenkultur, die sich der Auseinandersetzung mit Ernst Moritz Arndt stellt – für einen engagierten Blick auf Welt- und Lebenssichten, die noch heute einen Anstoß geben, den jeweils eigenen Standpunkt ehrlich zu hinterfragen.
 
Das   ist   keineswegs   ein   auf   Einigkeit   getrimmter   Diskurs,   ein   auf   Zimmertemperatur eingepegelter Konsens kultureller Ebenheit. Das ist erfrischender Streit ohne Schweigen und ohne Vergessen.
 
In diesem Sinne erkunden wir als Ernst-Moritz-Arndt-Gesellschaft auf immer wieder neue Art, was   unser  Gemeinwesen   in   geschichtlicher,   literarischer  und   politischer   Hinsicht   mit   der Vergangenheit verbindet, um die Zukunft zu meistern.
 
Wer heute im Namen moralischer Anständigkeit auf Ernst Moritz Arndt verzichten will, wer den Namen tilgt, profiliert sich vor diesem Hintergrund allenfalls als ideologischer Bilderstürmer.
 
Dem halten wir entgegen, sich im Bewusstsein eigener innerer Freiheit den multiplen Fragen unserer Zeit zu stellen.  Solche keineswegs selbstverständliche Freiheit fußt auf  kritischen Geistern, wie Ernst Moritz Arndt ganz sicher einer war.
 
Der Vorstand der Ernst-Moritz Arndt Gesellschaft
 
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