Samstag, 25. November 2017

Dr. Fritz Petrick über Rügens "Preußensäulen"

Die Arndt-Gesellschaft traf sich diesmal im Arndt-Museum. Zu Gast: Dr. Fritz Petrick
Garz (SAS). Selten haben Bauwerke der Insel die Gemüter der Rüganer mehr nach 1989 bewegt als die "Preußensäulen". Entsprechend war die Resonanz auf die Ankündigung eines Vortrages von Dr. Fritz Petrick zu den Baudenkmälern, die seit 2012 bzw. 2015 auch wieder Seglern als sehr schöne Landmarken zur Orientierung dienen. Am Sonnabend, den 25.11.2017, hatte die Arndt-Gesellschaft in das Arndt-Museum nach Garz geladen. Mit dem Gast hatte man - so Dr. Sven Wichert, Vorsitzender der Gesellschaft - es zudem mit einem profunden Kenner Pommerscher und Rügenscher Geschichte zu tun. Letztere umriss er zudem bereits in fünf Bänden zur Rügenschen Geschichte.


Gleich zu Beginn - gegen 15.00 Uhr - kam Dr. Fritz Petrick auf einige Besonderheiten zu sprechen. So finden sich mit den "Preußensäulen" auf der Insel Rügen nicht nur die einzigen Siegessäulen an der pommerschen Küste sondern auch zwei der wahrscheinlich Ältesten in Deutschland. Errichten ließ sie der preußische König Friedrich Wilhelm IV. in Erinnerung an seine Vorfahren, denn der Große Kurfürst landete 1678 bei Neukamp auf der Insel und der preußische König Friedrich Wilhelm I. - der Soldatenkönig - landete mit seinen Truppen 1715 am Ufer von Groß Stresow. Allerdings vermied der Nachfahre dieser Monarchen interessanterweise zu erwähnen, dass man damals gegen die Schweden siegte und einer der Verbündeten - der dänische König Friedrich IV. - auch König von Norwegen war. Dr. Fritz Petrick erklärte dies mit dem Zeitpunkt der Errichtung der Säulen 1854 in Neukamp und 1855 in Groß Stresow. Damals waren die Preußen und die Schweden miteinander verbündet und Norwegen gehörte bereits zu Schweden. Irritationen sollten offensichtlich vermieden werden.

Anschließend warf Dr. Fritz Petrick einen Blick zurück in die Geschichte, als Dänemark und Schweden noch um die Vormachtstellung im Ostseeraum kämpften, um u.a den Handel zu kontrollieren. Dabei erklärte er anschaulich, dass Schweden sowohl sowohl über ein Heer als auch eine Flotte verfügte - im Gegensatz zu Dänemark, die lediglich über eine Flotte verfügten und in den Brandenburgern (und späteren Preußen) ihren natürlichen Verbündeten fanden, der ein Heer hatte. Da die Brandnburger (und späteren Preußen) zu diesem Zeitpunkt auch keine Flotte hatten, war auch Dänemark für sie die erste Wahl. Für die Landungen ihres Heeres bedienten sie sich jedoch der Holländer, die in ihrem Auftrag Freibeuterei betrieben. Was auch erklärt, warum die historischen Darstellungen der Landung bei Neukamp von Holländern dokumentiert wurden. Immerhin setzte der Große Kurfürst dafür sogar etwa 300 Schiffe ein, die 8 seiner Kompagnien an die Südküste Rügens brachten, nachdem man zunächst einen Scheinangriff auf Palmer Ort vollzogen hatte, um die Schweden hier ihre Truppen konzentrieren zu lassen.

Lange Zeit war übrigens gerade der örtliche Landungspunkt des Großen Kurfürsten umstritten. Das es sich dabei um die Muglitzer Schanze handelte, wurde erst später - im Vorfeld der Aufstellung der Siegessäulen - herausgearbeitet. Der Spiritus Rector für dieses Unterfangen sah Dr. Fritz Petrick in Kurd von Schöning. Wobei von Schöning durchaus von eigenen Interessen angetrieben wurde. Schließlich war einer der Vorfahren des Generalmajors und Militärhistorikers selbst bei der Anlandung des Kurfürsten zugegen gewesen. Allerdings ließen sich zunächst nur schwer Nachweise für die Anlandung an der heute bekannten Stelle finden. Hinweise gab es jedoch bereits durch Ernst Heinrich Wackenroder, der in "Altes und Neues Rügen" als eine der wenigen Abhandlungen die Landung des Großen Kurfürsten an der Südküste Rügens streifte. Weiter vorangetrieben wurde die Nachforschungen dann jedoch durch einen Rüganer: Julius von Bohlen. Er erklärte in seinen Niederschriften Neuen Camp zum Ort der Anlandung des Großen Kurfürsten und gab sogar noch eine erklärende Zeichnung seiner Beschreibung bei. Allerdings handelte auch er nicht ohne persönliche Motivation. Auch sein Vorfahr Henning Bohlen von Bohlendorf war damals in die Ereignisse verwickelt und traf an dem erforschten Ort auf den Großen Kurfürsten.

Nachdem nun Neuen Camp (heute Neukamp) durch von Bohlen und Stresow durch die Hagenowsche Karte klar bestimmt waren, schenkte der Fürst zu Putbus seinem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. das Gelände zur Errichtung der "Preußensäulen". Dieser ausgesprochene Rügen-Fan, der regelmäßig auf der Insel (oftmals in Putbus) weilte, ließ schließlich die entsprechenden Schritte einleiten. Die in Auftrag gegebenen Denkmäler gehen - so Dr. Fritz Petrick - auf den Architekten Friedrich August Stüler zurück. Während die Postamente beider Siegessäulen durch Putbusser Maurer errichtet wurden, brachte man den Granit aus Nardevitz - einer Örtlichkeit, die sich ebenfalls im Besitz des Putbusser Fürsten befand - zu den Bauplätzen nach Neukamp und Groß Stresow. Ein riesiger Jasmunder Findling hatte das Material geboten, welches nun für die Trommeln der Säulen verwendet wurde. Die Abbilder indes schuf der Bildhauer Wilhelm Stürmer aus sächsischem Sandstein. Sie haben eine übermenschliche Größe von 3,40 Metern und stehen auf Kapitellen, die die Säulen, welche aus dem Jasmunder Findling gehauen wurden, bekrönen.

Natürlich wurde bei dem Vortrag auch auf die beiden Anlandungen in ihrem historische Zusammenhang sowie die Gebietszugewinne und -verluste für Preußen eingegangen. Ebenso wurden letztlich Fragen aus dem Publikum ausführlich beantwortet. Deren inhaltliche Wiedergabe würde allerdings den Rahmen dieses Artikels sprengen. Die etwa 40 Gäste der Arndt-Gesellschaft haben alles in allem einen sehr interessanten Vortrag zu den "Preußensäulen" auf Rügen gehört, der durchaus die eine oder andere inhaltliche Überraschung bereit hielt.

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