Dienstag, 7. November 2017

Rückblick auf einen pommerschen Künstler


"Die Welt ist eben viel zu groß und ein Mensch viel zu klein,
als das er alles darauf verstehen und schön finden kann."
 
(Helmut Maletzke)
 
Greifswald. (SAS). Der pommersche Künstler Helmut Maletzke starb am Sonntag, den 15. Oktober 2017. Hinter ihm lag ein ereignisreiches Leben. Geboren am 8. Oktober 1920 auf dem pommerschen Festland in Neustettin, wuchs er in Kolberg auf. Nach dem Krieg, in dem er mehrfach verwundet wurde, wandte er sich der Kunst zu. So wurde er in Greifswald, wo er bereits während seiner Lazarettzeit Jura studiert hatte, Mitglied der ersten Greifswalder Künstlergruppe nach dem Krieg - "Die Buhne". Sie organisierte nach dem Krieg in der Universitätsstadt wieder Ausstellungen.

Zunächst als freischaffender Künstler und wissenschaftlicher Zeichner tätig, wurde er 1950 Mitglied im Verband Bildender Künstler (VBK). Anschließend besuchte er Seminare und studierte bis 1957 Kunstgeschichte am Caspar David Friedrich Institut der Universität Greifswald. Künstlerisch wandte er sich in dieser Zeit der Kunst am Bau zu. Dabei kam es zu Konflikten mit Kulturfunktionären und Einschränkungen. Am 7. Februar 1972 erfolgte ein Verbot der weiteren Arbeit durch den Zentralvorstand des VBK wegen "Verbildung des Bewusstseins der Menschen".
 
Maletzke wandte sich fortan der Ölmalerei zu. Einen Resonanzraum dafür bot ihm die Evangelische Kirche, die Ausstellungen - u.a. in Stralsund, Jena oder Magdeburg - ermöglichte. Diese Verengung löste sich erst mit dem Fall der Mauer und dem Ende der DDR. Nun erhielt Helmut Maletzke Einladungen nach New York, Los Angeles, Paris oder St. Petersburg. Dieses "zweite Leben" wirkte sich auch auf andere Künstler aus. So wurden Vereinigungen bildender Künstler, wie der Pommersche Künstlerbund und "Die Buhne", wieder belebt. Die Greifswalder Kunsthalle "Pommernhus" bot zudem mit der Interart nicht nur die Möglichkeit zur Begegnung mit internationalen Künstlern, sondern etablierte sich auch zu als Treffpunkt und war einer der kulturellen Höhepunkte der Universitätsstadt.
 
Ein weiteres Thema - die Ehrung von Caspar David Friedrich - wurde nach mehreren Anläufen auf privater Ebene - auch durch die 2004 gegründete Helmut-Maletzke-Stiftung - vorangetrieben. Das Denkmal des pommerschen Malers, der auf Rügen wegen seiner Darstellung der Insel verehrt wird, wurde am 170. Todestag Caspar David Friedrichs - am 8. Mai 2010 feierlich eingeweiht. Geschaffen hatte es der Lübecker Künstler Claus Görtz.
 
Im gleichen Jahr erschütterte ein Bericht des Norddeutschen Rundfunks (NDR) das Leben von Helmut Maletzke. Am 8. Oktober 2010 - dem 90. Geburtstag des Künstlers - berichtete die Landesrundfunkanstalt über die Verbindung zum Ministerium für Staatssicherheit (MfS). Eine zum Jubiläum Helmut Maletzkes geplante Ausstellung im Greifswalder Rathaus wurde daraufhin vom Oberbürgermeister Arthur König (CDU) abgesagt. Und auch der Pommersche Künstlerbund e.V., dessen langjähriger Vorsitzender er von 1997 bis 2002 war, distanzierte und trennte sich schließlich 2011 von ihm. Helmut Maletzke selbst begann mit einer eigenen Aufarbeitung in dem Buch "Befragte Vergangenheit" - wo er seine Sicht auf die Geschehnisse niederschrieb.
 
Zum Gedenken an den Träger des Pommerschen Kulturpreises (1996) und das Ehrenmitglied des Verbandes Deutscher Schriftsteller (VDS) findet am Freitag, den 10. November 2017, um 12.00 Uhr eine Trauerfeier in der Greifswalder Marienkirche statt, wo er 1985 selbst eine Gedenktafel an die im zweiten Weltkrieg Gefallenen und ein Mahnmal gegen den Krieg schuf. Im Anschluss erfolgt die Urnenbeisetzung.