Donnerstag, 23. November 2017

Rügen-Tourismus: Nicht reden, handeln!

Nach über 200 Jahren: Kein Abstieg mehr am Königsstuhl?
Lohme / Sassnitz (SAS). Der Königsstuhl ist zweifellos das Wahrzeichen der Insel. Er war Anlass für Legendenbildungen und Anziehungspunkt für Millionen von Gästen, die im Laufe von zwei Jahrhunderten diesen wohl bekanntesten Aussichtspunkt der Insel besuchten. Ein Abstieg zum Strand - der regelmäßig erneuert wurde - war Teil der Erlebniskultur und begründet bis heute den legendären Ruf des Königsstuhls. Denn nur so kann man erahnen, was dazu gehörte, um - nach einer der Überlieferungen - zum "König der Insel" zu werden...

Heute nicht mehr möglich, was jahrhundertelang ging?
Das ein umgestürzter Baum - kein Kreideabbruch! - im Frühjahr 2016 zur Sperrung des Abstiegs führte, könnte vielleicht für kommende Generationen das Zeug zu einem lokalen "Treppenwitz" haben. Denn: Beschädigt wurden dabei lediglich 12 Absätze. Heute wird so etwas allerdings zu einem K.O.-Kriterium. Nur ein paar Wochen später erklärte bereits Dr. I. Stodian, Dezernent für den Nationalpark Jasmund, dass eine Reparatur aus Sicherheitsgründen nicht möglich wäre. Schließlich müssten ein paar Meter vom zerstörten Treppenteil angepasst werden - die Kosten dafür schätzte man auf etwa 310.000,- Euro. Doch statt eines Provisoriums favorisierte das Umweltministerium des Landes dann sogar einen kompletten Neubau. Dafür sollten Mittel aus einem EU-Programm bereit gestellt werden. Jedoch müsse man zuvor eine Machbarkeitsstudie anfertigen. Erst zum Jahresende 2016 wurde dann öffentlich, dass der Auftrag für eine solche Studie nie ausgelöst wurde. Begründung: Es werde noch ergebnisoffen geprüft, inwieweit eine Machbarkeitstsudie gerechtfertigt sei. Damit stand auch für den Dezernenten des Nationalparks Jasmund, Dr. I. Stodian, fest, dass ein Abstieg für 2017 nicht kommen wird, mehr noch: Es stelle sich die Frage, ob ein Neubau "in dem naturräumlich und geologisch äußert schwierigen Gebiet" überhaupt möglich sei...

Der Abstieg spielt(e) als Teil der Erlebniskultur eine Schlüsselrolle
Dass der Abstieg am Königsstuhl eine zentrale Rolle für die Besucher des Königsstuhls spielt(e), steht außer Frage.  Vielleicht haben gerade deshalb viele Rüganer zu Recht in Richtung der "Inselexperten" geschaut, denn als Vermarkter der Insel, hätte man hier durchaus Widerspruch erwarten dürfen. Doch hier war man - nach den Worten des Vorsitzenden des Tourismusvereins Rügen, Knut Schäfer - gerade gescheitert. Ausgerechnet in dieser Situation ist der Tourismus auf Rügen in eine ergebnisoffene Selbstfindungsphase eingetreten. Aber kann sich Rügen das leisten?
Das nun eine Petition für den Erhalt des Abstiegs am Königsstuhl von mündigen Bürgern gestartet wird, ist angesichts des Ausfalls von öffentlich-rechtlichtlichen Institutionen und touristischen Leistungsträgern begrüssenswert und nur folgerichtig. Die Bürgerinitiative "Bewahrt Lohme" wird dabei vom Verein Kreideheilbad Sassnitz unterstützt. Nun kommt es auf die Rüganer an. Nicht reden, handeln!  


Blick auf die Ostsee von oben
 Zum Vergrößern oder Ausdrucken (Größe DIN A4) bitte anklicken:
Petition mit Unterschriftenliste