Dienstag, 21. November 2017

Unsere Inselfilme: "Im Sonderauftrag" (1959)

Programmheft-Titel zum Film "Im Sonderauftrag"
Rügen. (IF) Seit über 100 Jahren werden Filme auf den Inseln Rügen und Hiddensee, sowie in der Hansestadt Stralsund gedreht wurden. Wir rufen einige von ihnen wieder in Erinnerung...

Die ersten Ideen für den Spionagefilm „Im Sonderauftrag“ stammen von Hans Oliva-Hagen, dem Vater der Sängerin Nina Hagen. Schon im ursprünglichen Plot werden die Ereignisse des Films auf eine einzige Nacht konzentriert.
Bedingt durch die Gründung der NVA am 1. März 1956 rückten allerdings die Seestreitkräfte der DDR in den Bezug der Handlung: Dabei kreuzt einen Minenräumkommando unter dem Befehl von Kapitänleutnant Fischer, gespielt von Hans-Peter Minetti, vor Arkona. Der Minenräumdienst – immerhin kurz nach dem zweiten Weltkrieg nicht ungewöhnlich – erhält den Auftrag einen westdeutschen Kutter aufzubringen, der in das Hoheitsgebiet der DDR eingedrungen ist. Dessen Kapitän ist Arendt, gespielt von Rolf Ludwig.

Beide Männer – Fischer und Arendt – kennen sich noch aus ihrer Zeit bei der Wehrmacht. Damals waren sie in Dänemark Zeugen, als ihr Batteriechef hingerichtet wurde, weil er eine Widerstandsgruppe unterstützt hatte. Arendt nahm später dessen Platz ein. Fischer stand zu diesem Zeitpunkt zwischen Pflicht und Gewissen, entschied sich jedoch letztlich die Widerstandsgruppe zu warnen, dass sie aufgeflogen war.

Nun - Jahre später –  begegneten sich die beiden Männer also wieder. Und das, obgleich Fischer geglaubt hatte, Arendt wäre damals umgekommen. Die Durchsuchung des Kutters und ein Verhör des ehemaligen Oberleutnants Arendt bringen zunächst keine weiteren Erkenntnisse. Dennoch hat die Besatzung des Minenräumkommandos eine Idee: Durch eine List weiß sie das Ausspionieren eines DDR-Militärobjektes an der Küste zu verhindern. Nun - nach dem Einsatz – kommt in Fischer der Verdacht auf, dass auch früher irgend etwas nicht gestimmt hat. Fischer informiert seinen Vorgesetzten und tatsächlich: Arendt war in Wirklichkeit SS-Obersturmführer und verriet 1943 den eigenen Batteriechef. Eine Untersuchung des von Fischers Leuten besetzten Kutters bringt eine weitere Überraschung: Es finden sich Fotografien von DDR-Einrichtungen... 

Die Handlung vollzog sich weitestgehend auf MLR Magdeburg 6-45 unter dem Kapitänleutnant Klaus Lasch und war für die Besatzung, die während der Dreharbeiten enger zusammen rücken musste, eine willkommene Abwechslung. Der für den Arbeitstitel „Der Kommandant“ Regie führende Heinz Thiel sollte noch viele weitere politische Filme realisieren. Der ehemalige Journalist war während des Krieges in einer Propagandakompanie eingesetzt und kam 1954 zur DEFA, woher zunächst als Regie-Assistent begann. Zu den bekanntesten Werken gehören die Folgen der „Stacheltiere“.

Russische Ankündigung des Films (Repro)
 
Unsere Inselfilme in chronologischer Reihenfolge ihrer Entstehung: 
"Pro Patria" (1910) / "F.P. 1 antwortet nicht" (1932) / "Lügen auf Rügen" (1932) / "Der Dschungel ruft" (1936) / "Brand im Ozean" (1939)"Geheimakte W.B. I. (1941) / "Das Mädchen von Fanö" (1941) / "Schatten über den Inseln" (1952) / "Genesung" (1955)"SAS 181 antwortet nicht" (1958) / "Im Sonderauftrag" (1959)"Hatifa - Abenteuer einer Sklavin" (1960) / "Ein Sommertag macht keine Liebe" (1960) / "Leuchtfeuer über Schnee und Eis" (1963) / "Die Hochzeit von Länneken" (1964) / "Die Reise nach Sundevit" (1966) / "Mitten im kalten Winter" (1968) / "Die Heiden von Kummerow" (1968)"Heißer Sommer" (1968) / "Suse, liebe Suse" (1975)"Tambari" (1976) / "Hiev up" (1978) / "Vergeltung" (1980)

Wir danken für die Unterstützung:
der DEFA-Stiftung, dem Deutschen Rundfunkarchiv (DRA),
dem Rügener Filmarchiv, dem Studio Hamburg, der ARD und dem ZDF