Dienstag, 28. November 2017

Zwei ungeliebte Filme?

Im letzten halben Jahr gewann unser Zeitschrift einen kreativen Kopf dazu, der gleich auf mehreren Positionen für unser Medium eine echte Verstärkung geworden ist: Klaus Ender. Zugegeben, dass er als Art Photograph in Akt und Landschaft zu Hause ist, wussten wir. Unsere Aufmerksamkeit erregte er im Sommer 2017 allerdings mit einem kritischen Beitrag zum Kahlschlag auf unserer Insel - es war der Startschuss für seine Mitarbeit. Seine nun folgenden Artikel und Gedichte erhielten bei uns einen neuen Resonanzboden.
 
Allerdings gab es auch Dinge, die uns bis heute nachdenklich machen. Sicher wissen viele unserer Leser, dass wir uns auch mit Filmen, die auf der Insel gedreht wurden, beschäftigen. Bei einigen - sowohl Dokumentarfilmen als auch Spielfilmen - handelt es sich für unsere Leser um wahre Perlen. Waren sie doch in Archiven in Vergessenheit geraten und mussten erst wieder gehoben werden. Einer dieser Filmstreifen hätte dabei "Ein Mann der Bilder fühlt" sein können, wenn er nicht - nach Klaus Enders Ausreise in den Westen - vernichtet worden wäre. Es war eine Hommage an den feinsinnigen Rügener Fotoggrafen Klaus Ender und hätte heute eine wertvolles Zeitdokument sein können. Nur damals war Klaus Ender zur Persona non grata erklärt worden, seine Spuren sollten gelöscht werden.
Umso bedauerlicher ist es, dass es seither gleich mehrere Versuche verschiedener Regisseure für einen zweiten Film über sein Leben gab. Leider scheiterten diese alle bereits im Vorfeld durch die staatliche Filmförderung. Deshalb gibt es auch immer wieder Stimmen, die meinen, dass Klaus Ender einfach immer noch zu unbequem und zu kritisch, sei. Wenn dies wirklich die Ursache sein sollte, wäre es jedoch schade, dass man sich heute davon leiten ließe, denn das Leben von Klaus Ender entspricht der klassischen 3-Akte-Struktur für die Dramaturgie.
 

Der 1. Akt - DDR (1966-1981)
Geboren in Berlin, entwurzelt als Flüchtling aus dem Warthegau, begeht er mit 18 Jahren 1957 Republikflucht. Am Bodensee erhält er nach 2 harten Jahren endlich seinen Gesellenbrief. Er ist Bäcker. Doch von seinem ersten Gesellenlohn kauft er sich in fünf Raten eine Kamera. Mit Gesellenbrief und Kamera kehrt er in die DDR zurück, gründet den Fotoklub Sassnitz, wird Volkskorrespondent der Ostsee-Zeitung und arbeitet besessen an seiner autodidaktischen Karriere als Fotograf. 1963 erscheint sein erstes Bild landesweit im "FOTOKINOmagazin" und 1965 werden seine ersten 3 Bilder in der Zeitschrift "DAS MAGAZIN" veröffentlicht, arbeitete als Bildreporter für etwa 50 Verlage und erhielt 1979 den Titel ARTISTE FIAP vom Weltverband der Kunstfotografie... Dann folgt eine Grundlegende Wendung und der Übergang zum 2. Akt: 1981 siedelt er - möglich ist dies durch seinen Vater - nach Österreich über.

 
 
Der 2. Akt - Österreich (1981-1996)
In Österreich wird er Bild-Autor von 12 Büchern, publizierte viele Beiträge in Foto-Fachzeitschriften wie "Color-Foto" oder "PHOTOGRAPHIE", arbeitete für Firmen wie Leica, Zeiss, Cokin/Paris u.a. Firmen. Er belegte 1989 beim jährlichen "World-Travel Market" in London den 1. Platz und damit den "Tourism Poster of the Years"; es war der einzige Preis, der nach Europa ging - und zum 2. Mal in 125 Jahren "Vorarlberg Tourismus" von einem Österreicher gewonnen wurde. Das lässt sogar den "Bayerischen Rundfunk" in Österreich anrufen und zum Gewinn dieser "Weltmeisterschaft" gratulieren. Eine Einladung zur beliebten Rundfunk-Sendung "Bodenseexpress" mit den Interview-Gästen Fritz Webber und Klaus Ender folgen... Dann kommt es zum zweiten Mal zu einer grundlegenden Änderung durch die Rückkehr Klaus Enders mit seiner Frau nach Rügen.
 
 
Der 3. Akt - Deutschland (ab 1996)
Ab 1996 lebt Klaus Ender wieder auf der Insel Rügen. Im Jahr 2003 erhielt er die Diagnose Parkinson und er beschloss, sein zu kurz gekommenes Hobby Gedichte zu verfassen neu und intensiv auszubauen. Der Erfolg war groß, so dass dieser 1. Bild-Gedicht-Band "RÜGEN - POESIE EINER INSEL" inzwischen in 3 Auflagen verkauft wurde... Fragen und Probleme des ersten Aktes werden im 3. Akt gelöst.
 
Das das Leben von Klaus Ender einer klassischen Regiearbeit folgte, ist sicher ungewöhnlich, zeigt allerdings auch, wie sich sein Leben für eine filmische Umsetzung geradezu anbietet. Die Lösung der Fragen und Probleme aus dem ersten Akt fixieren sich örtlich klar auf die Insel Rügen - wo er als zweifacher Flüchtling seinen Ruhepunkt finden möchte. Zu dieser Insel hat Klaus Ender bereits im 1. Akt eine ganz eigene Beziehung aufgebaut. Die Rückkehr und die sich mit ihr verbindende Erinnerung - auch an den Anfang seiner autodidaktischen Karriere - lässt ihn um so stärker für deren Erhalt - gerade in Bezug auf die Natur - kämpfen. Er findet sich im 3. Akt als Bewahrer der Insel wieder, so, wie sie ihm noch vertraut aus seinen Erinnerungen ist. Mit seinen Bildern will er die Seele für die Schönheit und Natürlichkeit von Mensch und Natur öffnen, aber auch die Welt aus einem anderen Blickwinkel zeigen. In dem Weg zur Natur sieht er den Weg zu sich selbst. Diesen spiegelt er gern - in Büchern, Karten und Kalendern.
 
Davon kann man sich im Inselgenuss Bergen übrigens selbst ein Bild machen oder in einer seiner Ausstellungen - wie die noch bis zum 11. Februar 2018 laufende "Akt & Landschaft" in Lübbenau. Vielleicht auch bald in einem Film. Sein Titel? "Der Mann der Bilder fühlt" - vielleicht mit dem Untertitel: "Ein Leben in 3 Akten".

Aktuelle Pressestimmen zum Rügener Fotografen und Autor Klaus Ender:
"Schön, dass sich die Zeiten nicht ENDERn"  (29.11.2017)
(Berliner Kurier)
"Akt und Landschaft - Klaus Ender Fotografien im Lübbenauer Spreewald-Museum" (28.10.2017)
(Niederlausitz aktuell)