Sonntag, 31. Dezember 2017

Der "Olljahrsabend" und die alten Bräuche

Abbacken für ´s neue Jahr
Der letzte Tag des Jahres - der in "Die Zwölften" fällt - ist auf Rügen auch als "Olljahrsabend" bekannt. Von dem Rüganer und Heimatforscher Prof. Dr. Alfred Haas wissen wir heute, dass - als volkstümlicher Brauch auf der Insel - vor allem das "Abbacken" eine lange Tradition hat. Haas beschrieb dies so:

"Nur am Silvesterabend muss der Herd "abgebacken" werden, weil sonst die Unterirdischen im kommenden Jahr im Haushalte mitessen. Ein Arbeitsmann in Patzig sagte zu seiner Frau, die am Silvesterabend kein Mehl zum Backen hatte: "Backen müsst du, un wenn du ok bloß Schiet und Dreck tosamenrührst!"
 
Dieses starke Verwurzelung des pommerschen Brauchtums beschäftigte selbst die protestantische Kirche im 16. Jahrhundert, die darin ein "godtloses, Unordentliches wesen" zu erkennen glaubte. Dagegen wandte sich übrigens sogar der Stralsunder Bürgermeister und Protestant Franz Wessel ganz offen. Er beurteilte das "Herd-Abbacken" als so umfangreich, dass die ganze Nacht davon gegessen würde. Als klassisches Gebäck galt damals übrigens Hefegebäck, dass kurz "Niejohr" oder "Niejorkes" genannt wurde. In diesem Zusammenhang wurde auch auf Rügen der "Nijohrswulf" bekannt - ein etwa 15 bis 20 cm langer Kuchen, der - wie heute unsere Pfannkuchen - mit Marmelade gefüllt wurde.
 
Neben dem schon damals beliebten Vertreiben von Geistern durch lautes Knallen wurden einige weitere Rituale sorgsam gepflegt: So ist bekannt, dass zu den pommerschen Bräuchen auch das Verfüttern von Pfefferkuchen an die Tiere gehörte, damit diese im neuen Jahr gesund bleiben sollten. Dies gipfelte zuweilen darin, dass der Hahn einen Schnaps bekam und dem Ganter bei Gänseherden ein Fingerhut mit Branntwein verabreicht wurde. Auch im Sinne des Glücks für das Folgejahr stand der Brauch der Rüganer ihre Fischerboote mit Punsch zu bespritzen. Der Gedanke all dieser überlieferten Praktiken lässt sich indes so zusammenfassen: Man wollte den Menschen und seinem Lebensbereich an den Segnungen des neuen Jahres teilhaben lassen.
 
Heute muss es kein Hefegebäck sein, es reicht auch ein Blechkuchen