Donnerstag, 21. Dezember 2017

Spur der Steine

Foto des Künstlers von der Plastik nach der Aufstellung
Ein Beitrag von Norbert Dahms

Dies ist, auch wenn es vielleicht nach einem bekannten Film klingt, keine Filmvorstellung. Wir wollen euch eine fast schon vergessene Plastik, welche auf dem Gelände des Fährhafen ihr Dasein fristet, in die Erinnerung zurückholen. Derzeit liegt die Plastik seit über 25 Jahren vor dem ehemaligen ZDG (Zentrales Dienstgebäude) der Bahn.

Doch lassen wir den Künstler und Bildhauer Reinhard Buch einfach mal selber dazu sprechen: "Ich habe die Plastik 1986-90 für den Fährhafen Mukran geschaffen. Sie trägt den Titel: " zwei lagernde Formen " und ist aus Postaer Sandstein. Die  figürlichen Formen sind eine Metapher  für die Rügener Landschaft, die Segmentierung verweist auf Containerbetrieb, kann aber auch als Einschnitt in die Landschaft verstanden werden. Die Skulptur lebt vom Gegensatz der natürlichen sinnlichen und geometrischer Formen."
Foto vom Modell
Und genau in der Aussage des Künstler liegt der Bezug in die Gegenwart und Zukunft. "...kann auch als Einschnitt in die Landschaft verstanden werden." Die Eingriffe in die Landschaft der Insel werden von ihren Einwohnern in der letzten Jahren als immer verheerender wahrgenommen.

Der Bildhauer Reinhard Buch ist den Einwohnern von Sassnitz bestimmt kein Unbekannter. Eine seiner Marmorstelen wurde 1993 in der Altstadt Sassnitz auf der Treppe zwischen Ufer- und Böttcherstraße aufgestellt.

Aber auch seine Leuchtstelen in der Langen Straße in Rostock, welche die ehemaligen Straßenzüge symbolisieren stammen aus seiner Werkstatt, wie auch weitere Arbeiten

Mit dem politischem Umbruch kam es auch zu schwierigen Zeiten für Künstler und Ihre Kunst. Reinhard Buch hatte da etwas mehr Glück. Er scheibt: "Der Auftraggeber war damals VEB Deutfracht/Seereederei Rostock. Der Auftrag wurde vom VBK in Rostock vermittelt. Im Vorfeld fand eine Ideensichtung durch eine Arbeitsgruppe Kunst am Bau statt, die dem Büro für baugebundene Kunst in Rostock angesiedelt war. Meine Idee wurde zur Realisierung vorgeschlagen. Als die große Arbeit fertig war, ist mir durch die politischen Ereignisse um ´89  der Auftraggeber "abhanden gekommen". Der Rechtsnachfolger vom Fährhafen Mukran- die Deutsche Bundesbahn- übernahm die Kosten für die Aufstellung und die Zahlung der letzten Rate- zu meiner großen  Erleichterung."

Doch mit seiner letzten Aussage steht der Künstler Reinhard Buch nicht ganz allein da:

"Die bauliche Umgebung am Standort war und ist schlecht. Über einen besseren Standort würde ich mich freuen. Leider ist das letzte Segment der oberen Reihe der liegenden Figur abhanden gekommen. Vielleicht können Sie in Ihrer Veröffentlichung darauf hinweisen und es meldet sich ein ehrlicher Finder."

Was liegt näher als die Plastik einem breitem öffentlichen Publikum zugänglich zu machen? Dies könnte zum Beispiel dadurch geschehen, indem die Plastik nach Sassnitz geholt werden. Denkwürdige Plätze gibt es viele dafür. Der Rügenplatz, der Heimattiergarten oder aber neben dem Molenfußgebäude. Für die Umsetzung finden sich bestimmt auch Sponsoren und
der Steinmetz und Steinbildhauer Friedrich-Walter Beckmann als damaliger Aufsteller weiß bestimmt noch wie es geht.

An der Stadt selber kann es ja nicht liegen, denn die Fährhafen Sassnitz GmbH ist der jetzige Eigentümer dieser Plastik. Folgen wir also der Spur der Steine.

Mehr Informationen zum Bildhauer Reinhard Buch

Foto eines Teils der Plastik