Montag, 25. Dezember 2017

Unsere Inselfilme - Das Schauspiel-Schloß (1)

 
Das „Studio 48“? Was sollte das gewesen sein? Überregional aufgefallen war die gleichnamige Gruppe junger Schauspieler vielleicht erstmals beim Pfingstreffen der FDJ im Jahre 1950. Sie wurde sogar ausgezeichnet. Was viele dabei bis heute nicht wissen: Sie gehörte zur Staatlichen Schauspielschule in Schwerin. Allerdings war ihre Spiel- und Probestätte das Schloss zu Putbus auf der Insel Rügen. Einige von ihnen sollten später noch populär in der DDR werden - doch dazu später.

Nach außen war die Sache klar: Man wollte, nach dem Krieg auch in Vorpommern neue Wege gehen. Gemeinsames Schaffen, gemeinsames Erleben. Dabei sollte es keine Stars und keine Statisten mehr geben – nur noch Schauspieler und das Stück, so der künstlerische Ansatz. Und als Vorbild dafür hatte man sich Stanislawski (Константин Сергеевич Станиславский / Алексеев: 1863-1938), den „großen sowjetischen Künstler und Erneuerer des Theaters“, erwählt. Der Theaterreformer galt als Anhänger des Naturalismus. Seine Methode gab das Leitbild vor: Echtes Erleben lehren und Erleben als Voraussetzung künstlerischer Gestaltung. Ziel ist es dabei sich dem menschlichen Ausdrucks- und Kommunikationsverhalten durch Beobachtung und Nachahmung anzunähern. 
 
Hansjoachim Beygang beim Entwurf für die Kostüme
Stanislawski galt jedoch auch in der Sowjetunion als nicht unumstritten und gleiches lässt sich heute sicher auch vom "Studio 48" sagen. Hansjoachim Beygang, der damalige Dozent und Leiter ist jedoch von Anfang an um eine wohlwollende Außendarstellung bemüht gewesen, weshalb er für eine Illustrierte schon mal die Theaterschüler zu einer Morgengymnastik auf der grünen Wiese vor dem Schloss Aufstellung nehmen ließ. Das Botschaft ist klar: Nur in einem Körper steckt auch ein gesunder Geist. – Das klingt nu wieder gar nicht neu. Die Künstler hatten sich jedenfalls nach dem Ende des zweiten Weltkriegs im vernachlässigten Schloss Putbus eingerichtet.
 
Auf dem "Sonnendeck" von Schloss Putbus
Dort entstehen natürlich auch die Ideen zu den Kostümen für die ausgesucht schönen Gestalten. So beispielsweise für eine von Aristophanes bekannten Komödien: „Lysistrata“. Im Stück geht es übrigens um den Kampf einiger Frauen gegen die Männer als Verursacher von Krieg und allen damit verbundenen Leiden. Beygang fährt mit ein paar Strichen über das weiße Papier und lässt sie Stück für Stück Gestalt annehmen. Dann sucht man das notwendige Material aus den restlichen Beständen im Schloss und fertigt nach der Vorgabe Beygangs sogar die Kostüme selbst. Anschließend geht es auch schon los. Die Probe zum Stück. Entspannung finden die Theaterschüler dort, wo andere gerne Urlaub gemacht hätten, an den Stränden der Insel. Doch ihr „Sonnendeck“ ist das Schlossdach, von wo sich auch ein weiter Blick in ´s Land werfen lässt.
 
Unter den Theaterschülern sind u.a. Bert Brunn, Jürgen Frohriep, Roland Glandt, Anelene Hischer, Fete Pinow, Roma Ruland, Uschi Spieker, Harry Witt, Kleo und Heinrich. Was sie beispielsweise mit der Serie „Polizeiruf 110“ oder den Filmen „Spur der Steine“ und „Nackt unter Wölfen“ zu tun haben, sei jedoch dem zweiten Teil dieses EXTRAS der Serie "Unsere Inselfilme" vorbehalten.
 
Anprobe: Da geht auch der Leiter des "Studios 48" auf die Knie

Weitere Informationen zu bekannten Schauspielern:
Das Schauspiel-Schloß (1) / Das Schauspiel-Schloß (2) /
 
Unsere Inselfilme in chronologischer Reihenfolge ihrer Entstehung: 
"Pro Patria" (1910) / "F.P. 1 antwortet nicht" (1932) / "Lügen auf Rügen" (1932) / "Der Dschungel ruft" (1936) / "Brand im Ozean" (1939)"Geheimakte W.B. I. (1941) / "Das Mädchen von Fanö" (1941) / "Schatten über den Inseln" (1952) / "Genesung" (1955)"SAS 181 antwortet nicht" (1958) / "Im Sonderauftrag" (1959)"Hatifa - Abenteuer einer Sklavin" (1960) / "Ein Sommertag macht keine Liebe" (1960) / "Leuchtfeuer über Schnee und Eis" (1963) / "Die Hochzeit von Länneken" (1964) / "Die Reise nach Sundevit" (1966) / "Mitten im kalten Winter" (1968) / "Die Heiden von Kummerow" (1968)"Heißer Sommer" (1968) / "Suse, liebe Suse" (1975)"Tambari" (1976) / "Hiev up" (1978) / "Vergeltung" (1980) / "Die Männer der Emden" (2014)

Wir danken für die Unterstützung:
der DEFA-Stiftung, dem Deutschen Rundfunkarchiv (DRA),
dem Rügener Filmarchiv, dem Studio Hamburg, der ARD und dem ZDF