Dienstag, 12. Dezember 2017

Waterloo für Arndt-Gegner


Greifswald (SAS). Soll die pommersche Universität Greifswald den Namen des Rüganers Ernst Moritz Arndt weiter tragen oder nicht? Diese Frage erhitzt auch weiterhin die Gemüter in Greifswald und in Vorpommern. Am gestrigen Montag, den 11. Dezember 2017, teilte die Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald nun das Ergebnis einer Umfrage mit, die unter Studenten, Mitarbeitern und dem Senat durchgeführt wurde, um ein Meinungsbild zur Beibehaltung oder Ablegung des Namens Ernst Moritz Arndt zu erhalten.

Im Ergebnis hat sich eine deutliche Mehrheit von 48,66% aller Teilnehmer für die Beibehaltung des Namens von Ernst Moritz Arndt ausgesprochen. Für die Ablegung stimmten lediglich 34,38%. Weitere 15,47% gaben an, dass sowohl der Name "Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald" als auch die Bezeichnung "Universität Greifswald" für sie akzeptabel sei. An der anonymen Umfrage nahmen 32,7% der 15.149 teilnahmeberechtigten Mitglieder der Universität teil.


Das Meinungsbild offenbart, dass die Ablehnung des Namensträgers Ernst Moritz Arndt unter der Gruppe der Professoren am stärksten ist. Hier sprachen sich 48,11% (89 Teilnehmer) gegen Arndt aus, während sich 38,8% (71 Teilnehmer) für die Beibehaltung des Namens "Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald" aussprachen. 

In der Gruppe der akademischen Mitarbeiter ist das Meinungsbild gespalten. 42,11% (379 Teilnehmer) sprechen sich für die Bezeichnung "Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald" aus. 40,78% sprechen sich stattdessen gegen eine Beibehaltung des Namens "Ernst Moritz Arndt" aus. Bei der Gruppe der weiteren Mitarbeiter ist das Bild dagegen eindeutig: Hier stimmten 76,03% (666 Teilnehmer) für Arndt, 13,01% (114 Teilnehmer) gegen Arndt. Interessant ist auch das Abstimmungsergebnis der Studierenden: 43,24% (1293 Teilnehmer) von ihnen sprachen sich für Arndt und 37,86% (1132 Teilnehmer) gegen Arndt aus.

Die Umfrage wurde durch die Vertreter der wissenschaftlichen und der weiteren Mitarbeiter im Senat angeregt. Die Statusgruppenvertreter der Studierenden und Professoren haben sich diesem Wunsch in der Senatssitzung am 15. November 2017 angeschlossen. Zwar spiegelt die Umfrage das Meinungsbild in der Universität Greifswald wieder, sie hat jedoch für die Senatorinnen und Senatoren keine bindende Wirkung. Allerdings dürften die Befürworter einer Ablegung des Namens von "Ernst Moritz Arndt" damit zu der Erkenntnis gelangt sein, dass sie weder außerhalb noch innerhalb der Universität auf eine mehrheitliche Unterstützung zählen können. Auch ist es fraglich, wie die immer weiter aufgerissenen Gräben zwischen den beiden Lagern - außerhalb und innerhalb der Universität - je zugeschüttet werden sollen.

Der Beschluß des Hochschulsenats im Frühjahr 2017 zur Ablegung des Namens von "Ernst Moritz Arndt" durch die Greifswalder Universität war nicht rechstkonform.

Der "Kulturkampf" (wie ihn einige bereits nennen) tobt in der pommerschen Universitätsstadt bereits seit zwei Jahrzehnten. Hier prallten und prallen seither zwei Welten aufeinander: Auf der einen Seite u.a. die Einheimischen, deren Arndt-Bild zweifellos auch durch die DDR-Zeit geprägt wurde: Sie sehen in ihm heute einen Kämpfer gegen die Pfaffenherrschaft, die Pressezensur und die Leibeigenschaft, einen, der für die unabhängige Rechtssprechung, die allgemeine Schulbildung und für eine Zivilisten schonende Landkriegsordnung focht (die erst hundert Jahre später internationales Recht wurde), aber auch einen, der für die Einheit des Vaterlandes (gerade nach den Jahren der deutschen Teilung stand und steht) und noch dazu als Rüganer einer von ihnen ist. Auf der anderen Seite stehen die Gegner von Arndt, die in ihm einen Juden- und Franzosenhasser sehen. Beide Vorwürfe parierten Arndts Befürworter nicht durch Widerspruch, sondern indem sie ihn als ideale Reibungsfläche im Meinungsstreit - auch in der Gegenwart - sehen. Das ist kein Freispruch sondern der Aufruf zur Auseinandersetzung mit Arndt und seinem Werk. Die Ernst-Moritz-Arndt Gesellschaft hat dazu sicher einen wichtigen Beitrag geleistet. Dank ihrer Internetseite kann sich jeder selbst durch das Lesen von Briefen, der Bibliographie und von Auswahlliteratur ein umfassendes Bild vom Rüganer machen. Seine Streitbarkeit (er war schon zu Lebzeiten umstritten) ist jedoch für die Befürworter einer Beibehaltung des Namens Ernst Moritz Arndt durch die Universität kein Widerspruch.