Sonntag, 7. Januar 2018

Alle Jahre wieder...


Ein Beitrag von Hans Hegel

"Neues Jahr, neues Glück." sagt man. Ganz falsch ist es sicher nicht, denn irgendwie erwartet man das nun wieder die Karten neu gemischt werden, sich die eine oder andere Möglichkeit ergibt seine Stärken auszuspielen und damit vergessen macht, was im letzten Jahr gar nicht oder lediglich im Ansatz nach den eigenen Vorstellungen lief. Das mag auch viele Gäste die Insel getrieben haben, denn: Als sich das Jahr dem Ende zuneigte, quälten sich endlos lange "Blechlawinen" nach Rügen. Dabei ging es um weit mehr als das Verbringen des Jahreswechsels auf der Insel. Das jedenfalls versicherte mir ein Freund, den ich eher zufällig nach einer Ewigkeit in Sassnitz wieder sah.

So quälten sich die "Blechlawinen" zum Jahresende auf die Insel
Vor etwa 20 Jahren hatten wir eines der Fährschiffe bestiegen und fuhren für die Feierlichkeiten zum Jahreswechsel auf die Ostsee hinaus. Vor Sassnitz wurde dann der Anker geworfen und die Party konnte steigen. Es wurde ausgelassen gefeiert, getanzt (obgleich zwischenzeitlich sogar die Musik ausfiel) und wir schlenderten (mit in Rucksäcken geschmuggelten) Rotkäppchen-Flaschen über das Deck - so, als wollten wir damit der Frage Ausdruck verleihen wollen, was die Welt denn kosten würde? Das Feuerwerk über Sassnitz betrachteten wir eben aus jener - einmaligen Perspektive! - von See aus...

Bei dem diesigen Wetter am letzten Sonntag, der immer wieder von Regen begleitet wurde,  wäre ich fast an ihm vorüber gelaufen. Kein Wunder! Den Hals tief in den Mantel zurückgezogen und das Gesicht mit einem Regenschirm geschützt. So fiel es auch mir schwer, auf die anderen Passanten am Hafen zu achten. 
Romantische Abendstimmung bei Sehlen zum Jahresausklang
Er hatte inzwischen geheiratet, lebte schon lange in Berlin und war nun wieder nach Rügen gefahren. Einen glücklichen Eindruck machte er auf mich allerdings nicht. Seine Frau hatte auch wenig Interesse an dieser ungeplanten Begegnung; soviel war klar. Ohnehin fragte ich mich, was die beiden wohl verbinden würde? Haus, Auto, Kredite..? Das alles ließ sich mühelos auseinanderrechnen, denn Kinder hatten sie keine, wie er sagte. Und dennoch: Sie waren noch auf der Suche nach einer Geldanlage. Man hatte bereits Sellin, Binz und Prora besucht. Beim Besuch von Prora offerierte man ihnen wohl schon mal die erste Strandlage, die Förderung von Abschreibungsmöglichkeiten durch uns Steuerzahler sowie einen Seglerhafen, der ebenfalls auf Kosten aller errichtet werden sollte. Jedenfalls: Hier konnte man seine Geldanlage recht praktisch auf den Schultern vieler ermöglichen. 

Wir tauschten die Nummern aus und ich dachte mir: Vielleicht schickt er mal einen dieser üblichen Grüße zu Weihnachten oder Ostern. Doch es sollte anders kommen. Noch in der letzten Stunde des alten Jahres rief er kurz an. Hinter ihm lag ein Riesenkrach mit seiner Frau. Sie war weg und er wollte mir sagen, dass er sich gefreut hatte, mich wiedergesehen zu haben...
Blick auf den Sassnitzer Hafen am Silvesterabend
Irgendwie gab dies dem Jahreswechsel in diesem Jahr eine besondere Note. Ich nippte an einem Glas Rotkäppchen, betrachtete den Himmel, begutachtete das Feuerwerk und fragte mich, wieviel Geld wohl "Vater Staat" an diesem Jahreswechsel verdiente. Darauf geben Statistiken allerdings keine Antwort. In Sachen Sekt ist lediglich bekannt, dass der Staat 136,- Euro pro Hektoliter als Sektsteuer einnimmt; unabhängig vom Verkaufspreis. Dies sollte man nicht für Kleingeld halten, denn mit 400 Millionen Euro gilt die Sektsteuer, die 1902 zur Finanzierung der kaiserlichen Marine eingeführt wurde, als ein wichtiger Haushaltsposten. Allerdings kann man sich damit heute noch nicht mal das "Aushängeschild der deutschen Marine" leisten. Denn die Fregatte F125 kostet gut das Doppelte. Zu dem lag sie - wie es in einem vertraulichen Bericht hieß - schief im Wasser und ist zu schwer geraten. Wenn das der Kaiser wüßte!!!
Das Verbrennen der Tannenbäume an diesem Wochenende in Sassnitz
Also, was ist eigentlich anders bei diesem Jahreswechsel? Es ändern sich vielleicht die Orte, wo wir Silvester feiern, die Menschen mit den wir es tun und auch die Abläufe... Aber am Ende ist doch auch nur ein neues Jahr angebrochen; wie jedes Jahr. Nicht ganz! Denn an diesem Wochenende - eine Woche nach Silvester - bot sich sogar noch eine weitere Feier im Binzer Strandhotel an. Das Motto "Casino Royale". Ob James Bond da war? Ich weiß es nicht. Vielleicht hätte es ihn auch eher nach Sassnitz zum Verbrennen der Weihnachtsbäume gezogen. Heute, am Sonntag, können wir uns aber spätestens darüber Gedanken machen, was wir alles 2018 angehen wollen. Die Medien helfen uns dabei alle Jahre wieder! Nach den Rezepten für das Fest kommen nun die Fitness- und Diät-Vorschläge in den Zeitungen und Magazinen. Das schlechte Gewissen ruft also. Nicht nur bei den nicht eingelösten Vorsätzen von 2017, die wir mit in das neue Jahr nehmen, sondern auch bei dem Blick auf die Waage... - So wie jedes Jahr!

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