Mittwoch, 17. Januar 2018

Europäisches Kulturerbe: Die Scherben von Prora

Der etwas andere Blick auf den Gebäudekomplex an der Prorer Wiek
Prora (BM). Auf Rügen kennt ihn jeder: Den kilometerlangen Gebäudekomplex an der Prorer Wiek. Einst als KdF-Seebad konzipiert, wurde die bereits im Rohbau fertiggestellte Ferien- und Freizeitanlage für 20.000 Menschen nach dem Krieg zur militärischen Nutzung umgewidmet. Nach dem Abzug der Streitkräfte sollte sie dann eine zivilie Nutzung erfahren. Doch die Entwicklung der letzten Jahrzehnte - die zunächst durch Kunst und Kultur später auch durch eine Jugendherberge oder nun durch die Planung von Luxuswohnungen geprägt wurde bzw. wird - wirft viele Fragen auf. Nach Antworten suchte auch Markus Georg Reintgen. Er dokumentierte die Komplexität der baulichen Anlage, die unser historisches Erbe ist.
Ungewöhnliche Kombinationen der Fotos verändern den Gesamteindruck
Der Fotograf ging dabei einen ungewöhnlichen Weg: Neben der inhaltlichen Auseinandersetzung mit der Geschichte, die hier mit einem Zeitzeugen aus Beton, Stahl und Ziegelstein zu den wenigen noch erhaltenen Großprojekten des Nationalsozialismus gehört, suchte er auch einen anderen Blick auf das Objekt. So setzte er sich in einen Rollstuhl und veränderte dadurch bereits die Perspektive. Zum Einfangen der Bilder nutzte er dann eine Fotoapparat der Marke ADOX aus den 50er Jahren, die mit einem 6 x 6 cm Rollfilm bestückt wurde. Entstanden sind schwarzweiss Bilder, die - bedingt durch die zeitliche Nähe der Fototechnik - aussehen, als hätten sie eine Zeitreise vollzogen. Sie wirken - im Gegensatz zu einem digitalen Schnappschuss aus einem Smartphone - deutlich grafischer und verfügen über einen stärkeren Kontrast. Das unterstreicht auch das Bauwerk noch einmal in seiner Wirkung auf den Betrachter.

In der Ausstellung: Anordnung der Fotos
Durch ein eigens dafür entwickletes Verfahren lassen sich die Fotos bereits in ihrer Entstehung zueinander - vorwiegend als Bildpaare - in Beziehung setzen; eine Nachbearbeitung durch Zuschnitt ist dabei überflüssig. Die entstandene Komposition der Bilder ermöglicht abschließend einen neuen Blick auf das Objekt. 

Die ursprünglich im Rahmen eines Projektstipendiums 2008 begonnene Arbeit mündete (fortgesetzt 2011) in die heute zu sehende Ausstellung von Markus Georg Reintgen, die den Titel "Scherben von Prora" trägt. Sie ist Teil des deutschen Beitrags zum "Europäischen Kulturerbejahr 2018" und erinnert nun - weit über Vorpommern hinaus - an die wechselvolle Geschichte des Bauwerks.  

Wir danken für die Bereitstellung von Fotos der Ausstellung durch Markus Georg Reintgen.