Sonntag, 28. Januar 2018

Ein Tag auf der "Grünen Woche"

Der Südeingang zur Leistungsschau "Grüne Woche"
Berlin (SAS). Die Hauptstadt ist immer eine Reise wert. Natürlich erst recht zur 83. "Grünen Woche" - vielleicht der Leistungsschau für Gartenbau, Landwirtschaft und Lebensmittel. Und obgleich das Messezentrum am Funkturm derzeit im Außenbereich von Baggern, Bauarbeitern und Umleitungen geprägt ist, der Ansturm ist ungebrochen, auch an diesem letzten Tag... 
Die "Grüne Woche" ist übrigens auch wirtschaftlich zu einem rechenbaren Faktor geworden, denn: Der Kaufkraftzufluß dadurch wird in der Hauptstadt allein mit 150 Millionen Euro überschlagen, was sich mit der direkten Existenz von 25.000 Arbeitsplätzen gleichsetzen lässt.

Von Rügen ist ein Ausflug natürlich ein Kraftakt. Erst recht, wenn man morgens hin und abends zurückfahren möchte. Wer jedoch nicht das Auto nutzen möchte, dem bleibt als Alternative immer noch die Bahn oder einer der Reisebusse (wie von Rügen-Reisen), die den Besucher der "Grünen Woche" sogar bis fast vor den Südeingang des Messegeländes bringen. Hier ist der tagtägliche Ansturm natürlich besonders deutlich, denn: Wie Ameisen sammeln sich die Gäste bereits ab 10 Uhr, um die Leistungsschau zu besuchen. Das diesjährige Partnerland ist Bulgarien, das in der Halle 10.2 zu einem Besuch einlädt. Der Slogan "Wo man das Aroma der Sonne probieren und schmecken kann" klingt auf jeden Fall schon einmal verlockend.
Erst einmal zum Stand von Mecklenburg-Vorpommern...
Dennoch zieht es einen natürlich erst einmal zum Stand unseres Landes. Hier präsentieren immerhin 63 Unternehmen aus Mecklenburg und Vorpommern. Wenn man dem Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) glauben möchte, ist die Stimmung unter den Ausstellern und Gästen ausgezeichnet, ja mehr noch: In der Besuchergunst rangiere unser Bundesland sogar - wie in den Vorjahren - weit oben. Das hört sich bei den Besuchern von der Insel mit denen wir ins Gespräch kommen allerdings ganz anders an. Sie finden den Auftritt enttäuschend. Und das liegt ganz offensichtlich nicht an der Qualität der Aussteller - wie zum Beispiel Inselfrische oder Kutterfisch - die beispielsweise von der Insel angereist sind oder an den vom pommerschen Festland kommenden Stralsunder Bierbrauern. Doch allein die Einbettung ihres Auftritts in der Länderhalle ist wie aus der Zeit gefallen. Dieser Eindruck verstärkt sich sogar noch durch das benachbarte Baden-Württemberg. Eigentlich schade! Und so denken wir nicht allein. Zudem fehlen auch überregional bekannte Produkte wie Rügenfisch oder der Rügener Badejunge. Hier wäre vielleicht auch eine stärkere Ausrichtung auf die Landesteile Mecklenburg und Vorpommern sinnvoll, sowie die Kombination von Traditionellem und Modernem. Da beruhigt es dann auch nicht mehr, dass selbst Niedersachsen enttäuscht.
So präsentierte sich Rügen auf der "Grünen Woche" 2018...
Andere Messehallen geben dagegen ein gutes Beispiel, wie es geht: Da wären Bayern oder die Skandinavischen Länder sowie das Baltikum zu nennen. Überhaupt nutzen sie ihre Präsentation wirklich als Schaufenster, das Lust auf eine Entdeckung der Länder sowie deren Produkten macht.

Wo sind wir? Bei den Holländern - sofort zu sehen...
Dazu geben sich diese - die auch sichtlich höher in der Gunst der Gäste der "Grünen Woche" stehen - sehr selbstbewusst. So sieht und erkennt man die Hollänerinnen an ihren Holländerhauben oder aber die Norweger beispielsweise in ihren Norweger-Pullovern und das sieht keineswegs altbacken aus. Überraschend auch der Aufritt von Berlin...

Einst im pommerschen Stargard zu Hause: Heute kommt Mampe aus Berlin
Wie der Ruf der Hauptstadt ist auch hier alles frech und frisch ohne auf Traditionelles zu verzichten. Mampe zum Beispiel, jene alte Marke die einst aus dem pommerschen Stargard als Likör in die Hauptstadt wechselte und dort Furore machte, hat sich wieder neu aufgestellt und passt absolut in die junge pulsierende Stadt.

Tägliche wechselnde Tiervorführungen in der Arena der Tierhalle - Kennen Sie eigentlich pommersche Warmblüter?

Zu einem Publikumsmagneten ist übrigens - neben der Blumenhalle mit ihren 50.000 Blumen und der Tierhalle - auch Strettfood geworden. Diese - dem Zeitgeist entsprechende - Erweiterung der Messe ist durchaus mit einigen Überraschungen vertreten und man kann sich nur wundern, was sich alles fritieren lässt. Überhaupt von der Vielfalt des Genusses an Essen und Trinken wird man geradezu erschlagen. Alleine die Schweden sind mit 2 mal 15 Sorten Bier angereist, die zur Hälfte der "Grünen Woche" sogar noch gewechselt wurden...
Ackersegen: Einst Stolz pommerscher Kartoffelbauern - heute nur noch in der Länderhalle Thüringens zu finden
Am Ende des Besuches bleiben einem auch in diesem Jahr viele Eindrücke haften, die erst einmal verarbeitet werden wollen. Und: Natürlich überlegt man auch, wie sich unser Land(esteil) zukünftig präsentieren sollte. An der Tradition fehlt es dabei ebenso wenig, wie an neuen Kreationen die die Besucher im Jahre 2019 begeistern könnten. Also rollen wir schon mal gedanklich den Stoewer Arkona in die Halle, zaubern dahinter den Kreidefelsen und das Kap von Rügen, lassen die Kogge mit Bieren von Störtebecker und der Inselbrauerei einlaufen. Aus dem Mastkorb grüßt der Badejunge und eigentlich ist es an der Zeit das Netz mit den Fischbüchsen von Rügenfisch an Bord zu holen. Zwei Mädels grüßen vom Deck in Mönchguter Tracht und bieten edle Tropfen aus der Mönchguter Hofbrennerei an. Außerdem würden alte Obstsorten von Streuobstwiesen - wie die alte Rügensche Apfelsorte "Pommerscher Krummstiel" - oder ein Obstbrand (von eben dieser Sorte) aus der 1sten Edeldestille verkostet. Und obgleich es nicht dort zu stehen bräuchte, wüsste wohl jeder, dass es sich um den Auftritt des pommerschen Landesteils handelt...

Das Pommersche Landschaf, die Pommernente oder die Pommersche Gans wären gute Botschafter für die Region
Da muss der parlamentarische Staatssekretär für Vorpommern Patrick Dahlemann (SPD) sich keine Gedanken machen, dass lange Weile aufkommt, für den pommerschen Landesteil gibt es mehr als eine Herausforderung! Vielleicht würde dann auch die "Grüne Woche" zu einem echten Schaufenster für die Region, wo wir das Beste präsentieren, was wir für unsere Gäste zu bieten haben...