Montag, 8. Januar 2018

Unsere Inselfilme: "Das unsichtbare Visier" (1975)

Treffen mit der CIA im Sassnitzer Rügen-Hotel: Armin Müller-Stahl als Achim Detjen (Foto: DRA/ Studio Hamburg)
Hiddensee. (IF) Seit über 100 Jahren werden Filme auf den Inseln Rügen und Hiddensee, sowie in der Hansestadt Stralsund gedreht wurden. Wir rufen einige von ihnen wieder in Erinnerung...

„Das unsichtbare Visier“ gehörte zu den erfolgreichsten Serien der DDR. Ein Straßenfeger, wie man bei einer Sehbeteiligung von 40 bis 50 Prozent sagt, der in Teilen auch auf der Insel Rügen gedreht wurde. Doch was veranlasste die Zuschauer ausgerechnet dieser Serie zu folgen? Und worum ging es dabei inhaltlich?

Nachdem der populäre Schauspieler Armin Mueller-Stahl den Nationalpreis der DDR erhalten hatte, bekam er das Angebot für die Hauptrolle in dem Spionagefilm „Das unsichtbare Visier“. Im Mittelpunkt der auf drei Teile angelegten Verfilmung stand Werner Bredebusch. Seine Figur faszinierte Armin Mueller-Stahl von Anfang an, denn aus Gesinnungsgründen läuft Bredebusch zur Roten Armee über und schlüpft in die Rolle des gefallenen Jagdfliegers Achim Detjen aus Hamburg. Laut erstem Drehbuch kehrt er unter dessen Identität als sowjetischer Agent aus der Kriegsgefangenschaft in den Westen Deutschlands zurück, um eine Connection alter Nazis auffliegen zu lassen und ihre wirtschaftlichen und politischen Verflechtungen und Schleuserwege zu erkunden. Dabei hatte Armin Mueller-Stahl eine ganz eigene Vorstellung von dessen Verkörperung: „Einen stumpfen Parteiauftragsmenschen wollte ich nicht spielen. Mein Agent sollte eine Abenteuerfigur werden, einer der sich rauft und reitet wie bei Karl May, der Geliebte hat und sich auf jedem Parkett sicher bewegt, ob im südamerikanischen Dschungel oder in der westdeutschen Hauptstadt Bonn.“ Und obgleich der Regisseur der ab 1973 verfilmten Serie damit erhebliche Probleme hatte, soll Erich Mielke, Leiter des Ministeriums für Staatssicherheit, davon sehr angetan gewesen sein. Das führte dazu, dass das Drehbuch umgeschrieben wurde: Aus Achim Detjen, dem Sowjet-Agenten, wurde kurzerhand ein „Kundschafter des Friedens“ - im Dienste des Ministeriums für Staatssicherheit. Der ostdeutsche „James Bond“ war dabei äußerst erfolgreich. Die Filmmusik von Walter Kubiczeck erschien sogar auf Schallplatte und es wurden sechs weitere Drehbücher in Auftrag gegeben. So entstand 1975 übrigens auch die dritte Episode mit den Folgen 6 und 7. Dabei geht es darum, was NS-Wissenschaftler des Lofthuser Kreises in Norwegen erforschten. Die Antwort darauf wurde in Folge 7 „Depot im Skagerrak“ am 26.12.1975 im DDR-Fernsehen gegeben: Achim Detjen besorgt sich Zugang zu den bei einer Expedition gehobenen Behälter aus der Tiefsee und bannt die geborgenen Dokumente auf Mikrofilm. Einen weiteren Behälter mit Kampfstoff-Proben entsorgt er in einem frischen Beton-Fundament, was gerade vor dem Hause des Rügen-Hotels in Sassnitz gegossen wird. Dabei lässt er im Gespräch mit dem CIA-Agenten Wilson am Ende den Blick über den Fähranleger nach Trelleborg schweifen...

Armin Mueller-Stahl - als Achim Detjen - ist zu dieser Zeit längst der Mann für alle Fälle. Er wird 1975 sogar zu den Feierlichkeiten anlässlich des 25. Geburtstages der Staatssicherheit eingeladen und von Markus Wolf und Erich Mielke herzlich empfangen. Doch nach 9 Folgen war trotzdem Schluss. Armin Mueller-Stahl bekennt: „Ich wollte nicht den Rest meines Lebens ein Spion sein, zumal die Rolle unter dem Druck der Stasi politischer werden sollte.“ Und so verabschiedete sich der populäre Ostpreuße mit der Begründung keine Serien mehr drehen zu wollen. Zwar wurde die Produktion mit neuer Besetzung fortgesetzt, aber diese war nicht annähernd so erfolgreich. 
Autogrammkarte von Armin-Müller Stahl
Nach dem Ausstieg folgen Jahre starker Veränderung. Gemeinsam mit anderen DDR-Künstlern wendet  sich Armin Mueller-Stahl u.a. gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann. Letztlich verlässt auch er – wie Manfred Krug u.v.a. – 1980 die DDR. Heute ist Armin Mueller-Stahl einer der international bekanntesten deutschen Schauspieler.
 
Weitere Informationen zu bekannten Schauspielern:
Das Schauspiel-Schloß (1) / Das Schauspiel-Schloß (2) /
Unsere Inselfilme in chronologischer Reihenfolge ihrer Entstehung: 
"Pro Patria" (1910) / "F.P. 1 antwortet nicht" (1932) / "Lügen auf Rügen" (1932) / "Der Dschungel ruft" (1936) / "Brand im Ozean" (1939)"Geheimakte W.B. I. (1941) / "Das Mädchen von Fanö" (1941) / "Schatten über den Inseln" (1952) / "Genesung" (1955)"SAS 181 antwortet nicht" (1958) / "Im Sonderauftrag" (1959)"Hatifa - Abenteuer einer Sklavin" (1960) / "Ein Sommertag macht keine Liebe" (1960) / "Leuchtfeuer über Schnee und Eis" (1963) / "Die Hochzeit von Länneken" (1964) / "Die Reise nach Sundevit" (1966) / "Mitten im kalten Winter" (1968) / "Die Heiden von Kummerow" (1968)"Heißer Sommer" (1968) / "Suse, liebe Suse" (1975) / "Das unsichtbare Visier" mit dem Teil "Depot im Sagerrak" (1975) / "Tambari" (1976) / "Hiev up" (1978) / "Vergeltung" (1980) / "Die Männer der Emden" (2014)

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