Dienstag, 6. Februar 2018

Arndts Namen zu verwerfen, ist eine Demütigung


Ein Leserbeitrag von Dr. Reinhard Glöckner

Der Senat der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald hat sich mehrheitlich entschieden, den Namen von Ernst Moritz Arndt abzulegen. Diese Entscheidung stand seit vielen Jahren wiederholt auf der Kippe, mal mehr als 50 Prozent mal weniger. 

Schon zu Lebzeiten und seither immer war Ernst Moritz Arndt ein umstrittener Mann, weil er ein mutiger und entschlossener Streiter war. Er war ein lautstarker Zeitgenosse im damaligen Europa des Antisemitismus. Er gab wesentlichen Anstoß zur Überwindung der Leibeigenschaft. Er war für die Einheit der Deutschen und für den Aufstand gegen die französische Kriegsmacht unter Napoleon. Doch schon zuvor empörte ihn, dass die Franzosen in ihrer Revolution die christliche Religion abschaffen wollten. Dafür hatte er kein Verständnis. Noch heute singen wir sein Lied: „Ich weiß, woran ich glaube, ich weiß, was fest besteht...“

Für die Menschen in Vorpommern ist er wie auch Caspar David Friedrich einer der Namen von besonderer Bedeutung. Diesen Namen zu verwerfen ist eine Demütigung der in ihrer Tradition geprägten Pommern, für die, die schon immer hier gewohnt haben, und für die vielen zum Kriegsende aus Stettin und weiter östlich hierher Geflüchteten. Sie haben in der Zeit der DDR aber auch danach viele Demütigungen erfahren. Der Beschluss steht dem Senat der Universität zu, er ist rechtmäßig, er entspricht der halben Wahrheit. Weise ist er nicht. Der Senat hat sich gegen die Bevölkerung der Stadt entschieden. Ich bedaure diese schädliche Entwicklung. 

Der Theologe und ehemalige Oberbürgermeister von Greifswald, Dr. Reinhard Glöckner, war von 1974 bis 1990 Pastor an der Greifswalder St. Marien-Kirche. In den 80er Jahren engagierte er sich in der kirchlichen Friedensbewegung der DDR und hatte Anteil an der Organisation von Friedensgebeten und Montagsdemonstrationen in Greifswald. Nach seinem Einsatz für die Umgestaltung der Gesellschaft am Runden Tisch wurde Reinhard Glöckner im April 1990 mit dem Mandat der CDU zum Oberbürgermeister von Greifswald gewählt und war am Aufbau der Stadtverwaltung nach der Wiedervereinigung beteiligt. Er setzte sich für die Bildung der Euroregion Pomerania ein und wurde 1993 zum Ehrensenator der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald ernannt.

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