Donnerstag, 25. März 1971

Herrensitz wird Kulturzentrum

Dem aufmerksamen Putbusser wird die seit einigen Wochen andauernder Geschäftigkeit am Schloß nicht entgangen sein. Den jahrelang über dem nach Schinkelschen Plänen geschaffenen Buwerk lastende Schleier des Geheimnisses hat sich gehoben. Offen gesagt: es wurde Zeit! Und es ist dem Rat der Gemeinde anerkennend zu bestätigen, daß ihm seine ernsthaften Bemühungen zum Umbau des ehemaligen Herrensitzes den Dank aller Rüganer einbringen werden.
Man kann die erfreuliche Tatsache registrieren, daß sich Putbus durch das immer mehr an Bedeutung gewinnende Theater zum kulturellen Mittelpunkt unserer Insel entwickelt. Tausende Urlauber suchen im Sommer unsere Stadt auf und finden in dem mit dendrologischen Seltenheiten reich gesegneten Park Entspannung. Der vielfach geäußerte Wunsch, das Schloß zu einem den kulturellen Bedürfnissen entsprechenden Gebäude umzugestaltenn, war den Stadtvätern Anlaß, mit maßgeblichen Fachleuten, Kulturschaffenden, Lehrern und Funktionären umfangreiche Besprechungen zu führen, bei denen alle vorhandenen Möglichkeiten noch einmal in Erwägung gezogenn wurden. Die bisher nur verschwommen und illusorischen Pläne sind nun zu einem vernünftigen und durchaus realen Projekt herangereift. Die "OZ" ist in der Lage, Ihnen, verehrte Leser, Einzelheiten, des immerhin recht umfangreichen Planes mitzuteilen.
Wie schon erwähnt, wird der Forderung entsprochen, das Putbusser Schloß zu einer allgemeinen Kulturstätte umzubauen. Der linke Flügel des Gebäudes wird also nach Abschluß der Bauarbeiten geeignete Räumlichkeiten für eine große Bücherei enthalten. Daneben sind mehrere Klubräume, Heimatstuben und ein Fernsehempfangszimmer vorgesehen. Der rechte Flügel wird eine nach modernsten Auffassungen eingerichtete Gaststätte mit Fremdenzimmern aufnehmen.
Zu diesem Thema gibt es jedoch noch etwas zu bemerken. So wohl überlegt die Pläne der Gemeindeverwaltung sind, so unverständlich erscheint uns die Absicht des Stralsunder Architekten Schwanz, der sich entschieden gegen die Einrichtung von kulturellen Zwecken dienenden Räumen ausspricht. Die Putbusser - so denken wir - werden gegenüber solchen Vorhaben anderer Meinung sein.
Im engen Zusammenhang mit dem Umbau des Schlosses steht selbstvertändlich die Erneuerung der Parkanlagen. Ein Teilobjekt ist die Wiedererrichtung des Wildparkes... ...Die schleppende Bautätigkeit in der Vergangenheit war oftmals Anlaß zu unsachlichen Diskussionen und bösartigen Spötteleien über den Schloßumbau. So sehr sich die ehrlichen Putbusser über die finanzielle Unterstützung des Bauvorhabens von Seiten der Regierung der DDR gefreut haben, so geschickt haben es unverantwortliche bisher verstanden, Gelder, die uns allen gehören, nutzlos zu verpuvern und ohne die erforderliche Sorgfalt zu walten. Damit ist zwar jetzt Schluß, zweifellos aber wird es dazu noch einiges zu sagen geben.

Das Gelände rund um das Schloß hat sich in eine große Baustelle verwandelt. In der "Rutsche" vor den Säulen wird der oben anfallende Bauschutt schnell nach unten befördert.


("Ostsee-Zeitung" v. 15.12.1955)