Freitag, 26. März 1971

Kollege Eger und die Pauke

Noch einmal zum Schloßumbau - Trommelfeuer statt Selbstkritik

Wie wir bereits in unserer Ausgabe vom 15. Dezember berichteten, hat der jetzt ernstlich in Angriff genommene Umbau des Putbusser Schlosses ein starkes Interesse bei der Bevölkerung hervorgerufen. Allenthalben ist man darüber erfreut, daß ein großer Teil der Schwierigkeiten aus dem Weg geräumt wurde und daß der VEB Bau Putbus sich beim Schloßumbau von einer guten Seite zeigt.
Dennoch - so denken wir - wäre es falsch, sich mit dieser Tatsache zufrieden zu geben und die in der Vergangenheit gemachten Fehler aus dem Gedächtnis zu streichen, denn ein Bau ist kein Stück Papier, dass man wegwirft, wenn man einen Klecks drauf gemacht hat. So harmlos ein Klecks ist, so schwerwiegend wirken sich noch heute die "Taten" des ehemaligen Oberbauleiters Eger von der Abteillung Aufbau beim Rat des Kreises aus.
Aber worum geht es? Uns geht es darum, die verantwortlichen Stellen darauf aufmerksam zu machen, welche "Leistungen" der "Fachmann" Eger beim Schloßumbau vollbracht hat. Darüber sprechen die Gutachten des VEB Bau sowie einer Kommission des Rates des Bezirkes unter Leitung des Kollegen Thoms Bände.
Nach diesem Gutachten erscheint es wie ein Witz, daß man nicht zuerst, ehe man an die Fassadenwiderherstellung heranging, das Dach instand gesetzt hat. Hierin liegt das größte Versäumnis der ehemaligen Bauleitung, denn durh das undichte Dach und die beschädigten Regenrohre wurden die bereits vorhandenen Schwammherde um ein Vielfaches vergrößert. An Arbeiten zur Erhaltung und Wiederherstellung des Schlosses wurde nur ein kleiner Teil der Fassade fertiggestellt. Außerdem sind einige zerstörte Stellen des Mauerwerkes im Erdgeschoss erneuert worden, ohne die Ursache der Zerstörung zu beseitigen. Die Bauleitung ließ das Oberlicht über dem Saalteil erneuern, obwohl noch nicht klar war, wie das Dach ausgebildet werden sollte.
Ebenfalls wird in dem Gutachten festgestellt, daß das zu Einbau gelangende Bauholz nicht wie vorgeschrieben gegen Schwammbefall imprägniert worden ist. Das zeugt von den "Kenntnissen" des Kollegen Eger.
Dazu kommen noch unsachgemäße Konstruktionen, die den Bauarbeitern nur ein mitleidiges Lächeln abgewinnen konnten, sowie Rüstungen, auf denen sich selbst eine Katze unsicher gefühlt hätte.
Es ist die Tatsache, daß mit den vom Kollegen Eger verbauten 250.000 DM nicht viel erreicht wurde. Die restlichen 250.000 DM ließ er einfach verfallen. Es wäre gut, wenn sich der Kollege Eger auch über die Materialdifferenzen und die ungeheuren Mehrkosten, die er durh seine Arbeitsweise verursachte, äußern würde. Daß der Schloßumbau ein halbes Jahr lang das "Gespött Nummer 1" war, geht ebenfalls auf das Konto des Kollegen Eger.
Wir wissen, daß der ehemalige Bauleiter vorzüglich "auf die Pauke heuen" konnte. Er hat diesen Umstand dazu ausgenutzt, seine Schwächen zu verdecken. Aber anstatt jetzt zu lernen, verwandelte er die Pauken in ein Trommelfeuer gegen den neuen überaus tüchtigen Bauleiter Kroß sowie gegen den VEB Bau Putbus, der in einer weitaus kürzeren Zeit mehr geleistet hat als der vorher verpflichtete Private Viernow aus Stralsund.

Unser Reporter im Gespräch mit Oberbauleiter Kroß (links) und einem Kollegen des VEB Bau Putbus über die Schwierigkeiten beim Umbau des Schlosses.

Morsche Bretter und Balken werden durch neue ersetzt. Das Baumaterial muß über verfaulte Treppen und baufällige Zwischendecken transportiert werden.

("Ostsee-Zeitung" v. 20.12.1955)