Mittwoch, 24. März 1971

Verbrecher zerstören Kulturgut

Die noch vorhanden großen Kunstschätze im Schloß Putbus haben den Ministerpräsidenten Otto Grothewohl veranlaßt, maßgebliche Professoren mit der Wiederherstellung des Schlosses zu beauftragen.
In dem Schloßgebäude befinden sich noch vier wertvolle Marnorstatuen aus der griechischen Mythologie, die vor hundert Jahren stafettenmäßig vo Sizilien nach Putbus gebracht wurden. Damals waren diese Statuen im ehemaligen Spielsaal aufgestellt. Nach dem Brand von 1863 ließ der Fürst diese griechischen Göttinenen und Götter unsachgemäß auf die Dachzinnen seines neuerbauten Schlosses setzen. Diese Marmorfiguren wurden vor kurzem in mühevoller Arbeit wieder heruntergenommen und sollten ihren alten Standort wieder erhalten.
Am 21. Dezember 1954, in der Zeit von 12.45 Uhr bis 13.30 Uhr, wurde eine der wertvollsten Figuren, die Aphrodithe, mit Hilfswerkzeugen und Bruchsteinstücken zertrümmert. Kunsthistoriker schätzen diese Figur mit etwa 28.000 DM Wert ein. Ser schaden ist ungeheuer groß, da man diese Figur nicht wieder herstellen kann. Der kunsthistorische Wert beträgt ein Vielfaches des genannten materiellen Wertes. Die Verbrecher versuchten sogar, den Kopf der zweiten Figur abzuschlagen, sind jedoch gestört worden und verließen das Gelände des Schlosses fluchtartig.
Die Bevölkerung wird gebeten, bei der Festnahme der Verbrecher mitzuhelfen und jede Wahrnehmung der Kriminalpolizei Putbus, Telefon 331, mitzuteilen.

("Ostsee-Zeitung" v. 23.12.1954)