Dienstag, 21. August 2001

„Das nächste mal komme ich per Schiff...“

Das FDP-Interview mit G. Weber und G. Westerwelle über die Insel Rügen, die Landratswahl, Pommern und die EU-Osterweiterung.
Herr Westerwelle, was führt sie nach Lauterbach?
G. Westerwelle:
Ich bin hier zu einem Grillfest eingeladen worden und weile nun bereits zum dritten oder vierten Mal auf der Insel Rügen.
Herr Weber, sie treten für die FDP zur Landratswahl an. Frage: Einmal Weber – immer Weber. Ist das richtig?

G. Weber: Ja, sicher. Sie wissen ja wir, hatten hier auf der Insel Rügen ein Wahldebakel – verursacht durch eine andere Partei. Und in der ersten Runde habe ich 13,3 % der Wählerstimmen erhalten – ein fantastisches Ergebnis für die FDP. Nun muß die Wahl noch einmal aus formalen und rechtlichen Gründen wiederholt werden, weil die Kandidatin – Frau Kassner – nicht genug Stimmen bekommen hat. Aber: Wir sind sehr optimistisch, dass wir wieder ein gutes Ergebnis bekommen werden.
Was fällt Ihnen zum Thema Rügen ein?

G. Westerwelle: Klasse Landschaft. - Ganz privat: Urlaub. Und vor allen Dingen ist Rügen die Insel, die ich unmittelbar - nachdem es auch für mich möglich war... nämlich nach der deutschen Einheit – besucht habe. Damals bin ich noch als Referendar mit einem kleinen Auto bis hoch nach Arkona gefahren und ich kaufte dort auch eine kleine Grafik.
Sie sind auch ein begeisterter Segler habe ich gelesen?

G. Westerwelle: Ich fange damit an und dementsprechend bin ich besonders begeistert. Klar...
Und wie gefällt Ihnen Lauterbach?
G. Westerwelle:
Es ist ein sehr schöner Hafen. Und ich freu mich, dass der Hafenmeister heute abend auch hier ist. In sein Gästebuch habe ich ihm geschrieben: Dass nächste Mal komme ich per Schiff...
Herr Weber, was fällt Ihnen zu Pommern ein?
G. Weber:
Pommern ist der Landesteil in dem ich wohne. Eine sehr schöne Landschaft. Und: Wir sind auch EU-Außengrenze zu Polen. Hier - denke ich mal, werden sich auch interessante Entwicklungen abzeichnen – auch für Pommern.
Herr Westerwelle, Stichwort: EU-Erweiterung. Was sagen sie dazu?
G. Westerwelle: Auf lange Sicht ist dies eine notwendige Entwicklung. Aber es muß natürlich so sein, dass wir als Deutsche nicht verlieren – sondern gewinnen. Und deswegen wird man ganz sicher auch Übergangsregelungen finden müssen. Andererseits darf man eines nicht vergessen: Wir leben vom Export und wir haben große Vorteile wenn wir Produkte ins europäische Ausland liefern können – das schafft bei uns Arbeitsplätze. Es muß aber gleichzeitig klar sein, dass wir in Europa nicht nur Zahlmeister sein können, sondern daß wir dabei für uns auch etwas heraus handeln – und das ist die Aufgabe von Politik.
Nun sprachen wir schon Herrn Weber auf Pommern an. Einst war ja die pommersche Landeshauptstadt Stettin das Hafentor von Berlin. Sehen sie dort eine zukünftige Entwicklungsmöglichkeit ?
G
. Westerwelle: Ich muß Ihnen ganz ehrlich sagen, dass ich zu diesem Thema zu wenig weiß und auch wenig zu Stettin sagen kann, weil ich es noch nicht kennen gelernt habe. Und auch aus wirtschaftlicher Perspektive kann man derzeit auch deshalb wenig dazu sagen, weil Polen erst einmal die Kriterien für eine Aufnahme in die EU erfüllen muß.
Herr Weber, wo sehen Sie die Schwerpunkte für die Wirtschaft in regionalem Bezug auf die Insel Rügen?
G. Weber: Wir haben uns immer sehr stark gemacht für die A 20, für die zweite Rügenanbindung und den Ausbau der B96 in Richtung Mukran. Denn unser Ziel ist es die regionalen Häfen fit zu machen für den Wettbewerb. Für uns ist Rügen ist eine Drehscheibe via Skandinavien und ins Baltikum und das müssen wir im Auge behalten.

Zurück zur Landratswahl. Was würde bei einem Landrat Weber denn anders sein, als bei einer Landrätin Kassner? G. Weber: Man muß den Leuten einfach die Wahrheit sagen. Das heißt: Man kann nicht alle Versprechungen auf die Zielgruppe ausrichten, die man gerade besucht. Also, egal ob es eine Kunsthalle oder die Ausstattung einer Schule ist. Denn: Politik ist keine „Wünsch Dir was“ - Veranstaltung! Und Wahlversprechen müssen auch umsetzbar und finanzierbar sein. Die Antwort, wie Frau Kassner ihre Wahlversprechen realisieren will, ist sie ja bisher schuldig geblieben.
Das mache ich nicht. Uns geht es um die Bewahrung der Eigenständigkeit des Landkreises und die beginnt bei gesunden Finanzen. Grundlage hierfür sind stabile wirtschaftliche Verhältnisse. Und die kann man nur mit einem funktionierenden Mittelstand erreichen. Es ist nun mal ein alter Grundsatz, dass man nur ausgeben, was man hat. Das wird von der SED-Nachfolgepartei PDS anscheinend ignoriert.
Wie sehen Sie das Verhältnis zur PDS?
G. Westerwelle:
Man muß sich mit der PDS in der Sache auseinander setzen. Ich halte nichts von eine „Roten-Socken-Kampagnen“, von der PDS oder Ihrer Geschichte. Gemessen werden muß sie aber an etwas anderem: Die PDS verspricht unglaublich viel, aber sie kann nichts halte. Und mir sind Politiker lieber, die praktisch veranlagt sind – die halten können, was sie versprechen. Leider ist das derzeitige Bild so: Es wird immer mehr versprochen und dies geht dann in der Umsetzung zu Lasten der jungen Generation. Und das ist deshalb unverständlich, weil man doch möchte, dass die Kinder und Enkelkinder eine faire Zukunft haben und nicht vor einem Schuldenberg sitzen.
Vor Ort geht ja der Trend dahin, nicht die Parteipolitik in den Vordergrund zu schieben, sondern die Sachpolitik...
G. Westerwelle:
Das ist genau der Grund, warum ich auch nach Rügen gekommen bin... Weil ich Herrn Weber seit Jahren als einen Menschen erlebt habe, der praktisch denkt und in der Sache handelt. Mir gefällt übrigens auch sein Motto ganz gut: „Ärmel hochkrempeln.“ Und so habe ich ihn auch erlebt. Er ist kein Versprecher, sondern ein Macher.
Vielen Dank für das Gespräch.

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