Samstag, 22. September 2001

"Die ganze Familie - alles Steinmetze..."


-->
Noch während der Arbeiten am Bismarckstein sprachen wir mit dem Berliner Steinmetz Carlo Wloch über seine Arbeit, das Handwerk und die Familie.

Herr Wloch, wann wird der Bismarckstein in alter Schönheit mit seinem - zu DDR-Zeiten geschliffenen – Text von den Putbussern und ihren Besuchern wieder bewundert werden können?
C. Wloch: Wir sind fast fertig. Also, es ist genauer gesagt noch eine Reihe von Buchstaben am Bismarckstein zu machen. Morgen werden wir voraussichtlich mit den Vergoldearbeiten beginnen und dann könnten am Sonntag – wenn das Wetter so bleibt – die Arbeiten abgeschlossen werden.
Wann ist denn der Bismackstein errichtet worden?
Das war vor etwa hundert Jahren. Damals wurde er im November durch die Familie zu Putbus, die Familie Roon, Moltke und Bismarck eingeweiht und heute hoffen wir, dass es ähnlich feierlich 2001 – vielleicht mit ein wenig Prominenz aus alten Häusern – und in einer kleinen Feierstunde auch wieder sein wird.

Gab es denn schon Kontakt zu einigen adligen Familien - im Vorfeld der Wiedereinweihung - die damals schon bei der Feier vertreten waren?
Naja, also erst einmal gilt es als sicher, dass Franz zu Putbus kommen wird. Es ist aber auch so, dass die Familie Bismarck sehr interessiert an dem Fortgang und Verlauf der Arbeiten war.
Herr Wloch, wie kommt man eigentlich daz
u Steinmetz zu werden und macht Ihnen Ihre Arbeit noch Spaß?
Natürlich macht mir meine Arbeit immer noch Spaß, Außerdem komme ich aus einer alten Steinmetzfamilie. Mein Vater war alter Stettiner – meine Mutter kam aus Scheune bei Stettin – beide waren Steinmetze und meine Geschwister und meine Tochter sind es auch geworden. Die ganze Familie – alles Steinmetze. Das ist wahrscheinlich genetisch bedingt.
Und wie kam ihre Familie dann von Stettin nach Berlin?
Meine Eltern sind 1945 aus Stettin raus – wie so viele andere auch – waren noch zwei Tage in Sassnitz und da haben sie dann die Russen geschnappt. Sie wurden dann beide nach Berlin gebracht, weil sie eben in den Papieren gesehen hatten, dass mein Vater Steinmetz war. Und so hat er dann später auch am Treptower Ehrenmal mitgearbeitet.
Und wie kamen Sie auf die Insel?
Ich bin 1984 das erste Mal auf die Insel gekommen durch Werner Stötzer.
Der hatte damals den Auftrag für das Marx-Engels-Forum und ich habe hier meine Leidenschaft für die Vilmnitzer Kirche, für die Gruft und die Geschichte der Familie zu Putbus und der Stadt entdeckt. Dazu gehörte aber auch die traurige Geschichte von der Sprengung des Schlosses und der Vertreibung der Familie zu Putbus.
Vielen Dank und weiterhin alles Gute.
(Das Interview mit Carlo Wloch führte Katharina Berndt - Vize-Miss-Germany 2002 - aus Greifswald)