Montag, 18. April 2005

Wild West in Sagard


Sagard
Sagard. Stiefel knallen aufs Parkett. Hände klatschen rhythmisch zur Musik. Was einst in der Goldgräberzeit im fernen Amerika entstand, ist für Rüganer keineswegs ein alter Hut: Crazy Line Dance. Doch wie überall haben sich auch hier die Zeiten kräftig gewandelt. Denn die Goldschürfer ersannen einst diesen Tanz, um auch ohne Frauen – sie waren Mangelware – eine flotte Sohle zu schwingen. „Heute ist es leider ungekehrt.“ Bekennt Steffi Niemann. Sie ist eine von elf jungen Rüganerinnen, die sich jeden Freitag um 20.30 Uhr im Sagarder „Crazy Bird“ in der Thälmann-Straße treffen und über ein wenig männliche Verstärkung fürs „Line Dancen“ erfreut wären. „Einer hat den Weg zu uns bereits gefunden...“ ruft Conny Päschke herüber und weist auf den einzigen „Cowboy“ im Saal. Klaus Feilke, den alle nur „Schornie“ nennen, ist schon länger Fan dieses Tanzstils. „Das ergab sich einfach so...Ich suchte nach einem Tanz der zu mir passt und da kam ich auf Line Dance.“ Dafür musste er allerdings bisher weite Wege nach Stralsund oder Greifswald auf sich nehmen. Dann machte sein Untermieter ihn auf die Mädels aufmerksam. „Wir sind ganz froh, dass Schornie zu uns gefunden hat, denn er ist für uns eine echte Bereicherung.“ Meint Ines Tredup. Auf die Frage ob denn nun das Tanzen leicht oder schwer ist, weicht Schornie jedoch lächelnd aus. „Es ist einfach so: Jeder Titel der getanzt wird, besteht aus mehreren Counts. Das sind Schrittfolgen. Leichte Songs tanzt man mit sechzehn und mittlere mit dreißig bis vierzig aufeinander folgende Counts. Danach geht es wieder von vorne los.“ Und nach einer kleinen Pause ergänzt er „...zwar hat jeder Titel eine eigene Choreographie, aber das sollte Anfänger, die mitmachen wollen, nicht abschrecken. Es ist reine Übungssache.“ Nicole Strübing zum Beispiel: Sie ist die Jüngste im Team und geht noch zur Schule. Vor einem halben Jahr hat sie erst angefangen, aber nun ist sie schon richtig gut. Natürlich fällt so was nicht vom Himmel. Wenn sie nach Hause kommt, legt sie ihre Musik auf und tanzt einfach los. „Das ist ja das Tolle, man kann es mit Freunden oder alleine tanzen.“ Steffi, die noch Altenpflegerin lernt, denkt bereits an ihren nächsten Auftritt. „Es geht nach Sehlen zum Tanz in den Mai. Eigentlich klappt ja schon alles ganz gut. Aber an der Synchronität müssen wir noch etwas arbeiten.“ Vielleicht doch ein bisschen Lampenfieber? „Ach, wird schon schief gehen. Uns liegt ja das Tanzen im Blut und Spaß macht es auch noch.“ sagt Klaus Feilke und legt schon den nächsten Showtitel auf. „So Mädels: One Step Foward!” Und dann wirbeln sie wieder durch den Saal. Diesen Freitag möchten sie nun auch ihren eigenen Verein gründen. Der soll dann „Crazy Line Dancer Island Rügen“ heißen und ordentlich von sich reden machen.

(PA-Meldung vom 17.04.2005)